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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ungava - Universitäten
der Kirche 496907, den Stiftungen 78350, den
Fideikommissen 535121, den Aompossessoratcn
970 770 und den Aktiengesellschaften 148218 da.
Finanzen. Der Etaatsvoranschlag für 1897
weist ans: 441275181 Fl. ordentliche (gegen das
Vorjahr 388455 Fl. mehr), 8013952 Fl. vorüber-
gehende (1433307 Fl. weniger) Ausgaben, 19 051051
Fl. (529270 Fl. weniger) Investitionen, 0897880
Fl. (209 597 Fl. weniger) außerordentliche Aus'
gaben, insgesamt 475238070 Fl. (gegen das Vor-
jähr 2195497 Fl. mehr). Die ordentlichen Ein-
nahmen sind veranschlagt auf 405191881 Fl. (gegen
das Vorjahr 2195497 Fl. mehr).
Geschichte. Das haus der Magnaten setzte den
Kampf gegen die kirchlichen Gesetzentwürfe noch einige
Zeit fort. Am 15. Mai 1895 lehnte es mit geringer
Majorität das Gesetz ab, das die Konfcssionslosigtett
gestattete. Am folgenden Tage nahm es den Entwuri
über die Neception der israel. Religion an, verwars
aber die Bestimmung, die den übertritt zum Juden-
tum gestattete. Erst die Ernennung von fünf Liberalen
zn erblichen Mitgliedern des Oberhanses (28. Juni"
brach den Widerstand der Magnaten, und 21. Ott.
wurden auch jene beiden Bestimmungen mit einer
Majorität von 0 bis 8 Stimmen angenommen, wo-
mit endlich die Regierung die gesantte kirchenpolit.
Gesetzgebung durchgesetzt hatte. Zu den früher saut
tionierten Gesetzen über die Einführung der obligcv
torischen Civilehe, die staatlichen Standesregister
und die Religion der Kinder aus Mischehen waren
schon Anfang Juli die Durchführungsverordnungen
erschienen, wonach sie 1. Okt. in Kraft treten sollten.
Hatte das Ministerium Bänffy auf dem Gebiete der
kirchenpolit. Gesetzgebung einen großen Erfolg auszu-
weisen, so setzte es auch in andern fragen seinen Willen
durch. Mit Rücksicht auf U. wurde der Minister de^
Äußern, Graf Kalnoky, durch den Grafen Goluchowsli
ersetzt (s. Österreichisch-Ungarische Monarchie, Ge-
schichte). Es wurden eigene ungar. Hofwürdenträger
ernannt, die im Falle der Anwesenheit des Mon-
archen in Ungarn fungieren sollten, und der Titel
"Minister des kaiserl. Hauses" in den eines "Mi-
nisters des kaiserl.und ko'nigl. Hauses" umgewandelt.
Auch der glänzende Verlauf der Millenuiumsfeier,
die in Vcrbindnng mit einer großen ungar. Landes-
ausstellung in Budapest (s. Millenniumsausstelkmg)
zur Erinnerung an die vor tausend Jahren erfolgte
Niederlassung der Magyaren in U. im Sommer 1890
veranstaltet wurde und einerseits das größte Ent-
gegenkommen des Kaisers und seines Hauses gegen
den ungar. Staatsgedanken zeigte, andererseits zu
einer begeisterten Huldigung des ungar. Reichstags
und Volks gegen ihren König Anlaß gab, mußte die
Stellung der Regierung befestigen. Mit Rücksicht
auf die Millenniumsfeier hatte sich sogar Graf Ap
ponyi unter gewissen Bedingungen zur Einstellung
der systematischen Angriffe auf die Regierung und
zur Gewährung eines "Gottesfriedens" bereit erklärt.
Dagegen verhielt man sich in U., als Osterreich für
die Erneuerung des österr.-ungar. Ausgleichs eine
Erhöhung der ungar. Quote von 25 auf 34 Proz.
der gemeinsamen "Allsgaben beider Reichshälftcn
forderte, durchaus ablehnend, fo daß sich die Re-
gierung veranlaßt sah, 5. Okt. den Reichstag zu
schließen und Neuwahlen auszuschreiben. Diese
fanden 28. bis 31. Okt. statt und ergaben ein glän-
zendes Resultat für die Regierungspartei, die 287
Mandate erlang, 70 mehr als sie im vorigen Ab-
geordnetenhaus besessen hatte, während die Natio-
nalpartei 37, die beiden Unabhängigkeitsparteien
56 und die lleritale Volkspartei nur 20 Sitze davon-
trugen. Da aber die Ausgleichsverhandlungcn bei
der Kürze der Zeit ihre parlamentarische Erledigung
nicht mehr finden konnten, so kündigte die ungar.
