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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Hopfen

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Honig - Hopfen

und reinsten Zustande und rein süß schmeckend, Jungfernhonig. Was nicht freiwillig abfließt, wird als Wachswaben abgepreßt, geringere Sorte, gemeiner oder geseimter H., brauner und mit kratzigem Nachgeschmack. Der H. bildet anfänglich eine zähflüssige, klebrige, homogene Masse; bei längerm Stehen, zur Vermeidung von Gärung immer in kühlen Räumen, scheiden sich die, seine Hauptmasse ausmachenden, zwei Modifikationen von Fruchtzucker, indem die eine sich körnig aussondert und festern Zusammenhang annimmt, indes die andre in dickflüssiger Beschaffenheit die obere Schicht bildet. Bei den hellern Sorten tritt diese Scheidung früher, bei den dunklern später ein, oft erst in 4-6 Wochen. - Krauthonig, von allerlei Blüten in Wiesen, Wäldern und Gärten gesammelt, ist ohne hervorstechende Besonderheit, Buchweizenhonig, grünlich, Heidehonig, braun und gering, Lindenhonig, weiß, lieblich riechend und schmeckend, Rübsenhonig, hellgelb, zu den bessern Sorten gehörend. - Amerikanischer H. kommt am meisten als Havannahonig, von Kuba und andern westindischen Inseln, sonst auch von Mexiko, Nord- und Südamerika; er ist in der Regel hellfarbig, der von Kuba, in Fässern von circa 400 kg eingeführt, weiß und fest. Früher gewöhnlich säuerlich oder von geringer Süße, sind jetzt die amerikanischen Honige von besserer Qualität und so gut als die europäischen. Von Domingo kommt eine sehr gute Sorte und eine beliebte feine Sorte sendet Valparaiso. Für den Handel mit H. ist Hamburg der wichtigste Platz, da sowohl deutsche, als fremde Sorten dort zu finden sind. Das südliche Deutschland erhält Zuschüsse aus Ungarn, Steiermark, Dalmatien, Istrien durch die Marktplätze Pest, Triest und Salzburg. Über Danzig, Breslau, Königsberg gehen die Bezüge aus Preußen, Litauen, Rußland und Polen. Italienische, französische, spanische, portugiesische und levantische Ware kommt kaum an den deutschen Markt. - Der H. wird nicht selten verfälscht. Ist er bloß mit Wasser verlängert, so ist er leichter als sein natürliches specif. Gewicht (1.42-1.43) und scheidet beim Stehen an der Oberfläche eine dünne, wässrige Schicht ab; Gelatine, Möhrensaft, Melasse und Stärkezucker sind durch den Geschmack zu erkennen. Tragantschleim oder Leim scheidet sich beim Vermischen mit Weingeist als Gallert ab; Mehl, Stärke etc. findet man beim Verrühren mit Wasser als Bodensatz, der beim Aufkochen Kleister gibt und durch Jodlösung blaugefärbt wird. Sauer wird der H. von selbst, und ist dann natürlich auch keine gute Ware mehr. Aufbewahrt kann H. in Scheiben, dicht über einander gelegt in Steintöpfen, überbunden mit Wachspapier und Blase, mehrere Jahre werden, wenn er an kühlen Orten bleibt; ausgelassener H. muß geläutert, dick eingekocht und in Steintöpfe gefüllt werden. Die Reinigung geschieht, indem man ihn in Vermischung mit Wasser längere Zeit gelinde kocht oder nur nahe an der Siedhitze erhält, öfter abschäumt, bis zur Sirupdicke eindampft und durch Flanell seiht. Zoll: 3 Mk. Tarif Nr. 251.

Hopfen (Humulus lupulus, frz. houblon, engl. hop), die Fruchtstaude (Dolden, Hopfenzapfen, Trolle) der wichtigen Handelspflanze gemeiner Bier-, Brau-, Bruch-, Busch-, Dorn-, Feld-, Garten-, Hecken-H. oder Lang-H.; die des wilden H. finden in den untern Donauländern allgemeine Verwendung, bei uns hier und da als Ersatz von eigentlichem H. Bei dem von Jahr zu Jahr steigenden Verbrauch von Bier, welchem der H. Haltbarkeit und Arom geben muß, gehört der H. zu den wichtigsten Kulturpflanzen, welchem im ganzen an 100000 ha Land gewidmet sind. (Deutsches Reich 1880 im Ganzen 40809.8 ha, England 25600, Österreich 7-8000, Belgien 6500, Nordamerika 16-17000, Australien 250). Der Jahresertrag und Verbrauch balanciert mit durchschnittlich 65-70 Mill. kg (Deutsches Reich 1880 zusammen 28.5 M. kg, davon Württemberg fast ⅕, England 20, Österreich 5, Belgien 5, Frankreich 2½ Nordamerika 10). - Der Preis ist je nach Sorte verschieden hoch, im Durchschnitt zu 2.4 Mk. pro kg anzunehmen, als sog. Landhopfen, geringste Sorte, kaum ½ Mk., als Saazer, Spalter und Schwetzinger, beste Sorten, mindestens 6 Mk.; da der Ertrag außerordentlich schwankend ist - pro Stock 120 g bis 500 g und mehr, je nach Witterung, so findet oft Mangel mit hoch gesteigertem Preis - 8-9 Mk. (16 Mk. in bester Sorte) - und Überfluß mit tieferem Preisstand - 30 Pfg. für Landhopfen und 2 Mk. für bessere Ware, statt. Die Hopfenpflanze ist zweihäusig, die männlichen Blütenstände (Fimmel-, Femel-, Fimel-, trüber, wilder H.) sind nicht verwertbar, die weiblichen bestehen aus zapfenartigen Kätzchen, mit grünen, gelbgrünen Blüten, zu 4 in den Achseln sich deckender zweizeilig gestellter Nebenblätter, jede von einem Blättchen unterstützt und am Grunde umgeben. Blütezeit Juli bis September (Früh- und Späthopfen). Die Fruchtzapfen, das begehrte Produkt, offizinell als Coni seu strobuli Lupuli, sind 2-4 cm lang, oval, hängend und sowie die Blättchen und Nebenblättchen mehr oder weniger dicht mit goldgelben Drüsen bedeckt. Die Früchte, einsamige, rundliche Nüßchen, 3 mm im Durchmesser, geben den Bieren einen unangenehmen Geschmack, weshalb man nur weibliche Pflanzen baut und diese aus Setzlingen, Fechsern, erzieht und vermehrt. Der wirksamste Bestandteil des Hopfens ist das aus den Drüsen bestehende Lupulin oder Hopfenmehl, Hopfenstaub, (bis 10% der Zapfen), welches auch zur Darstellung von Hopfenöl (7-8 Mk. per Lot) dient und für Apotheken einen Handelsartikel für sich bildet. Die näheren Bestandteile sind: eine besondre Gerbsäure, Hopfenharz, das Hopfenbitter oder eigentliche Lupulin, das ätherische Hopfenöl, etwas Gummi, Äpfelsäure, ein wachsartiger Körper, ein noch unbekanntes Alkaloid und bis 8.5% Aschenbestandteile, bes. phosphor-, schwefel- und kohlensaures Kali. Die für das Bier (s. d.) geschätztesten Bestandteile sind wenig haltbar; nach Jahresfrist wird der H. schon äußerlich rotbraun, verliert an Arom, riecht dann durch Bildung von Valeriansäure unangenehm und verliert das Hopfenmehl; durch Schwefeln und Pressen kann er etwas