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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Branntwein; Braunkohle

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Branntwein - Braunkohle

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bourette'

artige Flüssigkeiten ist nur wenig noch in Anwendung. Endlich folgt noch ein Putzen mit der Hand zur Beseitigung aller fehlerhaften Stellen. Nummerierung der B.-Garne. Die Nummer gibt an wie viel Strähne zu je 500 m 0,5 kg wiegen. - B. ist zollfrei.

Branntwein (frz. Eau de vie, engl. Brandy); dieses Wort, entstanden durch Zusammenziehung der Worte gebrannter Wein, wurde ursprünglich nur für den Weingeist, d. h. den durch Destillation aus Wein bereiteten verdünnten Aethylalkohol gebraucht, für den man jetzt den Namen Kognak hat. Im weiteren Sinne gebraucht man jetzt das Wort B. für jeden rohen, nicht gereinigten Äthylalkohol (Spiritus) gleichgültig, aus welcher Substanz er gewonnen wurde; im engeren Sinne für den aus Roggen bereiteten (Kornbranntwein). Alle Sorten B. enthalten demnach als Hauptbestandteil Äthylalkohol und die Unterschiede im Geruch und Geschmack haben ihren Grund nur in geringen Beimengungen andrer Stoffe, namentlich höherer Alkohole, der sogenannten Fuselöle. Zur Bereitung von B. lassen sich alle stärkemehlhaltigen Pflanzenstoffe verwenden, also die Samen der Getreidearten und Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Flechten u. s. w.; stets muß hierbei jedoch die Stärke zunächst in Zucker umgewandelt werden, was entweder durch Behandlung mit Malz oder mit verdünnter Schwefelsäure geschieht. Im letzteren Falle wird die Schwefelsäure nach geschehener Zuckerbildung durch Zusatz von Kalk wieder entfernt. Die zuckerhaltige Flüssigkeit wird dann mittels Hefe in die geistige Gärung versetzt, wodurch der Zucker in Spiritus (Äthylalkohol) und Kohlensäure zerfällt; nebenbei entstehen, da man gewöhnlich der Steuer wegen sehr konzentrierte Maischen vergären läßt, die bereits erwähnten Fuselöle, sowie kleine Mengen anderer Stoffe. Nächst den stärkemehlhaltigen Substanzen lassen sich, wie schon aus dem Gesagten hervorgeht, auch alle zuckerhaltigen zur Bereitung von B. verwerten, demnach alle süßen Früchte, Zuckerrüben, Palmensaft, Melasse u. s. w. Aus der gegorenen Flüssigkeit, Maische genannt, wird dann der B. durch Destillation gewonnen, was jetzt fast ausschließlich mittels Wasserdampf geschieht. Die vervollkommneten Destillationsapparate der Neuzeit gestatten auch jetzt schon durch einmalige Destillation einen ziemlich starken, hochgradigen Alkohol zu gewinnen, doch hat man es in der Gewalt, auch schwachgrädigen darzustellen. Jene hochgradige Ware, 90-93% Trall., führt jedoch den Namen B. nicht mehr, sondern wird schon Spiritus genannt (s. d.), und braucht nur noch rektifiziert zu werden, was gewöhnlich in besonderen Etablissements (Spritfabriken) der größeren Städte (Berlin, Leipzig, Breslau u. s. w.) ausgeführt wird, während die Bereitung des B. oder Rohspiritus ein Nebengewerbe (Branntweinbrennerei) des landwirtschaftlichen Großbetriebes ist. - Die Stärke des B. wird durch das Alkoholometer bestimmt, welches die Volumenprozente bei einer gewissen Temperatur angibt (vgl. Spiritus). Die Zahl der im Betriebe befindlichen Branntweinbrennereien im deutschen Reichssteuergebiete (also mit Ausschluß von ↔ Bayern, Würtemberg und Baden) belief sich im Etatsjahr 1878/79 auf 31645. Rechnet man hiervon die Zahl der in Elsaß-Lothringen, das erst 1873 zur Branntweinsteuergemeinschaft getreten ist und eine sehr beträchtliche Zahl meist ganz kleiner Brennereien besitzt, betriebenen Brennereien ab, so bleiben für 1878/79 übrig 8735 derartige Anstalten, während sich die Zahl derselben belief:

im Kalenderjahre1874auf8192
" "1875"9143
" "1876"9322
im Etatsjahre1877/78"8745
" "1878/79"8735.

Die Menge des erzeugten B. läßt sich nur annähernd aus dem Materialverbrauche und den erhobenen Steuerbeträgen berechnen und beträgt für das Etatsjahr 1878/79 im Reichssteuergebiete 4169200 Hektol. à 50% Tralles, gegen 4009900 Hektol. im Etatsjahre 1877/78. An der Gesamtproduktion des Jahres 1878/79 haben sich Brandenburg, Ost- und Westpreußen, Posen, Pommern, Schlesien, Provinz und Königreich Sachsen und Anhalt mit 82% beteiligt und mit einer Produktionsquote von 18 Lit. auf den Kopf der Bevölkerung, der übrige Teil des Reichssteuergebietes mit 18% oder 4,9 Lit. pro Kopf. Hingegen ist für Bayern im Durchschnitte der letzten 7 Jahre eine Produktionsquote von etwa 3⅓ Lit. pro Kopf berechnet worden. Der Gesamtbetrag der aus dem Branntweinverbrauch des Reichsteuergebietes erhobenen Abgaben nach Abzug der für Ausfuhr und steuerfreie Verwendung gezahlten Steuerrückvergütungen ist für 1878/79 auf 47409990 Mk., oder 1,36 Mk. pro Kopf der Bevölkerung angegeben. Von Bayern sind Angaben nicht vorhanden; in Würtemberg betrug der Gesamtbetrag der Branntweinsteuer vom 1. Juli 1877 bis dahin 1878: 440905 Mk. oder 0,24 Mk. per Kopf; in Baden für das Kalenderjahr 1878: 419250 Mk. oder 0,28 Mk. per Kopf. In Österreich betrug die Produktion von B. 1877/78 im Ganzen 50357653 Hektol. Grade; die Steuerverschreibungbetrug 5388280 fl., Dies sind die Steuerbeträge der pauschalierten Brennereien, die der nicht pauschalierten betrug 110228 fl., was zusammen die Summe von 5498508 fl. ergibt. Der Export belief sich auf 2753654 Hektol. Grade, wofür 294632 fl. restituiert wurden. Die ausgeführte Menge von B. aus Ungarn belief sich auf 7310416 Hektol. Grade, mit einem Restitutionsbetrag von 782215 fl. Einfuhrzoll: S. Tarif im Anhange Nr. 25 b. - An Ausfuhrbonifikation sowie an Steuervergütung für den an gewissen gewerblichen Zwecken denaturierten Branntwein zahlt die Steuergemeinschaft für je 114,5 Alkoholliterprozente 0,18 Mk. heraus. Bayern vergütet bei der Ausfuhr für 100 l zu 50% Alkohol 8 Mk., Baden für 1 l à 100% 0,09 Mk.

Braunkohle wird diejenige fossile Kohle genannt, welche während der sog. Braunkohlen- oder Tertiärformation zur Ablagerung gelangte; sie ist hervorgegangen aus Anhäufungen von mehr oder weniger verkohlten Pflanzenmassen, vorzugsweise aus Torf- und Sumpfvegetation. Sie tritt stark in Form von Holz (Lignit), Blättern,

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 65.