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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Gunny; Gurjunbalsam; Gurke

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Gunny - Gurjunbalsam

Schellack dient außer zu farblosen Lacken und hellen Polituren auch zu feinem weißen, blauen und roten Siegellack. Zu andren Sorten Siegellack dient der gewöhnliche Schellack als notwendiges Ingrediens; sehr wohlfeile Sorten erhalten freilich nichts davon. Gepulverter Schellack wird nicht selten für sich oder in Verbindung mit andren Harzen als heißer Kitt verwendet; als Bindemittel dient er ferner in Vermischung mit Schmirgelpulver zur Anfertigung kleiner künstlicher Schleifsteine und Schmirgelfeilen für Metallarbeiter, sowie auch in der Feuerwerkerei. Der Schellack soll nicht selten durch hinzugeschmolzenes Kolophonium gefälscht werden, welches sich durch seinen Harzgeruch ankündigt, wenn eine Probe zwischen den Fingern erwärmt wird. Schärfere Prüfungen setzen Erfahrung in chemischen Arbeiten voraus. - Der G. ist zollfrei, ebenso Schellack.

Gunny heißen die in Ostindien hauptsächlich aus Jute hergestellten Gewebe zu Packtuch und Säcken (Gunny cloth und G. bags). Es finden diese Stoffe einen ungemein großen Verbrauch zu Emballage für Kaffee, Baumwolle und andre Waren. Der Stoff wird übrigens nicht ausschließlich aus Jutefaser, sondern auch (in Madras) aus dem Sunnhanf und in vielen Teilen Indiens aus der Kokosfaser (Coir) angefertigt. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 22 e.

Gurke (frz. concombre, engl. cucumbre). Erzeugnis der Gärtnerei (s. Gemüse) und des Feldgemüsebaues, welcher besonders in der Provinz Sachsen, Naumburger Gegend und angrenzenden Ländern große Flächen dem Gurkenbau widmet und das vorzüglichste Handelsgut liefert. Man rechnet als Bruttoertrag von 1 ha von 100000-130000 Stück, als Durchschnittspreise 2½-3 Pfg. pro Stück, in günstigen Jahrgängen nur ½, in schlechten bis 20 Pfg. Die G. verlangt Wärme und Sonnenschein und versagt bei Nässe, stürmischem Wetter und Kälte, besonders in der ersten Entwicklung. Je frühzeitiger die G. zum Markt gebracht werden kann, um so höher ist der Preis; im Vorsommer und späten Frühjahre kann man 1 Mark und mehr pro Stück erlösen, aber nur mit Treibhauskultur oder durch aus warmen Ländern bezogene Ware (Algier). Für den Großhandel kommen nur die zum Einmachen bestimmten (Herbst-) G. in Betracht; sie werden in Massen auf Märkten oder bei den Bauern und Gärtnern aufgekauft. Die Waren für den Großhandel bilden die sauren oder Salzgurken, wozu nur mittelgroße, nicht zu reife, noch etwas harte, fleckenlose Stücke geeignet sind, die Senfgurken, wozu man die größten und reifsten, schon etwas gelb gewordenen Stücke nimmt, die Pfeffergurken, höchstens fingerlange junge, im Vorsommer zu sammelnde Stücke, und Zuckergurken, grüne, mittelgroße, feste Ware. Das Verfahren zum Einmachen findet sich in jedem guten Kochbuch beschrieben, am ausführlichsten im „Illustrierten Kochbuch“ von J. J. Weber-Leipzig. Pfeffer-, Salz- und Senfgurken werden meist in Fässern, Zuckergurken in Gläsern und Büchsen versendet und aufbewahrt, erstere auch in Steintöpfen, aber mehr zum Privatgebrauch. Die G. ist leicht der Fäulnis ausgesetzt und muß deshalb sorgsamst aufbewahrt und nur in voll gefüllten, mit einer starken Schicht von Blättern und Gewürzen, Estragon, Pfefferkraut, Dill, Fenchel etc., bedeckten Fässern versendet werden. Die Salzlake oder der Essig, in welchem sie eingemacht sind, muß zeitweise erneuert werden, wenn sie längere Zeit aufbewahrt werden sollen. Das Einmachen wird am besten von Männern besorgt; Frauen dürfen wenigstens zur Zeit der Menstruation nicht damit umgehen. Die Aufbewahrungsart muß kühl und luftig sein, fern von allen üblen Gerüchen etc. Die Versendung ist bei kühler Witterung zu bewirken, bei warmem Wetter unter gehöriger Vorsicht. -

Der Hauptverbrauch von Salz- und Senfgurken findet in Norddeutschland und besonders in den sächs. Ländern statt, in welchen die G. bei der ärmeren Klasse die tägliche Zukost ist und von jedermann gern genossen wird; Pfeffergurken werden überall verbraucht, Zuckergurken vorzugsweise am Rhein und in Süddeutschland, woselbst Salz- und saure G. größtenteils von den Privaten selbst eingemacht werden, während in Norddeutschland die Delikatessengeschäfte, die Seiler, Hausierer und Kleinkrämer den Verbrauch vermitteln. An diese und an Restaurateure und Gastwirthe findet daher der Verkauf größtenteils statt. Ausgeführt werden G. nach England, eingeführt als frische Ware in die Großstädte, besonders von Frankreich und Holland. Der Verbrauch ist im Norden ein ganz bedeutender, Statistisches darüber jedoch nicht bekannt. - Frische G. sind zollfrei. Nur mit Salz oder Essig in Fässer, Töpfe etc. eingelegte G. gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2; mit Gewürzen eingemachte, sowie alle in hermetisch verschlossenen Büchsen eingehende Nr. 25 p 1.

Gurjunbalsam (Ostindischer Balsam, Capiribalsam, balsamum Gurjunae, balsamum capiri, wood-oil). Dieser erst seit circa 20 Jahren im europäischen Drogenhandel vorkommende Balsam stammt von verschiednen Bäumen der Gattung Dipterocarpus ab und ist in mancher Beziehung dem Kopaivabalsam ähnlich. Die Ware kommt sowohl von dem ostindischen Festlande, als auch von den Inseln und soll hauptsächlich von Dipterocarpus turbinatus abstammen; nächst diesem liefern auch D. alatus und incanus diesen Balsam. Derselbe erscheint bei auffallendem Lichte grünlichgrau und opak, bei durchfallendem ist er rötlichbraun und vollkommen durchsichtig. Der Geruch ist dem des Kopaivabalsams ähnlich, aber schwächer; der Geschmack ist bitterlich aromatisch; das spezifische Gewicht ist 0,4 bei 15° C. Die Bäume sollen eine sehr reiche Ausbeute geben, ein einziger Baum 150-200 kg. Der G. wird sowohl äußerlich, als auch innerlich medizinisch verwendet, namentlich gegen hartnäckige Hautausschläge, auch zu technischen Zwecken soll er Benutzung finden, sowie zur Verfälschung des Kopaivabalsams. -

Der engl. Name wood-oil (d. i. Holzöl) kann leicht Veranlassung zu Verwechslungen mit andern Ölen, die denselben Namen führen, geben; so geben die Engländer diesen Namen auch dem fetten Aleuritisöl, ferner dem ätherischen Sandelholzöl und dem Hardwickia-Balsam, welcher letzterer von der zu