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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Hafer

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Hadernsurrogate - Hafer

vorigen Jahrhunderts versuchte man wiederum mit verbesserten Maschinen das Stroh zu benutzen, doch blieb das Produkt, wegen Unkenntnis der chemischen Hilfsmittel, sehr mangelhaft. In den Jahren 1765-71 war der gelehrte Superintendent Dr. Schaeffer in Regensburg bemüht, für die Papiermacherei neue Faserstoffe zu suchen und leistete darin für einen Laien alles Mögliche. Seine Versuche gab er in 3 Bändchen und in 2 Auflagen heraus, so weit seine gemachten Proben eben reichten. Diese Muster umfassen alle in Deutschland zu findenden fasergebenden Pflanzen, auch Wespanest und Asbest. Diese mühsamen Versuche fanden jedoch keine Beachtung, sondern sogar Verhöhnung unter den Papiermachern und erst zu Anfang dieses Jahrhunderts trieb die Not wieder zu neuer Anstrengung unter Beihülfe von Aschenlauge oder Pottasche, indem man Nesseln, Stroh, Ginster, Baumblätter etc. für die Papierfabrikation geeignet machen wollte. Der erste, welcher mit Verständnis Surrogate aufsuchte, war Louis Piette in Dillingen bei Saarbrück, der die Versuche noch weiter ausdehnte und auf der Papiermaschine namentlich Strohpapiere verschiedenster Art fabrizierte. Beschreibung seiner Versuche nebst Mustern erschien 1838 im Verlage von Du Mont-Schauberg in Köln. -

Das Getreidestroh blieb das vornehmlichste Surrogat, deshalb waren auch die Versuche des Direktors der k. k. Staatsdruckerei in Wien, Hofrat Dr. v. Auer, darauf gerichtet, in der damaligen Staatspapierfabrik zu Schlöglmühl Papier aus Maisstroh, dann aber nur aus Maislischen herzustellen. Die damit hergestellten Papiere lassen nichts zu wünschen übrig, aber der Kostenpreis überstieg weit die Grenzen der nutzbaren Verwertung. Diese Versuche fallen in die Jahre 1856-63. -

Es begannen von da an wieder neue Bestrebungen, das Stroh für die Papierfabrikation nutzbar zu machen. In Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, England wurde unausgesetzt nach Auffindung zweckmäßiger Methoden geforscht, bis wirklich solche von mehreren Seiten gefunden wurden, welche seit 1865 als abschließend anerkannt sind und das Stroh zu einem notwendigen Papiermaterial gemacht haben. Die Hadernnot ließ jedoch nicht ruhen und ganz besonders traf der Mangel England. Da versuchte Routledge in London den zu Fußteppichen seit mehr als 100 Jahren in England benutzten Esparto aus Spanien und brachte die ersten Proben auf die Welt-Ausstellung in London 1862, die zwar mit Achselzucken betrachtet wurden, jetzt aber einen Konsum von 20 Mill. kg Faserstoff repräsentieren. -

Als das Esparto (Hipa oder Macrochloa tenacissima), das in den verwüsteten Gegenden Almerias und Murcias wachsende Pfriemengras, durch den massenhaften Verbrauch ziemlich ausgerodet war, wandte man sich nach Algier und endlich nach Tunis, wo eine ähnliche Binse, das Halfa oder Diss (Lygeum spartum), auf den ungeheuern wüsten Steppen in wasserloser Öde wuchert (vgl. Alfa). -

Ein Fasernsurrogat der Hadern, welches, wie kein andres, seit 1865 in kolossalen Massen für die mittleren und geringen, namentlich für die Zeitungsdruckpapiere (bis 85%), Verwendung findet, ist der von Gottfried Keller erdachte, von H. Voelter 1850 und später von Rudel und Siebrecht 1861 durch Konstruktion geeigneter Schleifmaschinen zu großartiger Fabrikation gebrachte Holzstoff. Die direkte Umwandlung des Holzes durch Schleifen quer seines Wuchses auf einem großen, mit Zuführung unter Druck schnell laufender Sandsteine ist eine so einfache, daher so wenig kostende, daß kein Material, auch nicht die geringste Hader, so billig hergestellt werden kann. Die Klagen, welche über die Holzstoffpapiere geführt werden, gehen nur die gedrückten Papierpreise an, denn man kann Holzstoff bei richtigem Verständnis der Anfertigung so schön darstellen, daß er allen Anforderungen einer Papierfaser entspricht. Die vornehmlich in Gebrauch kommenden Hölzer sind Pappel, Fichte, Kiefer, Tanne, Birke, Ulme, Weide, Linde, Lärche, je nach dem vorwiegenden Vorhandensein der einen oder andern Holzart. -

Die mechanische Bereitung des Holzstoffs und die Unmöglichkeit seines Bleichens riefen die Versuche Payen's aus den dreißiger Jahren wieder in Erinnerung und es wurde eine Zeit lang, etwa von 1862-1868, aus dem Holze durch Behandlung mit Salpetersäure Lignose (Holzzellulose) gewonnen. Diese Zellulose war jedoch zu teuer und es stellten daher Jessap und Moore in Amerika die Holzzellulose durch Kochen mit Ätznatron bei hochgespannten Dämpfen dar, also geradezu auf entgegengesetzte Art. Dieses Verfahren fand seit 1865 immer mehr Verbreitung, nur Tessié du Motthay tauchte auf kurze Zeit mit der Empfehlung des längst bekannt gewesenen schwefelsaurem Kupferoxyd-Ammoniak auf, ging aber bald wieder unter. In den letzten Jahren haben die Gebrüder Mitscherlich ein neues Verfahren aufgebracht, d. i. mittels zweifach schwefligsaurem Kalk die inkrustierende Materie des Holzes zu zersetzen und dadurch die reine Zellulose zu gewinnen. Diese Methode hat viel Versprechendes, doch ist sie noch nicht zur vollen Vollendung gediehen. -

Als H. dienen auch mineralische Zusätze zu dem Papierstoffe. Dieselben sollen entweder das Gewicht des Papieres vermehren helfen (im Großhandel wird das Papier nur nach Gewicht verkauft) oder dem Papiere die Durchsichtigkeit nehmen und die Farbe verbessern. Als vornehmste Materialien sind nach historischer Reihenfolge zu nennen: Das Perlweiß (künstlich bereiteter schwefelsaurer Kalk), Permanentweiß oder Blanc fix (künstlich bereiteter schwefelsaurer Baryt), Mineralweiß (gemahlener Schwerspat), China-Clay (Pfeifenerde, kieselsaure Thonerde), Annaline (gemahlener Gips vom Harz). Außerdem finden die gewöhnlichen Thonerden und die Erdfarben in ähnlicher Weise in der Papierfabrikation Verwendung. - Zoll: Getreide- und Maisstroh, Espartogras auch gemahlen, sind zollfrei. Halbzeug aus Holz, Stroh, Esparto und andren Fasern sowie Cellulose gem. Tarif im Anh. Nr. 27 b. Perlweiß, Permanentweiß sowie die übrigen vorgenannten mineralischen Zusätze sind zollfrei.

Hafer (Haber, lat. Avena, frz. avoine, engl. oats) ist eine Pflanze der nördlichen Gegenden in Europa, Asien und Amerika, am vorzüglichsten gedeihend in Schottland, an der Ost-^[ERGÄNZUNGSSTRICH!]