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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Rotthausen – Rumänien

Rotthausen, Landgemeinde im Landkreis Essen des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, hat (1895) 11064 (6144 männl., 5520 weibl.) E., darunter 4624 Evangelische, Post, Telegraph, Fernsprechverbindung, eine kath. und eine evang. Kirche; eine Cementwarenfabrik, 4 Ringofenziegeleien und Steinkohlenbergbau (Zeche Dahlbusch mit 5 Schächten und 2600 Arbeitern).

Roux (spr. ruh), Pierre Paul Emile, franz. Bakteriolog, geb. 17. Dez. 1853 zu Confolens, studierte in Clermond-Ferrand Medizin und wurde Präparator am klinischen Laboratorium des Hôtel-Dieu zu Paris. 1877 wurde er von Pasteur ins chem. Laboratorium der höhern Normalschule berufen, wo er mit Chamberland Versuche über Milzbrand anstellte. Seine Mitteilungen an die Académie des sciences zogen die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn. Bei Gründung des Instituts Pasteur wurde er 1883 an diesem angestellt und wurde nach Pasteurs Tode 1895 Vicedirektor des Instituts. Seine Arbeiten, die er teils allein, teils mit Chamberland, Metschnikoff, Yersin (s. d.) u.a. angestellt und in den «Annales de l’Institut Pasteur» veröffentlicht hat, beziehen sich vor allem auf Hundswut, Diphtherie und Tetanus. In seinen «Contributions à l’étude de la diphthérie» (in den «Annales de l’Institut Pasteur», 1888, 1889 und 1890) hat er die Ätiologie der Diphtherie weiter aufgeklärt. Er fand, daß sich in den künstlichen Diphtheriekulturen ein Gift bildet, das für sich allein, ohne daß Bacillen dem Tierkörper mit einverleibt werden, diphtherische Erscheinungen hervorruft, und konnte dieses Gift 1889 darstellen. Die Heilserumtherapie und Immunisierungslehre hat er durch seine Arbeiten gefördert und nach Behringscher Methode in Paris Diphtherieheilserum gewonnen. Hierfür wurde er in Gemeinschaft mit Behring (s. d.) durch mehrere Preise ausgezeichnet. 1896 wurden seine Verdienste auch vom Deutschen Kaiser durch Verleihung des Kronenordens zweiter Klasse anerkannt.

Rouxsches Heilserum, s. Diphtheritis.

Rozites gongylophŏra Möller, Pilz, s. Pilzgärten.

Ruanda (Ruhanda), Landschaft im äquatorialen Centralafrika, zwischen dem Virungagebirge im N., dem Kagera im O., dem Akanjarufluß und dem Tanganikasee im S. und dem Quellgebiet des Lowa im W. gelegen, gehört in seiner östl. Hälfte zur Interessensphäre von Deutsch-Ostafrika, in seiner westlichen zu jener des Kongostaates. R. ist ein Bergland mit stark eingeschnittenen Thälern, liegt 1500–1800 m ü.d.M. und steigt im Nordwesten bis zu 2000 m am Fuße des Virunga- oder Mfumbirogebirges an. Das reichlich bewässerte Land, überall gut angebaut, liefert Sorghum, Bananen, Bataten, Kolokasien und Tabak. Wälder fehlen. An der Westgrenze breitet sich der Kivusee (s. d.) aus. Die dichte Bevölkerung besteht aus Wahuma, die die Aristokratie des Landes bilden, und aus den unterworfenen Stämmen der Wahutu (Bantuneger). Sagenhafte Gerüchte schreckten Speke und später auch Stanley zurück, in dieses Gebiet einzudringen. Baumann war der erste Europäer, der den östl. Teil desselben 1892 betrat; Graf Götzen durchzog und durchforschte 1894 das ganze Land von Osten nach Westen. – Vgl. Graf von Götzen, Durch Afrika von Ost nach West (Berl. 1895).

Rückversicherung, ein Teil der Haftpflichtversicherung (s. d.). ↔

*Rudelsburg. Das Bismarckdenkmal (sitzende Bronzestatue des Fürsten als Korpsburschen) von N. Pfretzschmer ist 23. Mai 1896 enthüllt worden.

