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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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895
Rumänische Eisenbahnen - Russisches Heerwesen
Rolle spielen, sind die wichtigsten Erzeugnisse. Der Weinbau auf (1893) 146000 ha ergab 1,25 Mill. hl. Die Angaben der letzten Viehzählung von 1890 sind veraltet. Schafe und Ziegen gab es über 5, Rindvieh über 2,5 Mill. Stück. Die Einnahmen betrugen 1894/95: 200, die Ausgaben 210, das Deficit also 10 Mill. Lei. Die Staatsschuld hatte 1. April 1896
die Höhe von 1165 Mill. Lei, die 69 Mill. Zinsen erfordern. An Schiffen liefen 1895 ein 32421 mit 8917219, aus 32219 mit 8978219 Registertons. Die Handelsmarine zählte 299 Schiffe (28 Dampfer) mit 61078 (1054) Registertons. Der Handel zeigte l895 eine beträchtliche Abnahme; die Einfuhr sank auf 305, die Ausfuhr auf 265 Mill. Lei; es entfallen auf:
Verkehrsländer Einfuhr Ausfuhr
Deutschland 81 26
Großbritannien 59 75
Österreich-Ungarn 86 42
Frankreich 26 6
Belgien 15 76
Türkei 15 14
Rußland 10 9
Italien 6 11
In der Einfuhr stehen Gewebe mit 112 und Metallwaren mit 59, in der Ausfuhr Cerealien mit 195 Mill. Lei obenan, über die Rumänischen Eisenbahnen s. d. Die 3216 Postbureaus beförderten (1895) 12169815 Briefe, 7744215 Postkarten und 23438805 Drucksachen und Warenproben. Die 476 Telegraphenämter erledigten auf 6832 km Linien (Drahtlange 16211 km) 2281599 Depeschen.
Geschichte. Infolge von Meinungsverschiedenheiten, die im Schoße der Regierung gelbst entstanden waren, trat 15. Okt. 1895 das seit Dez. 1891 am Ruder befindliche konservativ-junimistische Kabinett Catargiu zurück, worauf der König den Führer der Liberalen, Demeter Sturdza, zur Bildung eines Ministeriums berief. Die Neuwahlen, die 6. bis 12. Dez. stattfanden, brachten den Liberalen einen glänzenden Sieg, doch brach in ihren eigenen Reihen Uneinigkeit aus. Der Minister des Innern, Fleva, trat zurück und entfesselte eine heftige Agitation gegen die Regierung, wofür ihm eine kirchliche Frage zum Vorwand diente. Am 20. Mai 1896 war nämlich der Metropolit-Primas Gennadios unter Mitwirkung der Regierung von der Synode seines Amtes enthoben worden, weil er die Satzungen der orthodoxen Kirche verletzt und sich ungehörige Geldvorteile verschafft haben sollte. Seine Anhänger, darunter namentlich Fleva, die die Rechtmäßigkeit dieses Verfahrens bestritten, veranstalteten lebhafte Demonstrationen zu seinen Gunsten, und um diese staatsgefährlichen, im dreibundfeindlichen Lager geschickt ins Werk gesetzten Intriguen aus dem Wege zu räumen, gab das Ministerium Sturdza 2. Dez. seine Entlassung. Der König beauftragte den Präsidenten der Deputiertenkammer, Aurelian, der ebenfalls der liberalen Partei angehört, mit der Neubildung des Kabinetts. In diesem, das 4. Dez. zusammenkam, übernahm Aurelian das Präsidium und die Domänen, Lascar das Innere, Porumbaro die öffentlichen Arbeiten, Marzesco Kultus und Unterricht, Berindei das Kriegsministerium; aus dem Ministerium Sturdza verblieb Kantakuzeno bei den Finanzen, und Stoicescu übernahm das Auswärtige. Die neue Regierung beseitigte den Kirchenkonflikt, indem 16. Dez. die Synode das über den Metropoliten Gennadios gefällte Urteil aufhob, nachdem dieser vorher auf seine Würde Verzicht geleistet