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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Feigen; Feldkümmel

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Feigen - Feldkümmel

glänzendweißen, ins Perlgraue fallenden Bauchpelze des großen Haubentauchers, die unter dem Namen Grebenfelle im Handel sind und am schönsten von den schweizer Seen, auch aus Bayern, Holland und der Türkei kommen. Bei ihnen bleibt das Gefieder im natürlichen Zustande. Die flaumigweichen Federpelze kommen, sofern sie weiß sind, von zahmen und wilden Schwänen, zuweilen auch von vorzüglichen Exemplaren der Hausganz. Diese Stücke haben nur noch die Flaumfedern. Die Hegung der Schwäne und Gänse zum Zweck der Pelzgewinnung wird ausschließlich von den Holländern betrieben, die sich auch, wie die Franzosen, einer besonders sorgfältigen und schönen Zurichtung befleißigen. In gleicher Weise erhält man vom gemeinen grauen Geier einen grauen, überaus weichen und warmen und deshalb sehr geschätzten Flaumpelz. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 28 a.

Feigen (Caricae, frz. figues, engl. Figs, ital. fichi). Der seit uralten Zeiten im Bereiche der Mittelmeerländer kultivierte Feigenbaum (Ficus Carica), der übrigens in den Tropen noch gegen 100 Verwandte hat, liefert eine der zuckerreichsten Obstsorten. Der Baum erreicht auch in günstigen Klimaten nur eine mäßige Höhe und wirft alljährlich das Laub ab. Mit ihm zugleich kommt der wilde Feigenbaum vor, mit ungenießbaren Früchten, wahrscheinlich die Stammform, aus welcher durch Kultur die nutzbaren Bäume entstanden. Diese Kultur hat übrigens im Laufe der Jahrhunderte und Jahrtausende eine sehr zahlreiche Menge von Spielarten oder Sorten dieses Obstes hervorgebracht. Der Feigenbaum treibt keine sichtbaren Blüten, sondern die in den Blattwinkeln hervorkommenden Fruchtknospen wachsen anscheinend ohne weiteres zur Frucht aus. Diese Frucht ist aber auch, wissenschaftlich genommen, keine solche, sondern nur der Blütenboden oder Fruchtstand, der eigentlich aus Stengelmasse besteht. Indem dieselbe, ohne sich in Stielchen zu teilen, zu einer birnförmigen Gestalt fortwächst, schließt sie die auf der Oberseite zahlreich entstehenden wirklichen Blütchen wie in einen Beutel ein, und es bleibt in der Mittelachse nur ein feiner Kanal nach vorn offen, dessen Mündung an der zahmen Frucht aber auch durch einige Schüppchen verdeckt ist. Das Blühen und die Ausbildung kleiner Steinfrüchtchen geschieht also im Verborgenen, kommt aber am kultivierten Baum nicht mehr zur Perfektion, da sich bei denselben von den zweierlei Blütchen nur noch die weiblichen entwickeln, die befruchtenden männlichen aber fehlen. Es läßt sich also aus einer Feige auch nichts erziehen; die Vermehrung geschieht durch Ausläufer und Stecklinge. Der wilde Baum dagegen hat seine zweierlei Blüten und erzeugt keimfähige Früchtchen. Die Feigenbäume haben beständig einzelne Früchte, aber jährlich zwei Haupttriebe und Ernten: Sommerfeigen, aus vorjährigen Trieben entsprossen, im Juni reifend, und Herbstfeigen, die allein zum Trocknen und Versenden taugen. Die F. bleiben im Anfang ihres Wachstums grün und enthalten denselben scharfen Milchsaft wie das ganze Gewächs; bei der weitern Entwickelung geht das Grün in ein bräunliches Violett über, die Wandungen werden fleischig, saftig und sehr zuckerreich. Die reifen F. werden bis 7 cm lang bei 4½ cm Durchmesser. Die Früchte werden massenhaft im frischen Zustande genossen; die zur Aufbewahrung und Versendung bestimmten werden an luftigen schattigen Orten getrocknet, indem man sie so ausbreitet, daß sie sich gegenseitig nicht berühren, und aller 2 Tage wendet. Sie werden dabei in 12-15 Tagen so trocken, als es eine so zuckerreiche Frucht überhaupt werden kann. An Stelle der Lufttrocknung tritt jedoch nicht selten die in Öfen. Die trocknen Früchte zeigen einen mehlartigen Überzug, der von ausgetretenem Fruchtzucker (Glucose) herrührt; bei zu alt gewordenen besteht der Beschlag dagegen oft aus Schimmel. Manche Sorten italienischer F. werden übrigens auch beim Verpacken mit Kastanienmehl überpudert, wodurch ihnen neben Feuchtigkeit aber auch Zucker entzogen wird. Die in unserem Handel vorkommenden Früchte unterscheidet man als Smyrnaer Tafelfeigen, Kranzfeigen und Dalmatiner. Die erstern sind die größten, süßesten und besten. Sie sind in ihrer natürlichen Form belassen und die besten in runde Schachteln (Trommeln) eingepackt, die mit Lorbeerblättern ausgelegt sind, welche zu ihrer Haltbarkeit etwas beitragen mögen. Sorten zweiter Güte kommen in Fäßchen oder Kisten. Sie kommen nicht nur aus Kleinasien, sondern auch von den benachbarten Inseln, Kreta etc. Die Kranzfeigen sind meist griechisches Gewächs, von Morea und den Inseln; man bezeichnet die bessern als Kalamata. Sie sind dickschaliger und weniger süß als die Smyrnaer, doch haltbarer und gelangen viel häufiger in den Konsum. Sie sind, meist zu 100 an der Zahl, auf Bastschnüre aufgereiht und dabei platt gedrückt. Verpackung in Fässern und Kisten. Dalmatiner und Istrianer F. sind die kleinsten, wohlschmeckend, aber nicht gut haltbar. Sie kommen teils in Kisten, teils in Körben verpackt in den Handel, und nicht bloß von den angegebenen Ursprungsorten, sondern aus andren Lokalitäten z. B. Italien und Südfrankreich. Spanien baut und konsumiert ebenfalls viel F.; den Markt für seine Ausfuhr findet es größtenteils in England. Die meisten F. kommen zu uns über Triest; sie bilden bei uns, außer daß sie einige medizinische Verwendung als Brustmittel und zu erweichenden Umschlägen haben, nur einen Beitrag zum Dessert. Auch bereitet man daraus ein Kaffeesurrogat, den sog. Feigenkaffee. Die F. halten sich kaum länger als ein Jahr; sie unterliegen dem Schimmel, den Milben und dem Insektenfraß, und geraten überdies leicht in eine Gärung, bei welcher sich ein säuerlicher und scharfer Geschmack und Geruch entwickeln. - Zoll s. Tarif im Anh., frische Nr. 25 h 1; getrocknete Nr. 25 h 2; geröstete oder gemahlene, als Kaffeesurrogat Nr. 25 m 1.

Feldkümmel (Quendel, wilder Thymian, Feldquendel, Feldthymian, lat. Thymus Serpyllum,; frz. serpolet, engl. Creeping, Wild Thyme). Bekannte, an trocknen Anhöhen, Wald- und Feldrändern mitunter häufig wachsende kleine strauchartige Pflanze mit halb kriechendem rötlichem,