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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Fingerhut; Firnis; Fisch

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Fingerhut - Fisch

gröber; in neuerer Zeit werden auch Waren dieser Art produziert, die auf Feinheit und Eleganz Anspruch machen können. Filzbeutel in Trichterform dienen zum Filtrieren. Filzstoffe in Tafeln und längern Stücken werden zu verschiednen Zwecken und daher von mancherlei Beschaffenheit meist in besondern Fabriken hergestellt. Vermöge neuer Maschinen kann man dabei in der Länge und Breite sehr weit gehen; der Gang ist gewöhnlich der, daß auf Krempelmaschinen Watten gebildet werden, die dann eine Walkmaschine, in so vielfacher Anzahl übereinander gelegt, als der Zweck erfordert, zu einem Fils vereinigt. Dergleichen Stücke werden zum Teil aus farbiger Wolle gefertigt oder nachher gefärbt, bedruckt, appretiert und als sog. Filztuch zu Regenmänteln, oder als Teppiche und Decken, Futterstoffe u. dgl. verwendet. Andre Filztafeln werden zu Sohlen und sonstigen kleinen Stücken zerschnitten. Filztafeln von gröberem Stoffgefüge, die mit Teer, Asphalt und dergleichen Stoffen getränkt zur Dachbedeckung dienen (Dachfilz), werden in Leipzig, Magdeburg, Berlin und andern Orten fabriziert. In ähnlicher Weise werden feinere F. durch Tränken mit Firnis und Lackieren in Lackierfilz verwandelt und zu Mützenschirmen und anderer Verwendung benutzt. Grobe Filze dienen ferner beim Schiffsbau, als Unterfütterungen für den Kupferbeschlag, zur Ummantelung von Dampfcylindern und Dampfrohren um Wärmeverluste zu verhüten. Ein besonders feines Filzprodukt, nicht der Dicke nach, die sehr beträchtlich ist, bildet der Hammerfilz für Pianofortebauer, der in besondern Fabriken aus der feinsten Merinowolle hergestellt und schneeweiß gebleicht wird. Derselbe sortiert sich in Hammerfilz erster und zweiter Qualität und Dämpferfilz, wozu noch roter und grüner Unterfilz kommt. - Verzollung: Hutfache gem. Tarif im Anh. Nr. 41 c 1; Hutstumpen noch nicht in die Form gebracht Nr. 41 d 4; in die Form gebrachte Stumpen sowie fertige Filzhüte Nr. 18 f 2; grobe ungefärbte Filze aus Rindvieh- Hunde- Hirsch- und ähnlichen Haaren sowie Dachfilze Nr. 41 d 2; gefärbte Filze aus den genannten Haaren sowie unbedruckte Filze aus Wolle Nr. 41 d 4; bedruckte Nr. 41 d 6 α. Fußdecken aus Wollenfilz einschließlich der bedruckten Nr. 41 d 4.

Fingerhut, roter (Digitalis purpurea, frz. claquet, cochette, engl. fox glove); eine über ganz Mitteleuropa verbreitete, in Bergwäldern auf kalkhaltigen Boden wachsende stark giftige, aber medizinisch benutzte Pflanze, die nicht selten auch in Gärten als Zierpflanze gehalten wird. Medizinisch verwendbar sind nur die während der Blütezeit gesammelten und getrockneten Blätter der wilden Pflanze, die sich auch an der stärkern Behaarung und andern Kennzeichen von denen der cultivierten unterscheiden lassen und im Droguenhandel als folia digitalis oder herba digitalis bekannt sind. Die eiförmigen, runzligen, unten weiß filzigen, doppelt gekerbten Blätter werden nach oben hin kleiner und ansitzend, während sie nach unten hin breit gestielt sind. Die roten Blüten sind schief glockenförmig und stehen in einer einseitigen Reihe an dem aufrechten Blütenstengel. Die Pflanze hat frisch gerieben einen widerlichen Geruch und bitter scharfen Geschmack. Präparate daraus sind: das Extractum und die Tinctura digitalis, sowie das Digitalin (s. d.). - Zollfrei.

Firnis (Ölfirnis, frz. vernis, engl. varnish). Mit diesem Namen belegt man ölige Flüssigkeiten, welche, in dünnen Schichten auf andre Körper aufgetragen, zu harten, glänzenden, in Wasser unlöslichen Überzügen austrocknen und so zum Schutz gegen die Einflüsse von Luft und Feuchtigkeit, meist aber für beide Zwecke zugleich dienen sollen. Die F. können nur aus trocknenden fetten Ölen gefertigt werden und bestehen entweder bloß aus einem trocknenden Öl, das durch längeres Kochen meist unter Zusatz von Bleiglätte u. dgl. zum raschern Trocknen disponiert wird, oder es bildet dergleichen Öl einen Bestandteil derselben neben gelösten harzigen Stoffen. Diese letztern Kompositionen unterscheidet man auch als fette Lackfirnisse von den einfachen gekochten Ölen, die dann F. schlechthin sind, wie z. B. das gekochte Leinöl, der bei weitem am meisten angewandte F., während die andern trocknenden Öle, Nuß-, Hanf-, Mohnöl, eine viel seltenere Verwendung zu F. haben und mehr bei der Kunstmalerei benutzt werden. Die trocknenden Öle würden an sich zu einem festen Überzuge eintrocknen, aber für die Praxis zu langsam, besonders wenn sie noch frisch sind. Durch längeres Erhitzen unter Luftzutritt werden sie infolge des dabei aufgenommenen Sauerstoffs rascher trocknend und ein Zusatz von Metalloxyden - Bleiglätte, Zinkoxyd, Braunstein, Manganoxydul - steigert diese Eigenschaft noch höher, denn es löst sich erstlich ein Teil der Oxyde im Öl auf und bildet rasch trocknende Verbindungen, während anderseits das Rückbleibende schleimige, das Trocknen hindernde Bestandteile des Öls einhüllt und niederschlägt. Es dürfen jedoch solche Trockenmittel nur in kleinen Quantitäten angewandt werden, da ein Zuviel den F. nachteilig verändert. Der F. vom Leinöl und den verwandten Ölen trocknet nicht durch Verdunstung flüchtiger Teile, sondern dadurch, daß die dünne Schicht aus der Luft noch beständig bis zur Erhärtung Sauerstoff aufnimmt und hierdurch erhärtet. Leinölfirnis wird in bedeutenden Mengen dargestellt und teils für sich, teils mit Farbstoffen angerührt als teigförmige Ölfarben verkauft. - Zoll für Ölfirnisse s. Tarif Nr. 5 d für Lackfirnisse Nr. 5 a. Ein Zusatz von Terpentinöl zu Ölfirnis begründet die Anwendung der Tarif Nr. 5 a. Vgl. ferner Lacke.

Fisch (frz. poisson, engl. fish). Der hohe Nahrungswert der Fische und deren Wohlgeschmack haben der Fischerei zu allen Zeiten eine hohe Bedeutung zugewiesen; in neuerer Zeit ist besonders die Seefischerei hoch entwickelt und wird von allen zivilisierten Völkern geschätzt und begünstigt. Englands Ertrag des F.-handel wird zu über 80 Mill. Mk. angegeben, der von Frankreich zu 40-50 Mill. Mk., der von Norwegen zu 50-60 Mill. Mk. mit Ausfuhr bis zu 46 Mill. Mk. Im Deutschen Reich findet beträchtliche Einfuhr statt; 1875