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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Broschierte Stoffe; Brot; Brucin; Brünellen

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Broschierte Stoffe - Brünellen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bronzefarben'

in den Handel, welche teils aus feingeriebenen Abfällen der Metallschlägerei, teils aus gepulverten und feingeschlämmten Metalllegierungen bestehen. Man hat diese B. in den verschiedensten Nüancen, die man teils durch vorsichtiges Erhitzen der Pulver, teils durch Zusatz von wenig Fett und Mischen mit Erdfarben erhält. Die kostbarsten sind selbstverständlich die aus echtem Gold und Silber bestehenden B.; eine der echten Goldbronze sehr ähnliche ist die Wolframbronze. Man verwendet sie zur Verzierung von Holz, Gips, Papiermaché, Thonwaren, zum Buntdruck etc. - Zollfrei, sofern sie nicht zu Maler- etc. Farben zugerichtet sind. Als letztere werden sie gemäß Tarif im Anh. Nr. 5 a verzollt.

Broschierte Stoffe. Soll bei gemusterten Geweben, in welchen der Einschuß Figur macht, die Figur stark hervortreten, was durch besonders dicke oder auffallend gefärbte Fäden oder selbst durch verschiedene Farben und Materiale erzielt werden kann und wird ferner verlangt, daß der Figur bildende Einschlag auf dem Grunde des Gewebes möglich wenig oder gar nicht sichtbar sein soll, so wendet man zur Figurbildung besondere Schußfäden an und bezeichnet diese Webmethode mit dem Namen Broschieren. Dasselbe wird in zweierlei Weise ausgeführt. Der Broschierschuß geht entweder wie der Grundschuß (der den Gewebegrund bindende Schuß) quer durch die ganze Kette hindurch oder der Broschierschuß bewegt sich nur innerhalb der Figur hin und her. Erstere Methode heißt Lancieren, die Stoffe Lancées; letztere Broschieren (im engeren Sinne), die Stoffe Brochées. Die bei den Lancés auf der linken Seite flottliegenden Figurfäden werden meist, um das Gewebe zu erleichtern, ausgeschnitten. Die Fadenenden bleiben dann rings um den Rand der Figur stehen und machen die linke Seite ganz unansehnlich. Das Lancieren ist bedeutend einfacher und weniger zeitraubend als das Broschieren, erfordert aber einen viel größeren Aufwand an Broschierschuß. Die beim Ausschneiden entstehenden Abfälle sind meist wertlos. Broschieren und Lancieren kann natürlich auch mit verschiedenem Farbenwechsel erfolgen; dann sind bei dem Lancieren soviel Broschierschützen als Farben erforderlich; bei dem Broschieren dagegen hat man die Farbenanzahl zu multiplizieren mit der Anzahl der Wiederholungen der Figur in einer Kettenbreite, um die Zahl der erforderlichen Broschierschützen zu erhalten. Wird mit fünf Farben gearbeitet und wiederholt sich die Figur in einer Breite sechsmal, so bedarf man beim Lancieren 6 Schützen (1 für Grundschuß, 5 für Figurenschuß), beim Broschieren 31 Schützen (1 für Grundschuß, 30 für Figurschuß). Die broschierten Gewebe gehören mit zu den geschätztesten und teuersten; Shawls mit Gold- und Silberbroche, Stoffe zu Kirchengewändern, für Damenkleider wären hier zu nennen; auch broschierte Bänder finden sich im Handel. Verzollung je nach Material verschieden.

Brot, wird seit einigen Jahrzehnten in oder bei größeren Städten fabrikmäßig dargestellt und im Großen in den Handel gebracht, ↔ jedoch meistens, da es sich nicht lange aufbewahren läßt, nur auf Bestellung geliefert und zwar von den Fabriken selbst. Im Durchschnitt bildet für 1 kg Roggenbrot der Preis eines kg Roggen den angemessenen Preissatz, da aus 100 kg Roggen 80 kg Mehl, aus diesem 104 kg Brotteig und 90 kg fertiges Brot gewonnen werden und die Kleie etc. den Ausfall der Kosten decken. 100 kg Brot erfordern in großen Fabriken 80-90 Pfg. Unkosten außer dem Materialpreis; je kleiner die Bäckerei und je seltener das Backen, um so größer sind die Kosten, andrerseits diese größer in Städten als außerhalb wegen der höheren Preise für Gebäude, Löhne, Heizung etc. Seit Einführung der Gewerbefreiheit kann vom Lande überall Brot in die Städte gebracht werden und seitdem hat sich der eigentliche Handel damit entwickelt; es wird den Abnehmern in das Haus geliefert. Zur Brotbereitung dienen vorzugsweise Weizen- und Roggenmehl, in einigen Gegenden Maismehl, seltener, im Norden, Gersten- und Hafermehl, noch seltener Hülsenfrüchte, Kartoffeln, aus Brauereien auch der sog. Oberteig, welche nur zum geringen Teil mit unter das Mehl verarbeitet werden, ferner Wasser, Sauerteig oder Hefe, Salz und oft auch noch Kümmel etc., zu feineren Sorten noch Milch, Eier, Butter etc. Sehr empfehlenswert ist es, abgerahmte Milch zum Anmachen des Teiges zu verwenden. Das Maisbrot hält sich am längsten frisch, das aus Weizen trocknet am schnellsten aus. Alles Brot muß in luftigen Räumen aufbewahrt werden, damit Schimmelbildung nicht stattfindet. Gutes B. soll gleichmäßig braun auf der Oberfläche, glatt, schwach glänzend, hart und ohne größere Hohlräume ausgebacken sein, ferner beim Aufschlagen mit dem Finger einen hellen Klang geben. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 25 q 2.

Brucin (Brucinum); ein neben Strychnin in den Krähenaugen (s. d.) und der falschen Angusturarinde enthaltenes giftiges Alkaloid; es wird nur sehr selten medizinisch verwendet, besteht aus farblosen, bitterschmeckenden Kristallen und bildet mit den Säuren die Brucinsalze. - Zollfrei.

Brünellen heißen große süße, geschälte getrocknete und entkernte Pflaumen, die in Schachteln oder Kistchen verpackt in den Handel gehen und von den Eßwarenhändlern verkauft werden. Der Name leitet sich ab von Brignolles, welche französische Stadt seit lange der Hauptversandplatz für die dort und in der Umgegend zubereitete Ware ist, die jetzt übrigens auch aus andern Bezugsquellen kommt, vom Rhein, aus Italien, Österreich. Die in Frankreich zu den B. gebrauchte sehr wohlschmeckende Pflaumensorte heißt Perdrigon blanc; sie läßt sich im reifen Zustande leicht von Schale und Kern befreien, wird erst in reihenweiser Aufspießung an Stäbchen, dann weiter auf Horden in Luft und Sonne getrocknet und mit vieler Sorgfalt abgewartet, dabei auch durch Bearbeitung mit den Händen in eine gewisse flachrunde Form gebracht. Die beste Sorte echter B., welche Pistolen heißen, sind nicht entkernt und haben