hatte. Zu seinem Nachfolger als Primas wurde darauf der Metropolit Joseph Georgian gewählt. - Im übrigen machte sich die steigende Entwicklung und Bedeutung R.s auch in den jüngst verflossenen Jahren geltend. Am 26. Sept. 1895 war von dem König die großartige Donau-Eisenbahnbrücke bei Cernavoda festlich eröffnet worden, wodurch die kürzeste Verbindung zwischen der Nord- und Ostsee und dem Schwarzen Meer hergestellt ist, und im Okt. 1896 wurde der Grundstein zur Erbauung des Hafens von Küstendze gelegt. Am 27. Sept. 1896 wurde der Kanal am Eisernen Thor von Kaiser Franz Joseph im Beisein der Könige von N. und von Serbien festlich eingeweiht, der für die Handelsbeziehungen R.s von größter Bedeutung zu werden verspricht. Darauf folgte der politisch bedeutungsvolle dreitägige, festlich begangene Besuch des Kaisers von Österreich in R., und im Oktober desselben Jahres kam auch der König von Serbien zum Besuche nach Bukarest. Mit Griechenland, mit dem R. seit 1891 den diplomat. Verkehr eines Erbstreites halber abgebrochen hatte, wurden wieder normale Beziehungen hergestellt. - Vgl. Benger, R., ein Land der Zukunft (Stuttg. (1896); Kraus, R. und Bukarest (Bukarest 1896); R. in Bild und Wort, hg. von Duschet, Text von Tocilescu (ebd. 1896 fg.).
*Rumänische Eisenbahnen. Das Eisenbahnnetz hatte 1. Jan. 1895 eine Ausdehnung von 2581 km. Das Anlagekapital der Staatsbahnen (2454 km) betrug 1. Jan. 1894: 485185000 M. oder 197712 M. für 1 km. Am 26. Sept. 1895 wurde die Strecke Fetesci-Cernavoda mit der großen Donaubrücke bei letzterm Ort eröffnet und somit die in der Dobrudscha belegene Eisenbahn Cernavoda-Küstendze an das übrige rumän. Eisenbahnnetz angeschlossen. Gleichzeitig wurde damit eine wichtige durchgehende Verbindung durch Rumänien mit dem Schwarzen Meer geschaffen. Die Plattform der Brücke liegt 37 m über dem Wasserspiegel der Donau, auch ist eine zweite Brücke über dieselbe zwischen Zimnicea und Sistov zum Anschluß an das bulgar. Eisenbahnnetz geplant.
*Russische Eisenbahnen. Das Eisenbahnnetz im europ. Rußland hatte 1. Febr. 1896 eine Ausdehnung von 37788 km, wovon 35394 km (21449 km Staats- und 13945 km Privatbahnen) dem Ministerium der Verkehrsanstalten unterstellt sind; 2394 km lagen in Finland. Außerdem sind dem Kriegsminister die transkaspischen Bahnen (1433 km) unterstellt, wozu noch 155 km Neubau- und genehmigte strecken kommen. Im europ. Rußland sind außerdem 12803 km genehmigte oder im Bau befindliche Linien vorhanden, davon 122 km in Finland. Das Anlagekapital von 29678 km belief sich 1. Jan. 1893 auf 6531293000 M. oder 220070 M. für 1 km.
Am 1. Juli 1896 wurde die Moskau-Brester Eisenbahn (1032 Werst) verstaatlicht. Über die Sibirische Eisenbahn s. d.
*Russisches Heerwesen. I. Armee. In den J. 1895 und 1896 haben Änderungen und Verstärkungen der Armee stattgefunden:
Bei der Infanterie sind, um eine größere Kriegsbereitschaft in den ostasiat. Gebieten herbeizuführen, 2 ostsibir. Linienbrigaden formiert; die 1. besteht aus den ostsibir. Linienbataillonen Nr. 3, 6 und 10, die 2. aus den Bataillonen Nr. 1, 5, 7, 8 (aus dem 8. westsibir. Linienbataillone formiert) und 9, so daß nur 3 Linienbataillone (das 2., 4. und das aus dem 4. westsibir. formierte 11. ostsibir. Linienbataillon) noch selbständig sind. An westsibir.