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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Gummilack

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Gummilack - Gummilack

Zellen enthalten auch noch Insekten, die also zur Zeit der Ernte ihre Entwicklung noch nicht erreicht hatten, während aus den bereits verlassenen Kolonien die färbende Materie fast verschwunden ist. Da von den beiden Produkten, in welche der Stocklack zerlegt wird, nämlich Farbstoff und Harz (Schellack, Tafellack, Scheibenlack, lat. lacca in tabulis, frz. lacque plate, lacque en feuilles, engl. shellac), das letztere das wichtigste ist und man diesen möglichst hellfarbig wünscht, so wird jedenfalls das meiste im Herbst gesammelt; die früher, im August, gebrochene, noch lebendige Ware gibt zwar den sämtlichen Rohstoff, aber auch ein dunkles Harz. Der naturelle Stocklack kommt jetzt nur noch in geringem Maße im Handel vor, da er wenig Verwendung, etwa zu Zahntinkturen, hat. Das meiste davon wird gleich in Ostindien auf die beiden genannten Stoffe verarbeitet, indem man das Rot aus der Masse zieht, so weit es vorhanden ist, und das übrig bleibende Harz in irgend eine Form, am meisten in die von Schellack bringt. Die Trennung von Harz und Farbstoff soll in der Weise geschehen, daß man den Stocklack zwischen Steinen zu Pulver vermahlt, dieses in Trögen mit Wasser übergießt, etwa 20 Minuten stehen läßt und dann mehrere Stunden lang durch Treten mit den Füßen bearbeitet. Die Masse wird dann auf Seiher gebracht, wo das mit dem Rot gesättigte Wasser abläuft, und mit heißer Alaunlösung nachgespült. Bei ruhigem Stehen setzt sich nun der Farbstoff in der Flüssigkeit zu Boden, wird nach Abziehen des überstehenden Wassers durch Abtropfenlassen und schließliches Pressen in Säcken weiter entwässert und in Täfelchen geformt, die matt blauschwarz, zerrieben dunkelrot aussehen und im Handel unter dem Namen Lacklack bekannt sind. Sie enthalten nur etwa die Hälfte ihres Gewichts an Farbstoff, der Rest ist Harz und Thonerde. Ein reineres Präparat ist das Lac dye, welches dadurch erhalten werden soll, daß der gepulverte Stocklack mit Sodalösung ausgezogen und mit Alaun gefällt wird. Der so erhaltene, fast reine Farbstoff erscheint als ein hellrotes Pulver, das in der Färberei die Cochenille vertreten kann und gewöhnlich mit Zinnsalz zum Scharlachfärben besonders auf Wolle benutzt wird, jedoch früher mehr als jetzt. -

Der erschöpfte harzige Rückstand wird in lange enge Säcke von locker gewebtem Zeuge gefüllt, diese vor einem Feuer aufgehangen und die durch die Hitze flüssig werdende Masse in dem Maße wie sie austritt und durch Ringen des Schlauches herausgepreßt wird, abgeschabt. Um ihr die Form von Schellack zu geben, streicht man sie mittels eines Palmblattes auf glatte, irdene, mit heißem Wasser gefüllte Cylinder und nimmt sie nach dem Erkalten in Form dünner Platten ab, welche, indem sie auf dem Transport in den Kisten in kleine Stücke zerbrechen, die bekannte Form des Schellacks bilden. In andrer Weise schmilzt man die Masse auch auf heißem Wasser, drückt sie durch Tücher und formt sie auf einer steinernen Platte zu dickern Kuchen oder Blöcken. Die Masse heißt dann Block- oder Kuchenlack (lacca in massis, frz. lacque en pains). Neuerdings kommt auch sog. gesponnener, d. h. in Form dünner Fäden gebrachter Schellack vor, wahrscheinlich nach Art der Fadennudeln durch kleine Löcher gepreßt. Als eine andre Sorte ist noch der Körnerlack (lacca in granis, frz. lacque en grains, engl. seed lac) zu erwähnen, der einfach durch gröbliches Zerstoßen von Stocklack hergestellt werden soll, dem man nachgehends noch durch eine leichte alkalische Lauge den etwaigen Farbstoff größtenteils auszieht. Der Körnerlack bildet kleine unregelmäßige hellbraune Stückchen und dient wie geringere Sorten Schellack. Endlich kommt seit einigen Jahren eine neue Sorte an den Markt, die Blut- oder Knopfschellack genannt wird. Es sind kleine, meist runde, wenig durchscheinende, braunrote Tafeln, sehr glatt und von reiner Masse. Er ist besonders zur Siegellackbereitung gesucht und wird den bessern andren Sorten gleich bezahlt. Je nach der naturellen Färbung des Stocklacks und wahrscheinlich auch der beim Schmelzen angewandten Hitzegrade erscheint der Schellack (Lacca in tabulis) in verschiednen Farbennüancen, die für die Preise mit maßgebend sind. Gewöhnlich unterscheidet man blond, orange, leberorange, leberfarben, kirschrot, braun. Fein orange ist die teuerste Sorte, dann die blonde. Der jährliche Export Kalkuttas an Schellack und Stocklack wird auf ca. 4 Mill. engl. Pfd. angegeben. Die Verwendungen des Stoffs sind sehr mannigfaltig und daher auch die Preise immer ziemlich hoch. An den gesuchtesten ist zuweilen Mangel. Im Schellack finden sich verschiedne Harze gemengt vor, außerdem noch mehr oder weniger Farbstoff und etwas Wachs. Weingeist löst in der Kälte den Schellack mit Hinterlassung des Wachses; heißer Weingeist nimmt auch von diesem etwas auf, das sich aber beim Erkalten wieder ausscheidet und die Lösung trübt. Durch Filtrieren kann sie geklärt werden. Als Material zu Lacken ist der Schellack in weingeistiger Lösung bekanntlich in häufigem Gebrauch, sowohl für sich als in Verbindung mit andren Harzen. Diese Lacke zeichnen sich durch rasches Trocknen aus. Der bekannte Fußbodenglanzlack ist ein starker Schellackfirniß. Verdünntere Lösungen sind die Tischlerpolitur, der Buchbinderlack, die Hutmachersteife. Der Schellack löst sich beim Kochen auch leicht in alkalischen Mitteln, daher auch in wässeriger Boraxlösung, da dieses Salz eine alkalische Reaktion hat. Diese Lösung bildet eine leimartige Masse, die nach dem Trocknen wasserdicht und zu vielen Klebarbeiten tauglich ist. Als Steife für Hutmacher hat sie den Namen Wasserfirniß. Auch der hellste Schellack gibt keinen ganz farblosen Weingeistfirniß; es läßt sich aber ein solcher durch Zusatz von Tierkohle und Aussetzen an die Sonne ziemlich gut bleichen. Man kommt aber den Verbrauchern wasserheller Firnisse dadurch entgegen, daß man den Schellack mit Chlor weißbleicht. Derselbe wird hierdurch vollkommen weiß und seidenartig glänzend. Man erhält diesen gebleichten Schellack in schraubenförmig gedrehten, zopfähnlichen Stangen. Wegen öfter vorkommenden Chlorgehalts ist die Masse nicht überall brauchbar. Der gebleichte