Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Fichtenholz; Fichtennadelöl; Filz

130

Fichtenholz - Filz

Papierfabriken zur Leimung, zu Pflastern und Kitten, zum Pichen von Fässern, unter Buchdruckfarbe etc. Vgl. Pech und Kolophonium. F. ist zollfrei, ebenso Terpentin, weißes oder gelbes Pech und Galipot.

Fichtenholz, das Holz der Fichte oder Rottanne (Picea vulgaris), gehört zu den weichen Hölzern, ist weniger leicht spaltbar als Tannenholz, aber fester, dauerhafter und namentlich im Witterungswechsel haltbarer. Das F. ist ein vorzügliches Bau- und Tischlerholz und wird auch als Brennholz verwendet. Die Fichtenrinde benutzt man in manchen Gegenden als Gerberrinde. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 13 c.

Fichtennadelöl (Tannennadelöl, oleum abictis), ein aus frischen Fichtennadeln mittels Wasser oder Wasserdampf destilliertes ätherisches Öl, riecht dem Terpentinöl ähnlich, aber viel feiner als dieses. Man bezieht dieses Öl hauptsächlich aus Thüringen und benutzt es äußerlich zu Einreibungen, häufiger aber zum Verfälschen teurerer ätherischer Öle, namentlich des Kümmelöls. - Zoll gem. Zollt. im Anh. Nr. 5 a.

Filz, frz. feutre; engl. felt. Die Verfilzung bildet dasjenige eigentümliche Mittel, durch welches Tierhaare ohne Spinnen und Weben direkt in ein zusammenhängendes und unauflösliches Ganze gebracht werden, dem durch fortgesetzte Bearbeitung ein jeder für einen bestimmten Zweck nur immer erforderliche Grad von Dichtigkeit und Form gegeben werden kann. Der Zusammenhang, den die Haare durch das bloße Ineinanderwirren erhalten, wird erklärlich durch den mikroskopischen Bau derselben; die meisten sind nicht einfache glatte Röhrchen, sondern zeigen auf ihrer ganzen Oberfläche Unebenheiten, welche sich der Wiederauflösung entgegensetzen; so besitzt das Wollhaar des Schafes tannenzapfenartig geordnete Schuppen, das Biberhaar feine nach vorn gerichtete Spitzen etc. Übrigens ist doch nur die Schaf- und die Vigognewolle schon von Natur so beschaffen, daß sie sich ohne weiteres gut verfilzen läßt. Andre Haare, wie sie namentlich die Hutmacher verarbeiten, bekommen, bevor sie von den Fellen geschnitten werden, eine saure Beize von salpetersaurem Quecksilber, welche das Haar rauh und zum Kräuseln geneigt macht. Sodann erhalten dergleichen Haare immer auch einen kleinen Zusatz von Schaf- oder Lammwolle behufs der leichtern Verfilzung. Die größte Masse des Filzes wird zu Herren- und Damenhüten verarbeitet. Die Hutmacherei hat in neuern Zeiten manchen Wandel erfahren, ohne doch dabei an Bedeutung einzubüßen; sie bildet sich vielmehr zunehmend zum Großbetrieb mit Hilfe von Maschinen aus. Die früheren teuren Kastorhüte von Biberhaaren sind fast ganz in Abgang gekommen; man verbraucht jetzt wohlfeilere, nur für eine Jahresdauer berechnete Ware. Ein großer Teil aller Kopfbedeckung besteht aus sog. Seidenhüten, mit einem Überzug von Seidenplüsch, an dem aber doch die Unterlage häufig aus F. besteht und nach Art der gewöhnlichen Hutmacherei hergestellt ist. Anderseits sind die jetzigen glanzlosen niederen Hüte ein vielgebrauchter, früher bedeutungsloser Artikel. Das am meisten gebräuchliche Material zu Hutfilzen bilden Hasenhaare, demnächst solche von Kaninchen, gröbere oder feinere Schaf- oder Lammwolle, Ziegen- und Kamelhaar, letzteres besonders in Frankreich zu ordinären Hüten stark verbraucht. Für feinere Ware verwendet man dann auch die Haare von Biber, Bisamratten, Fischotter, Vigogne, das sog. Affenhaar (s. Nutria), entweder zum Untermischen oder zur Bildung einer Plattierung, d. h. einer feineren Außenschicht der Hutfilze. Das Zusammenmischen verschiedner Haarsorten ist in der Hutmacherei durchgängig üblich; eine Hauptsache ist ferner gutes Sortieren. Die Haare der nämlichen Tierart geben schon verschiedene Sorten, die gleich beim Schneiden gesondert werden, indem man sowohl die Rückenhaare, die stets die besten sind, als die von der Brust und ebenso die vom Bauche getrennt hält. Die Hasenhaare bilden das Hauptmaterial für bessere, die vom Kaninchen für geringere Hüte. Behufs der Verarbeitung schlägt man zuvörderst die Haare auf geflochtenen Horden mit Stäben, um sie aufzulockern und Staub und andre Unreinigkeiten herauszutreiben. In größeren Fabriken wird die Reinigung durch Maschinen ausgeführt, welche aus Krempel- und Blaswerken bestehen. Nachdem die Krempel die Haarmasse ganz fein zerzupft hat, gelangt sie sogleich in das Bereich des Gebläses, das die Haare emportreibt und die feinsten in einem geschlossenen Kanal am weitesten fortführt, indes die gröberen durch ihre größere Schwere früher zu Boden fallen. Auch die innige Mischung mehrer Sorten wird dann maschinenmäßig durch die Wirkung von Krempeltrommeln besorgt. Der erste Schritt zur Bildung eines Hutfilzes ist das sog. Fachen, wozu ein 6 Fuß langer hölzerner Bogen mit eingespannter starker Darmsaite gehört. Die zu einem Hut abgewognen Haare liegen auf der Horde; der Arbeiter setzt durch ein Schlagholz die Bogensaite in fortgesetzte Schwingungen und treibt damit die Haare empor, welche sich dann in einer äußerst lockern Schicht übereinanderlegen. Diese Facharbeit, die sehr viel Geschick erforden ^[richtig: erfordern] soll, wird gleichwohl schon in den großen Fabriken durch eine Maschine sehr gut ausgeführt, in welcher im verschlossenen mit Glasdeckel versehenen Kasten ebenfalls die Saite schwirrt und die Haare zum Fliegen zwingt. Bezüglich der weitern Verarbeitung der lockern Haarschicht (Fache) genüge zu wissen, daß nachdem derselbe bestimmte für die betr. Hutform erforderliche Gestalt erhalten hat durch vielfaches schiebendes Drücken, Kneten und Rollen unter gleichzeitiger Verwendung von Wärme und Feuchtigkeit das Verfilzen bewirkt wird; daß sich der Filz in feuchtwarmen Zustande über hölzernen oder eisernen Formen in bestimmte Gestalt bringen läßt (hierzu dienen kräftige mit Dampf geheizte meist hydraulische Hutpressen) und diese Gestalt nach dem Trocknen über der Form auch erhält. Das Steifen der Filze geschieht durch Tränken mit besondren Substanzen. Filz wird ferner hergestellt zu Fußbekleidung, Schuhen, Stiefeln, Socken, zu ganz billigen, aber auch weniger dauerhaften Unterröcken. Der hierzu verwendete Filz ist meist