! Regierung 1. Dez. das österr.-ungar. Zoll- und
^ Handelsbündnis, und es trat zunächst auf ein Jahr
ein provisorischer Zustand ein. iS. Österreichisch-
Ungarichse Monarchie.) Von großer kommerzieller
sowohl wie polit. Bedeutung für U. war die Eröff-
nung der neuen Schiffahrtstraße durch das Eiserne
Thor (s.d.), die 27. Sept. in Gegenwart der Könige
von Rumänien und Serbien von dem Kaiser Franz
Joseph vollzogen wurde.
Ungava, Distrikt in Canada (s. d.).
Unger, Max, Vildbauer, geb. 20. Jan. 1854 zn
Berlin, erhielt seine Ausbilduug an der dortigen
Akademie und im Privatatelier von Albert Volff
und machte nach dem Studium des Aktsaales
unter Schaper eine mehrjährige Reise nach Italien.
Hier entstand eine Vronzegruppe: Der Fischer lnach
Goethes Gedicht). Zurückgekehrt trug er in der Kon-
kurrenz um das Denkmal des Prinzen Friedrich Karl
in Frankfurt a. O. und 1894 in der um das Denk-
mal des Markgrafen Waldemar auf der Fischerbrücke
in Berlin den Preis davon. Für den Weißen Saal
des Berliner Schlosses erhielt er den Auftrag, die
Statue Friedrich Wilhelms IV., für die Eiegesallee
in Berlin die Figur des Markgrafen Otto I. herzu-
stellen. Für die Stadt Forst i. d. Lausitz schuf er ein
1896 enthülltes Vismarckdenkmal. Auf der Berliner
Kunstausstellung 1890 befand sich von ibm eine
Monumentalbüste des Fürsten Vismarck.
Ungerade Bewegung, in der Musik, s. Gegen-
bewegnng. ^Unionen.
Unionen, Internationales.Internationale
Union interna.tiona.1s pcmi- 1a protection
ä68 mnvi-63 Iitt6i'liii-08 6t ai'ti3ticiuL3, s. Verner
Litterarkonvcntion.
Univerfalmagensalz von Gebrüder Wetter in
Hamburg, s. Geheimmittel. smaschinen.
Universalwerkzeugmaschinen, s. Werkzeug
'"Universitäten. Eine internationale Universi-
tätsstatistik aufzustellen wird angesichts der überaus
verschiedenen Einrichtung der U. in den einzelnen
Ländern wohl für immer ein Ding der Unmöglichkeit
sein, auch fließen bezüglich der fremden U. die Quel-
len hierfür sehr spärlich. Aber selbst die deutsche
Univcrsitätsstatistik ist bislang nicht weit fortge-
schritten, wiewohl hier bei dem im wesentlichen doch
übereinstimmenden Charakter der deutschen U. keine
allzugroften Schwierigkeiten im Wege liegen. Die
Gesamtfrequenz der deutschen U. betrug im Winter-
semester 1894/95: 28231, im Sommersemester 1895:
28967, also etwa 57 Studierende auf 100000 E.,
und ist absolut wenig höher als 10 Jahre zuvor,
relativ dagegen nicht unwesentlich niedriger. Dabei
darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß die
achtziger Jahre ein anormales Anschwellen der Zahl
der Studierenden aufzuweisen hatten, übrigens ist
nicht allen Fakultäten dieselbe Bewegung der Hörer-
zahl gemein. Die evang. Theologie Studierenden
machten noch vor wenigen Semestern 15 von 100000
Protestanten aus, in den beiden letzten Semestern
nur noch 10, bei den Katholiken beträgt dieser An-
teil zwar nur 8,4, ist aber in den letzten Jahren sehr
beträchtlich gestiegen. Ein noch rascheres Wachstum,
nämlich über 40 Proz., machte sich in den letzten zehn
Jahren bei der jurist. Fakultät geltend. Folgende