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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Pilzgärten
lung gelangenden Sporen verbreiten. Speciell wer-
den die Fruchtkörper der exotischen Phalloideen
neuerdings vielfach als P. bezeichnet. Unter diesen
gehört zu den durch eigenartige Gestaltung am mei-
sten auffallenden Diet^opkora. pIialioiäLg. AeFliamX
(s. nachstehende Abbildung), die in ihrer Heimat
Brasilien als Schleierdame bezeichnet wird.
Wie von A. Möller festgestellt wurde, entwickelt
sich dieser Pilz in wenigen Stunden aus der eiför-
migen Anlage, und zwar zeigt dabei der Stiel häufig
ein Wachstum von 2 mm in der Minute. Bei dem
nach nahezu vollendeter Streckung des Stieles an
dem Hut hervorbrechenden reifrockartigen Netz be-
trägt das Wachstum sogar nicht selten 5 min in der
Minute. Gleichzeitig mit der in den Abendstunden
stattfindenden Entfaltung des Pilzes findet ferner
die Ausscheidung eines höchst unangenebmen Ge-
ruches statt, der neben der auffallenden Gestalt Aas-
fliegen anlockt, die die an der Oberfläche des Hutes
befindliche schleimige Sporenmassc einsangen und die
Verbreitung der im Darminhalt ihre Keimkraft nicht
verlierenden Sporen bewirken. - Vgl. Ludwig,
Lehrbuch der niedern Kryptogenen (^tuttg. 1892);
Möller, Brasilianische P. (Jena 1895).
tropischen Amerika sehr verbreitet und fallen da-
durch sofort in die Augen, daß sie sich in langen
Zügen, mit mehr oder weniger vollständig kreis-
runden Blattstücken beladen, nach ihren Nestern hin-
bewegen. Nachstehende Abbildung (Fig. 1) stellt drei
derartige auf der Wanderung begriffene Exemplare
von ^tta 6i8ci^6ra MaT/?- dar. Infolge ihrer großen
Zahl und Behendigkeit können diese Ameisen häufig
in relativ kurzer Zeit ansehnliche Sträucher oder
auch Bäume fast gänzlich ihres Laubes berauben.
Das Zuschneiden der zum Transport geeigneten
Stücke geschieht dabei in der Weise, daß die Ameise
sich um ihre Hinterfüße als Mittelpunkt dreht, so
daß die scherenartig wirkenden Kinnbacken im Kreise
herumgeführt werden. Fig. 2 zeigt zwei an Cuphea-
blättern ausgeführte Schnitte, die Möller in 4-5
Minuten ausführen sah.
Während man nun bis vor kurzem nur wußte,
daß die Blattschneideameisen mit ihren Blattstücken
in die vorwiegend in Höhlungen des Bodens an-
gelcgtenNester ver-
schwinden , und
allerdings bereits
von Velt die Ver-
mutung ausge-
sprochen war, daß
dieBlattfragmente
als Dünger für die
zur Nahrung der
Ameisen dienen-
den Pilze benutzt
würden, wurde die
Richtigkeit der
Beltschen Vermu-
tung erst von A.
Möller nachgewie-
sen. Er konnte
nämlich nament- ^
lich bei in der Ge-
fangenschaft be-
findlichen Ameisen
direkt beobachten,
daß die Blattstücke weiter verkleinert und unter fort-
währender Einkerbung zu Klümpchen zusammenge-
ballt werden, die ein gutes Substrat für Pilzkulturen
sind. In den Nestern der Blattschneider findet man
stets unterhalb des von trocknen Blättern u. dgl.
gebildeten Schutzdaches eine lockere, badeschwamm-
artige Masse, die ganz aus derartigen, von zahllosen
Fig. 1.
Fig. 2.
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^^^^M.H
Fig. il.
Pilzgärten, Bezeichnung für die von verschie-
denen Ameisen in ihren Nestern als Nahrungsmittel
gezüchteten Pilzmasscn. Am genauesten untersucht
wurden in neuerer Zeit von A. Möller die P. der
brasil. Schlepp- oder Vlattschncideameisen,
die dem Genus ^.tw ^. angehören. Sie sind im
Pilzfäden durchwucherten Vlattfragmenten besteht.
Vorstehende Fig. 3 stellt einen solchen innerhalb
von drei Tagen unter den Augen von A. Möller
in der Gefangenschaft gezüchteten Pilzgarten dar.
Die mikroskopische Untersuchung dieser P. ergab
ferner, das; die Pilze in denselben zahlreiche kugelige,