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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Daturin; Degras; Delphinin; Dextrin

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Datteln - Dextrin

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Datteln'

bilden in den Erzeugungsländern ein wichtiges, mitunter das hauptsächlichste Nahrungsmittel, werden teils frisch genossen, teils getrocknet und in verschiednen Zurichtungen, durch Einstampfen etc. für längere Dauer geeignet gemacht. Auf den nördlichen Mittelmeerküsten wird die Dattelpalme auch noch hie und da gepflanzt, doch gelangen hier die Früchte nur ausnahmsweise zur Reife; aus dem südlichen Spanien gelangt indes einiges in den Handel und auch in Portugal und auf Sicilien macht man wohl öfter Ernten, jedoch ohne Bedeutung für den Handel. - Die Datteln sind im Juli ausgewachsen und reifen im August oder später, nachdem ihr Fleisch bis dahin noch etwas härtlich und herbe gewesen. Das Reifen ist eigentlich mehr ein Teigigwerden, das an einer einzelnen Stelle der Frucht beginnt und sich dann rasch weiter ausbreitet. Hat sich somit das Fruchtfleisch in ein honigsüßes Mus verwandelt, so fallen die Früchte ab; man kommt diesem zuvor durch etwas frühere Abnahme. Da aber die Entwickelung der Früchte nicht gleichen Schritt hält, so erntet man immer reife, halb- und unreife zugleich. Die halbreifen benutzt man zur sofortigen Verspeisung am liebsten; sie sind gelblich, schmecken noch etwas herbe und knirschen zwischen den Zähnen; die reifen sind durchscheinend, weich, rötlich und äußerst süß. Die noch unreifen Früchte werden auf Matten von Palmblättern ausgebreitet der Sonne ausgesetzt, um nachzureifen und zu trocknen. Getrocknet, soweit nämlich eine so zuckerhaltige Substanz überhaupt trocken werden kann, kommen sie auch in den europäischen Handel. Die Kennzeichen der Frische dieser Ware sind: glänzende runzelfreie Oberfläche, gelbrötliche äußere Farbe, das Fleisch saftig und gleichsam speckig, der Geschmack honigsüß, dabei weinig und erquickend. Die Früchte halten sich überhaupt nicht lange und sind den Angriffen von Milben und anderm Ungeziefer sehr ausgesetzt, also sicher und trocken zu verwahren. Geschrumpfte, runzlige, zu feuchte oder saftlose Ware ist alt und taugt nichts, weil dann auch die Süße sich sehr vermindert hat. Wird der steinharte längliche Dattelkern in seinem Lager locker und klappert beim Schütteln, so ist das auch ein Anzeichen alter Ware. Die Datteln, welche in ihren Erzeugungsländern die Bedeutung und Wichtigkeit einer Getreidefrucht haben, dienen bei uns nur als angenehme Nebenspeise, dann werden sie zuweilen auch als Brustmittel angewandt. Sie kommen in den Handel in Kisten, Fässern oder Matten von etwa 50 kg Bruttogewicht, meist über Triest, Venedig, Marseille, London. Die gangbarsten D. sind bei uns die ägyptischen, die alle unter dem Namen Alexandriner gehen; sie sind größer und dunkler gefärbt, auch fleischiger und süßer als die sog. barbarischen, die vorzugsweise von Tunis kommen und hellgelb, trockner und weniger süß sind; auch Syrien und Algier liefern Früchte zum Handel. In Algerien heißt die beste Sorte Degbet-Nar, sie kommt in geflochtenen Palmenblattkörbchen; die geringste heißt Enkantischi Deyla. Die Kultur hat eine Menge ↔ Spielarten von Datteln hervorgebracht; zur Ausfuhr gelangen, der bessern Haltbarkeit halber, nur Sorten, die festeres, zäheres Fleisch haben. - Einfuhrzoll: S. Tarif im Anh. Nr. 25 h 3.

Daturin (Daturinum); das giftige Alkaloid der Stechapfelpflanze, soll nach neueren Untersuchungen mit dem Atropin (s. d.) identisch sein. - Zollfrei.

Degras ist eine von Lohgerbern sehr gesuchte Lederschmiere, welche teils als Abfall bei der Sämischgerberei erhalten, teils, weil diese Quelle nicht ausreichend ist, besonders fabriziert wird. Die Fabrikation des Weichleders beruht darauf, daß die von Haaren und Narbe entblößten Felle mit Öl gewalkt, zwischendurch wiederholentlich an die Luft gehangen, dann auch in warmer Kammer aufgeschichtet werden. Das Öl erleidet hierbei, eine Oxydation und erlangt damit die Eigenschaft, sich mit der Tierfaser zu verbinden und ihr die lederartige Beschaffenheit zu geben. Was sich von dem oxydierten Fett nicht fest mit der Faser verbunden hat, muß entfernt werden. Dies geschieht soweit thunlich auf mechanischem Wege, durch Ausringen und Pressen, und die hierbei abgesonderte Substanz bildet die Primasorte von Degras. Das noch Rückständige entfernt man durch Auswaschen der Felle in warmer Pottaschelösung, wobei das Fett einigermaßen verseift wird und mit der Lauge eine weiße Emulsion bildet (Urläuter, Weißbrühe). Diese ist, wenn sie als D. benutzt werden soll, erst wieder durch Schwefelsäure zu zersetzen, und das hierdurch abgesonderte Fett durch Waschen säurefrei zu machen. Es ist dies die geringere Sorte des echten D. Um dieselbe Substanz direkt und als Hauptsache zu fabrizieren, werden die Manipulationen des Sämischgerbens mit schlechten Fellen so lange wiederholt, bis sie in Fetzen zerfallen, denn die Ölsäure entführt auch Substanzen aus dem Leder selbst und macht es mürbe. Inwieweit sich die Fabriken auf andre Weise, durch Zusätze etc. helfen, ist nicht bekannt. Die aus verschiedenen Bezugsquellen stammende Ware fällt sehr ungleich aus. Für die Einbringung des Stoffes in das Leder muß derselbe mit Wasser gemischt sein, mit dem er eine Emulsion bildet. - Das Wasser bringt er aber in der Regel schon reichlich mit. - Einfuhrzoll: S. Tarif im Anh. Nr. 26 a 4, bezw. 26 a 1 (in Flaschen).

Delphinin (Delphininum); ein neben Staphisagrin in den Stephanskörnern enthaltene giftige Pflanzenbase; ein weißes, amorphes, geruchloses Pulver von unerträglich bitterm Geschmack; es wird nur selten medizinisch verwendet. - Zollfrei.

Dextrin (Dextrinum); ein Umwandlungsprodukt des Stärkemehls, hat mit diesem die gleiche prozentische Zusammensetzung, aber verschiedne Eigenschaften. Das D. wird in großen Mengen fabrikmäßig bereitet und führt je nach dem Grade seiner Reinheit verschiedne Namen im Handel, so z. B. Stärkegummi, Röststärke, Gommeline, Leiogomme, Leiocome. Das D. ist ein Bestandteil des Bieres und des Brodes und findet sich auch fertig gebildet in dem Safte

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 93.