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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Braunschweigergrün; Braunstein; Brechweinstein

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Braunkohle - Brechweinstein

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Braunkohle'

Stängeln etc., an welchen ihre Entstehung aus Pflanzenteilen noch deutlich zu erkennen ist, als auch in amorphen, erdigen, dichten, schieferigen und körnigen Massen auf, welche alle Pflanzenstruktur verloren haben. Ein Volumen Braunkohle ist 0,8-1,5 (spezifisches Gewicht) so schwer als ein gleiches Volumen destillierten Wassers. Die lufttrockne B. besteht aus 65-77% Kohlenstoff, 4-6% Wasserstoff, 19-29% Sauerstoff und 0-2% Stickstoff, enthält außerdem noch Kalkerde, Thonerde, Kieselerde etc., welche bei dem Verbrennen als Asche übrig bleiben. Die verschiedenen Sorten von Braunkohle sind: Gemeine B., eine feste, stückige Kohle, erdige B., weit verbreitet in Böhmen, Steyermark, der Provinz Brandenburg, im westlichen, südlichen und mittleren Deutschland etc. - Schieferkohle, eine schieferige Varietät, in Frankreich, im Rhöngebirge, in Böhmen vorkommend. - Papierkohle, eine in ganz dünne Blättchen spaltbare Kohle, viele Pflanzen- und Tierreste einschließend, im Westerwalde in der Rheinprovinz, auf der Insel Sicilien angetroffen. - Moorkohle, eine meistens feste, dunkelbraune bis schwarze Kohle, das Produkt eines rusigen Absatzes von feinen Pflanzenteilen meistens zugleich mit Lignit vorkommend bei Eger in Böhmen, bei Kaltennordheim in der Rhön etc. - Pechkohle, eine dunkle, dichte, pechglänzende, muschelig brechende Kohle, sich findend bei Häring in Tirol, in Bayern, die sog. "Alpenkohle" am Monte Massi in Italien, am Meißner und am Hirschberg in der preuß. Provinz Hessen-Nassau, bei Fohndorf in Steiermark, bei Falkenau a. E., bei Elbogen etc. in Böhmen. - Glanzkohle, glas- und metallglänzende, kompakte, dunkele, muscheligbrechende Kohle: am Monte Bamboli in Italien, bei Leoben, Eibiswald, Wies, Buchberg, in Steiermark, am Habichtswalde bei Kassel, auf New Seeland etc. Die aus der Zersetzung der Coniferenhölzer hervorgegangene Braunkohle schließt nicht selten fossiles Harz (Retinit, Pyropissit etc.) ein, welches in größerer Menge auftretend die Kohle geeignet macht ("Schweelkohle") zur Darstellung von Photogen, Solaröl, Paraffin, Karbolsäure etc., wie solche in großartigem Maßstabe in der preuß. Provinz Sachsen stattfindet. Die Braunkohle, welche den sie meistens begleitenden Schwefel- oder Eisenkies in größerer Menge enthält, wird zur Fabrikation von Schwefelsäure, Eisenvitriol und Alaun verwendet, so im nordwestlichen Böhmen etc. Die erdige Kohle wird entweder durch Anmengen mit Wasser durch Handarbeit oder durch maschinelle Vorrichtungen zu Kohlenziegeln oder -steinen geformt oder aber getrocknet, pulverisirt und bei höherer Temperatur zu sogen. Briquets gepreßt, wodurch sie eine dunklere Farbe und eine solche Dichtigkeit und Festigkeit erhält, daß sie nicht mehr abstiebt und ziemlich schwer zu zerschlagen ist. Durch Vergasung der Braunkohle, auch der erdigen Varietäten, ist es gelungen eine so hohe Temperatur damit zu erzeugen, daß mit dieser Glas geschmolzen, Thonwaren gebrannt etc. werden können. - Die bituminösen Pechkohlen, (Spiegelkohlen) von Falkenau a. E., Neusattel ↔ in Böhmen, von Rotschach-Weitenstein in Steiermark etc. werden zur Gewinnung trefflichen Leuchtgases benutzt. Als Dungmittel wird die Braunkohle sowohl direkt verwendet als auch daraus Dungasche gebrannt. Im Jahre 1879 wurden in Deutschland 11442504 metrische Tonnen (à 20 Zollzentner), im Jahre 1879 in Österreich-Ungarn 79059352 metr. Zentner gefördert. Die bedeutendste Braunkohlenproduktion findet im nordwestlichen Böhmen statt, welches seine trefflichen Kohlen nach einem großen Teile nicht nur der österreichischen Monarchie, sondern auch nach Deutschland sendet, selbst nach den Gegenden, an welchen viele (aber erdige) Kohlen vorhanden sind. B. ist zollfrei.

Braunschweigergrün; eine hellgrüne, giftige Anstrichfarbe, aus basisch kohlensaurem Kupferoxyd bestehend; wird durch Fällung einer Kupfersalzlösung mit kohlensaurem Natron erhalten und durch Zusätze von Schwerspat oder Gips beliebig nüanciert. Unter demselben Namen kommen auch Gemenge von Schweinfurtergrün mit basisch kohlensaurem Kupferoxyd in den Handel. Zollfrei, sofern es nicht zu Maler- etc. Farben zubereitet ist. Vgl. Anilinfarben.

Braunstein (Manganum oxydatum nativum, frz. manganèse, engl. brown-stone) nennt man in Industrie und Handel den Pyrolusit od. das Weichmanganerz, welches in seinen reinsten Varietäten aus Manganhyperoxyd (Mangansuperoxyd) besteht, gewöhnlich aber mit andern sauerstoffärmeren Manganerzen, namentlich mit Manganit gemengt ist. Ausgiebige B. Gruben finden sich namentlich in Thüringen (bei Ilmenau, Öhrenstock, Elgersburg), in der Provinz Nassau, in Spanien, Frankreich und England. Man versendet den B. teils in ganzen Stücken, teils in mehr oder weniger fein gemahlenen Zustande als ein schwarzes Pulver. Sein Wert richtet sich nach seinem Gehalte an Manganhyperoxyd, der in der Regel 70-75% nicht übersteigt, oft aber geringer ist. Verwendung findet der B. zur Bereitung von Brom, Jod und Chlor, welches letztere wieder teils direkt zum Bleichen, teils zur Gewinnung von Chlorkalk, chlorsaurem Kalk etc. dient; ferner benutzt man B. in der Glasfabrikation zum Entfärben des Glases, zur Bereitung von Manganstahl und schmiedebaren Guß, zu farbigen Töpferglasuren, zur Bereitung verschiedener Manganverbindungen etc. Aus den bei der Bereitung von Chlorgas in großer Menge abfallenden manganhaltigen Laugen wird jetzt das Mangan wieder für neue Operationen tauglich gemacht und nennt man dieses Verfahren Regeneration des B.; in England werden schon 90% des gesamten fabrizierten Chlorkalks mit regeneriertem B. hergestellt. Im deutschen Reiche wurden 1879 an B. und andern Manganerzen gewonnen 6738500 kg im Werte von 271058 Mk; in Österreich 1879: 34337 metr. Zentner im Werte von 37389 fl.; in Großbritannien 1877: 3039 Tons à 20 Zentner. Der B. ist zollfrei.

Brechweinstein (weinsaures Antimonoxydkali, Tartarus stibiatus, Tartarus emeticus, Stibiokali tartaricum, Kalium stibiato-tartaricum); sehr giftiges, namentlich brechenerregend wirkendes

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 66.