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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Universitäten
Zusammenstellung zeigt die Frequenz aller Fakultäten im Durchschnitt der letzten zwei Semester:
Evang. Theologie 3126 = 10 auf 100000 Protestant.
Kath. Theologie 1493 = 8,4 auf " Katholiken
Jurisprudenz 7684 = 15,3 " " Einwohner
Medizin 7855 = 15,8 " " "
Philosophie 8450 = 16,9 " " "
Das Stärkeverhältnis der Fakultäten untereinander hat sich indessen auch erheblich verschoben. Zu Beginn des 19. Jahrh. umfaßte die Theologie fast die Hälfte aller Studenten, heute nur reichlich ein Zehntel. Die jurist. Fakultät hat zwar beträchtlich geschwankt, doch entspricht der heutige Anteil von 26,8 Proz. der gesamten Studentenschaft annähernd dem Durchschnitt der vergangenen Jahrzehnte. Die Mediziner machten bis zu Beginn der achtziger Jahre 15-21 Proz. aus, sind aber seither rasch gestiegen und haben zur Zeit mit 27,5 Proz. die Juristen überholt. Die philos. Fakultät endlich ist seit ihrem höchsten Stand von 40 Proz. im J. 1881 auf einen Anteil von nicht ganz 30 Proz. zurückgegangen, steht also der juristischen und medizinischen an Stärke jetzt ziemlich gleich.
Die durchschnittliche Dauer des Universitätsstudiums ist in Preußen bei den Juristen mit 6,75 Semestern am kürzesten, sodann folgen die Theologen mit 7,14, die Naturwissenschaftler und Mathematiker mit 9,30, dann die Philologen und Historiker mit 9,57 Semestern. Am längsten studieren die Mediziner, nämlich durchschnittlich 9,87 Semester. Dabei sind aber die in ungewöhnlich hohen Semestern stehenden ausgeschieden worden; rechnet man diese ein, so stellt sich der Durchschnitt erheblich höher.
Hinsichtlich des Alters ist für die preußischen U. ermittelt worden, daß nur 3,8 Proz. der Studenten unter 19 Jahren, 40,2 Proz. 19-22 und 40,9 Proz. 22-25 J. alt waren.
Die Beteiligung der Konfessionen am Studium ist sehr verschieden. Für die reichsangehörigen Studierenden auf preußischen U. wurde 1887-91 ermittelt, daß auf je 10000 männliche Bewohner des betreffenden Bekenntnisses kamen 8,4 evang., 4,5 kath. und 57,1 jüd. Studierende. Dabei werden die einzelnen Fakultäten sehr verschieden bevorzugt, so befanden sich unter 100 Studierenden
Evang. Kathol. Israel.
der Jurisprudenz 72,7 18,8 8,2
der Medizin 59,7 21,4 18,6
der Philosophie 74,7 16,4 8,1
Im Verhältnis zur Bevölkerung studieren also durchschnittlich nur halb so viel Katholiken, aber siebenmal mehr Juden als Evangelische, während bei den Medizinern das Verhältnis sich noch um ein Drittel zu Gunsten der Juden verschiebt.
Der Staatsangehörigkeit nach waren 1894/95 von den Studierenden 51,47 Proz. Preußen, 41,19 andere Deutsche und 7,34 Reichsausländer. Von hundert Studierenden gehörten an
preußischen Universitäten andern deutschen Universitäten
Preußen 73,70 26,30
Andere Deutsche 12,29 87,71
Reichsausländer 47,63 52,37
Die meisten von den Reichsausländern lieferten die Vereinigten Staaten (411), dann folgen Rußland (395), Österreich-Ungarn (307), Schweiz (262), Großbritannien und Irland (126) u. s. w. Aus Spanien stammten 4, aus Australien 3 und aus Portugal nur 1.
Faßt man nun den Studenten gegenüber die Docenten ins Auge, so sind diese am stärksten in der sehr bunt zusammengewürfelten philos. Fakultät vertreten, nämlich mit 1250 oder einem Lehrer auf sechs Studenten. Das Gegenstück bietet die jurist. Fakultät, wo ein Lehrer erst auf 31 Studenten kommt, ein Verhältnis, welches seinen Grund in dem schon erwähnten überaus starken Wachstum der Jurisprudenz Studierenden hat. Sehr stark ist der Lehrkörper in der mediz. Fakultät gewachsen, wozu die immer größere Specialisierung der einzelnen Lehrzweige das ihrige beigetragen hat, außerdem wohl auch noch der Wunsch vieler Ärzte in der Großstadt, durch Erlangung einer Stelle an der Universität ihren Ruf zu erhöhen. Das Gehalt eines ord. Professors beträgt in Preußen durchschnittlich 5534 M. Maximum 12600, Minimum 1500), jenes eines außerord. Professors 2448 M. (Maximum 4800, Minimum 600). Daneben spielen natürlich die oft sehr bedeutenden Einnahmen an Kollegiengeldern eine sehr große Rolle.
Die Doktorpromotionen sind in der theol. Fakultät außerordentlich selten, am häufigsten dagegen in der medizinischen, wo im Studienjahr 1894/95 in Deutschland 1442 stattfanden (davon in Leipzig 154, in Berlin 143). Demnächst kommt die philos. Fakultät mit 973 (darunter wiederum die meisten [143] in Leipzig). Die jurist. Fakultät wies gleichzeitig 368 Promotionen auf, von denen nicht viel weniger als ein Drittel in Leipzig stattfanden. Insgesamt wurden zu Doktoren promoviert 2818 Studenten, d. b. einer auf neun Studenten.
Die Frequenz der deutschen U. betrug:
Universitäten Zahl der Studierenden Sommer 1896 Winter 1896/97
Berlin 4649 5620
München 3777 3706
Leipzig 2876 3126
Bonn 1863 1655
Breslau 1425 1427
Halle 1415 1501
Freiburg 1379 1065
Würzburg 1284 1361
Tübingen 1172 1170
Heidelberg 1164 1001
Erlangen 1138 1074
Göttingen 1007 1017
Marburg 965 871
Greifswald 948 793
Straßburg 938 1013
Jena 761 705
Kiel 708 548
Königsberg 700 691
Gießen 630 626
Rostock 500 499
Münster 448 468
^[Additionslinie]
Summe 29747 29937
Verteilung auf die einzelnen Fakultäten:
Fakultäten Sommer 1896 Winter 1896/97
Evangelische Theologie 2646 2746
Katholische Theologie 1782 1458
Jurisprudenz 8073 3005
Medizin 7851 7771
Zahnheilkunde 385 398
Philosophie und Geschichte 3548 3793
Mathematik und Naturwissenschaften 2989 3067
Pharmacie 1096 1196
Landwirtschaft 805<sup>1</sup> 862
Kameral- und Forstwissenschaft 572 641
^[Additionslinie]
Summe 29747 29937
<sup>1</sup> Einschließlich 370 Studierende der Geodäsie an der Universität Bonn.
Vgl. den Artikel Universitäten im 1. Supplementband des "Handwörterbuchs der Staatswissenschaften" (Jena 1895), wo auch eingehende Nachweise über die fremdländischen U. gegeben sind; ferner Rashdall, The Universities of Europe in