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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Grauwerk; Grège; Grenade; Grenadillholz; Grenadine; Gries

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Grauwerk - Gries

ein einzelnes Korn nur eine Graupe geliefert hat, oder daß der Kern erst in mehrere Stückchen zerbrochen und diese zu feineren G. gerundet worden sind. Am gewöhnlichsten sind die Gerstengraupen, die in einigen Gegenden auch Koch- oder Rollgerste genannt werden; in geringerm Maße werden auch Weizenarten auf G. verarbeitet. Das Graupenmachen ist eine deutsche Erfindung des 17. Jahrhunderts und wird sich zuerst auf die gröbste Sorte, enthülste ganze Gerstenkörner beschränkt haben. Dies geschieht auf einem besondern Mühlwerk, dem Graupengange, der nur einen einzelnen Stein in seiner Ummantelung (der Zarge) laufen hat, welcher nicht mit einer breiten Fläche, sondern mit seiner runden Bahn arbeitet und hier gerauht ist. Die den Stein in nahem Abstande umgebene Zarge ist an ihrer Innenseite mit Blech belegt, das ganz wie ein Reibeisen scharf durchlöchert ist. Es ist sonach ein von zwei rauhen Flächen begrenzter ringförmiger Spalt vorhanden, in welchen das einfließende, auf die Mitte des etwas gewölbten Steins fallende Getreide sogleich gerät und durch den heftigen Lauf des Steins so herumgerissen und gescheuert wird, daß es bald seine Spitzen und Schalen verliert. Das Mahlgut fließt durch ein Loch in der Zarge ab und wird durch Sieben in Graupen, Mehl und Kleie geschieden. Für die feinern und kleinern Nummern, die bei einem gewissen kleinen Kaliber Gräupchen oder Perlgraupen heißen, wird das Getreide vorher gebrochen, was jetzt meistens zwischen scharf geriffelten Metallwalzen geschieht, worauf die hier sich ergebenden, zum Teil schon enthülsten Stückchen auf entsprechend feinern Graupengängen gerundet und geschliffen werden. Die verschiedenen sich hierbei ergebenden Größen werden auf Siebwerken in verschiedne Nummern sortiert. Graupen bilden einen starken Handelsartikel und werden in Ulm, Wien, Nürnberg, Frankfurt a. M., namentlich auch in Thüringen häufig fabriziert, und bildet für letztere Ware Erfurt den hauptsächlichsten Versandplatz. - Zoll s. Tarif im Anh. Nr. 25 q 2.

Grauwerk (Feh, frz. peau de petit gris, engl. minever). Dies bekannte und beliebte, auch weniger bemittelten Leuten zugängliche Pelzwerk ist ein Artikel, den die Mode wenig anficht, und der schon vor Jahrhunderten bei unserer Frauenwelt ebenso in Aufnahme war als heute. Es sind Eichhörnchenfelle, aber aus Gegenden, wo die Natur rauher als bei uns ist und daher für dichtere Bekleidung ihrer Geschöpfe sorgen muß. Nur die grauen Winterpelze bilden die Kaufware. In unserm Klima macht sich ein Farbenwechsel am Eichhörnchen selten bemerklich, und wenn mitunter eins im Winter in grau übergeht, so wird es auch im Sommer nicht mehr rot. Je weiter nördlich aber eine Waldgegend liegt, desto deutlicher tritt der alljährliche Wechsel eines braunen Sommer- und eines dichtem grauen Winterkleides auf. Dabei herrscht auch ein eigentümlicher Unterschied zwischen West und Ost. Die Tiere sind um so heller grau, je westlicher ihr Vaterland ist; nach Osten hin werden sie zunehmend dunkler bis schwärzlich grau, und da diese Nüancen eben die gesuchtesten sind, so trifft es sich, daß gerade die beste Ware am weitesten, aus dem Osten Sibiriens herkommt. Solche dunkle Fellchen kommen aus Ochotsk, Nerschinsk, Jakutsk, Tunginsk, Irkutsk, die hellern aus Kasan, Jenisei, Kusnetz, Wologda. Nur das russische Reich liefert diese Ware; der amerikanische Norden hat schwarze und graue Eichhörnchen, aber das Pelzwerk ist fast wertlos, und Amerika nimmt selbst starke Posten russische Fellchen aus dem Handel. Die Tiere werden von einer Menge einzelner und in Gesellschaften vereinigter Jäger teils in Fallen gefangen, teils mit vergifteten Pfeilen geschossen, in den Gegenden aber, wo sie am häufigsten sind, en gros vergiftet, indem man sie erst durch Futter gewöhnt, sich an einzelnen Punkten zusammen zu finden, und dann schließlich vergiftetes Futter auswirft, um die armen Tiere andern Tages massenhaft und steinhart gefroren aufzulesen. Hauptkonsumenten für das Grauwerk sind Rußland selbst, China, Amerika, Türkei, Deutschland, Frankreich, England. Leipzig befördert durchschnittlich 2 Millionen Stück im Jahre. Die ganze russische Jahresernte wird auf einige 20 Millionen geschätzt. Die Preise gehen je nach Ursprung und Schönheit von 30-120 Mark per 100 Stück. Nur der Rücken der Felle ist grau, der Bauch weiß, der Schweif mehr oder weniger schwarz. Ein Fellchen ist 16-18 cm lang, der Schweif fast von gleicher Länge. Die Felle werden in erster oder zweiter Hand meist zerschnitten und die drei Partien, Rücken, Seitenstücke und Schweife besonders verkauft. Die Rücken bilden die teuerste Ware, die Seitenstücke heißen Fehwammen. Sie geben zu Tafeln zusammengenäht sog. bunte, d. h. aus grau und weiß gemischte Pelzfutter. Die Schweife dienen zu Boas, zum Aufputz andrer Pelzgegenstände und zu Malerpinseln. Andere Felle, wie ganz schwarze und weiße, solche vom gestreiften und fliegenden Eichhorn etc. sind teils zu selten, teils geringwertig und spielen im Pelzhandel keine Rolle. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 12 b, sowie auch Nr. 28 a und b.

Grège (Greze, Grezseide, frz. grège, grèze; engl. raw-silk), ist die von den Cocons abgehaspelte Rohseide. Weiteres s. Artikel Seide.

Grenade; ein rotbrauner Farbstoff, der aus den bei der Anilinrotfabrikation bleibenden unreinen Rückständen gewonnen wird; man benutzt ihn als billiges Farbmaterial für gemischte Farben auf Wolle, Baumwolle, Seide und Leder. Das G. ist zuweilen arsenhaltig. - Zollfrei. Zu vergl. Anilinfarben.

Grenadillholz, ein rotes Tischlerholz aus Westindien von ungewisser Abstammung, das auch rotes Ebenholz genannt wird. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 13 c.

Grenadine, eine feste Seide, die zu schwarzen Spitzen, Posamentierartikeln etc. dient. Als Benennung von Geweben bezeichnet es gewisse halbseidne gazeartige Stoffe. - Zoll: s. Tarif im Anh. Nr. 30 c bezw. 30 f.

Gries (frz. gruau; engl. grit); derselbe ist ein Mittelding zwischen den feinsten Graupen und Mehl, und besteht aus kleinen Bruchstückchen des Getreidekerns, die beim weitern Vermahlen Mehl bilden würden. Weizengries bildet die häu-^[folgende Seite]