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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Gagat; Galambutter; Galbanharz; Galgantwurzel; Galläpfel

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Fuselöle - Galläpfel

eine jede ihren besondren charakteristischen Geruch. Am widrigsten ist das Fuselöl des Kartoffelschnapses, das hauptsächlich unreiner Amylalkohol ist; weniger unangenehm ist das Getreidefuselöl, da es neben Amylalkohol noch Propylalkohol etc. enthält. Der Weinbranntwein oder Kognak hat einen noch feinern Fusel, bestehend aus Önanthäther neben andren feinriechenden flüchtigen Stoffen. Bei uns in Deutschland, wo der Spiritus fast lediglich aus Kartoffeln gebrannt wird, hat man auch nur das der gärenden Kartoffelmaische entstammte Fuselöl, während man Getreidefusel selbst meist aus englischen und schottischen Brennereien kommen läßt, um damit gereinigtem Kartoffelsprit dasjenige Parfüm zu geben, was der Schnapstrinker am Kornbranntwein, am „echten Nordhäuser“ schätzt. Bei der gewaltigen Menge von Kartoffelsprit, den Deutschland erzeugt, fallen denn auch ganz beträchtliche Massen des unerwünschten Fusels ab. Beim Raffinieren des Rohspiritus bleibt derselbe zum größten Teil in den Rektifikationsapparaten zurück, schwimmt als ölige Schicht auf den wässerigen Rückständen und wird abgeschöpft, bevor man diese weglaufen läßt. Vgl. „Amylalkohol“. - Zollfrei.

G.

Gagat (Jet, schwarzer Bernstein); eine besondere Art fast schwarzer, dichter Braunkohle mit muscheligem Bruche, die sich bearbeiten läßt und eine hübsche Politur annimmt. Man fertigte daraus, namentlich in Frankreich, allerlei Schmuckgegenstände; jetzt ist der G. fast ganz außer Gebrauch gekommen, da man an Stelle desselben entweder schwarzes Glas, oder Ebonit (Hartgummi) verwendet. - Einfuhrzoll: Unbearbeiteter G. ist zollfrei; rohe, nur geschnittene Platten gem. Tarif im Anh. Nr. 13 d; Waren aus echtem oder nachgeahmtem G. sowie polierte Platten gem. Tarif im Anh. Nr. 20 b 1.

Galambutter (nach der Negerstadt Galam am Senegal benannt), ist eine Varietät des Bassiafettes (s. d.); ein schmuzig ^[richtig: schmutzig] gelbes schmieriges Fett, das aus den Früchten eines afrikanischen Baumes (Bassia butyracea) gepreßt wird, der Cacaobutter im Geruch und Geschmack einigermaßen ähnlich. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 26 a 5.

Galbanharz (Mutterharz, gummiresina Galbanum), ist der eingetrocknete Milchsaft von Ferula erubescens, einer Doldenpflanze Persiens und der Gegend östlich vom Aralsee. Die Ware kommt über die levantischen Hafenplätze aus Syrien, Persien, Arabien, zum Teil auch aus Ostindien und bildet wie manche andre solcher Droguen zwei Sorten, in Thränen oder Körnern und in Massen oder Kuchen, erstere in helleren, weißen oder gelblichen, durchscheinenden, wachsglänzenden, erbsen- bis nußgroßen Körnern, letztere in dunklern, bräunlichen oder grünlichen Klumpen, von hellen Körnern durchsetzt. Die Substanz ist ziemlich weich und klebrig, nur in der Kälte pulverisierbar. Sie enthält etwa 60 Proz. in Weingeist lösliches Harz, 20 Proz. Gummi und bis 6 Proz. ätherisches Öl, (Oleum galbani) von dem es einen durchdringenden unangenehm aromatischen Geruch hat. Der Geschmack ist bitterlich scharf, brennend. Durch Destillation mit Wasser wird das Öl als eine farblose, an der Luft sich bräunende und verdickende Flüssigkeit erhalten, die stärker riecht als das Harz, bitter und kampferartig schmeckt. Das Galbanum hat für technische Zwecke kaum Bedeutung; es findet sich zuweilen als Bestandteil von Kitten aufgeführt (sog. Diamantleim). Medizinisch wird das Öl und das gereinigte und gepulverte Harz innerlich, sowie letzteres äußerlich als erweichendes Mittel bei Geschwüren und Geschwülsten angewandt und bildet den Hauptbestandteil des Mutterpflasters. - G. ist zollfrei, das Öl jedoch nach Tarif Nr. 5 a zollpflichtig.

Galgantwurzel (Radix Galangae, rhizoma Galangae); ein Artikel des Droguenhandels, besteht aus den getrockneten Wurzeln oder vielmehr Wurzelstöcken einer chinesischen Pflanze, die zu den Ingwergewächsen gehört, aber der Art nach nicht sicher bekannt ist. Von China kommt dieselbe in fingerdicke, bis 10 cm lange, in der Mitte gebogne Stücke zerschnitten, die außen rotbraun, innen zimtfarbig aussehen und auf dem Querschnitt kleine dunkle Ölzellen zeigen. Der Geruch ist namentlich bei der gepulverten Ware stark und eigentümlich gewürzhaft, ebenso der Geschmack, der beim Kauen in lange anhaltendes Brennen übergeht. Das würzhafte Prinzip ist ein ätherisches Öl, das scharfe ein Weichharz. Die G. wird medizinisch als Magenmittel gebraucht, ferner als Zusatz zu Elixieren und Tinkturen, auch zu Likören und Essigen. Es gibt kleine und große Galgantwurzeln, die aber nur durch Auslesen gesondert sein, nicht von verschiednen Gewächsen stammen sollen. - Zollfrei. G.-öl gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Galläpfel (Gallen, lat. Gallae, frz. galles, engl. Gall-nuts). Ein technisch wichtiger Artikel, dessen Anfuhr und Konsum schon bedeutende Ausdehnung hat. Die Gallen sind bekanntlich Auswüchse, welche von gewissen Insekten, den Gallwespen, besonders an Eichen veranlaßt werden, indem das weibliche Insekt mit seinem Legestachel die jungen Blattknospen, Zweige, Blätter oder Früchte anbohrt und seine Eier einschiebt. Durch die Verwundung und später das Nagen der auskommenden Brut entsteht ein krankhafter Säftezufluß und dadurch eine Anschwellung, welche fortwächst und im Innern saftig bleibt, so lange tierisches Leben in ihm wohnt. Schließlich frißt sich das Tier als vollkommenes Insekt oder als Made heraus, um sich außerhalb weiter zu verwandeln. Die Gallen sind aber mög-^[folgende Seite]