*Rüdinger, Nikolaus, starb 25. Aug. 1896 in Tutzing.

*Rudinì, Antonio, Marchese di, übernahm, als sich Crispi nach den Niederlagen der Italiener in Abessinien zum Rücktritt gezwungen sah, in dem 10. März 1896 von Ricotti zu stande gebrachten Ministerium den Vorsitz und das Innere, mußte aber bereits im Juli sein Kabinett umgestalten (s. Italien).

Rügensche Kleinbahnen, von einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 2,032 Mill. M. auf der Insel Rügen angelegte Kleinbahnen von Altefähr über Garz, Putbus und Binz nach Sellin (54,5 km) und von Bergen über Wittower Fähre nach Altenkirchen (37,9 km), sind seit 1896 im Betrieb. Die Spurweite beträgt 0,75 m.

Ruhanda, afrik. Landschaft, s. Ruanda.

Ruhlaer Eisenbahn, im Eigentum der Centralverwaltung für Sekundärbahnen (H. Bachstein) befindliche Nebenbahn von Wutha nach Ruhla, 7,29 km lang, 10. Juli 1880 eröffnet. (S. Deutsche Eisenbahnen, Bd. 4, Übersicht C, III, b, und Bachsteinsche Sekundarbahnen.)

*Ruhr. Als Erreger der R. sind mit größter Wahrscheinlichkeit die Dysenterieamöben anzusehen, niederste Lebewesen tierischer Natur, die zuerst von Lösch in Fällen russischer R., später von Koch, Kartulis und insbesondere von Kruse und Pasquale in Fällen schwerer ägypt. Dysenterie studiert wurden. Durch Übertragung amöbenhaltigen Materials auf Katzen gelang es, bei diesen ruhrähnliche Symptome zu erzeugen; hierdurch sowie durch die Unmöglichkeit künstlicher Züchtung unterscheiden sich die Dysenterieamöben von andern, sonst recht ähnlichen, harmlosen Amöben, die oft im normalen Darm vorkommen. – Andere Formen der R., z. B. die japanische, scheinen übrigens nicht durch diese Amöben, sondern durch Bakterien hervorgerufen zu werden.

Rülzheim, Dorf im Bezirksamt Germersheim des bayr. Reg.-Bez. Pfalz, an der Linie Schifferstadt-Lauterburg-Straßburg der Pfälz. Eisenbahn, hat (1895) 3183 E., Postexpedition, Telegraph, kath. Kirche; 4 Cigarrenfabriken.

*Rumänien, Sichere Zählungen oder zuverlässige Schätzungen der Bevölkerung fehlen noch immer. Die Angaben für Moldau, Walachei und Dobrudscha schwanken zwischen 5,8 und 6,2 Mill. E. Eine neuere Angabe nimmt für das eigentliche R. 4 ½ Mill. Rumänen, 300000 Juden, 200000 Zigeuner, 50000 Bulgaren, 20000 Deutsche, 37000 Österreicher, 20000 Griechen, 15000 Armenier und 75000 Angehörige anderer Nationalitäten an. In der Dobrudscha sollen 77000 Rumänen, 30000 Bulgaren, 30000 Türken, 10000 russ. Sektierer, 9000 Griechen, 3000 Deutsche und 4000 Juden wohnen. Als zu niedrig gelten die zu Steuerzwecken gemachten Berechnungen in den großen Städten, welche 1894 für Bukarest 232000, für Jassy 67000, Galatz 60000, Braila 46700, Botoşani 31000, Ploesci 37000, Crajova 38500, Berlad 22000 und für Focšani 19 000 E. ergaben. – 70 Proz. der Bevölkerung treiben Landwirtschaft, die auf 29 Proz. der Fläche allmählich in intensiverer Weise betrieben wird. 21 Proz. sind Weide, 16,9 Proz. Waldung. Weizen und Mais, die auch in der Ausfuhr die erste

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 895.