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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Horn

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Horn - Horn

im Handel sich nur auf diese bezieht. Die Masse, aus der diese Auswüchse bestehen, die Hornsubstanz, hat in der animalischen Welt eine weite Verbreitung, denn sie findet sich wieder, freilich mit manchen Modifikationen, in Oberhaut, Haaren, Borsten, Federn, Stacheln, Hufen, Klauen, Nägeln, Schnäbeln, im Schildpatt und Fischbein. Von den Knochen und Geweihen (s. Hirschhorn) unterscheidet sich die Hornsubstanz dadurch, daß sie in siedendem Wasser nicht zu Leim zu verkochen ist, sondern nur erweicht und nachgehends ihre volle Härte wieder annimmt. Die Asche der Hornsubstanz enthält mehr oder weniger phosphorsauren Kalk, die der Federn auch viel Kieselsäure; der Aschengehalt schwankt zwischen ⅓ (Schildpatt) und 3 Proz. (Büffelhorn). Alle Hornsubstanzen enthalten überdies mehr oder weniger, bis zu 5 Proz. Schwefel. Die Struktur der Hörner hat eine entfernte Ähnlichkeit mit der des Holzes, indem sich auf dem Durchschnitt eines Hornes förmliche Jahresringe zeigen. Je älter das Gebilde ist, um so mehr werden diese Ringe unkenntlich, und da altes besser ist als junges, so ist das stärkere oder geringere Hervortreten der Ringe ein gutes Unterscheidungszeichen. Die Hornmasse besitzt eine leidliche Härte, ist etwas biegsam und elastisch, mehr oder weniger durchscheinend, in der Farbe von weiß und gelblich grau bis schwarz variirend, und erweicht sich wie gesagt in der Hitze so weit, daß man sie nicht nur bequem biegen und pressen, sondern selbst löten oder schweißen kann, worüber weiterhin Näheres. Mit diesen Eigenschaften eignet sich das Horn zu einer Menge technischer Verwendungen, die sich aber ziemlich scharf in zwei Gruppen sondern, je nachdem dabei der solide oder der hohle Teil der Hörner in Arbeit kommt. Die obern soliden Enden sind die wertvollsten und am meisten gebrauchten Bestandteile der Hörner; sie kommen häufig schon abgeschnitten und separat als Hornspitzen in den Handel und bilden hauptsächlich das Material für Horndrechsler, indes die Hohlstücke (Hornschroten) dem Kammacher etc. zufallen. Die erste Vornahme mit rohen Hörnern ist, daß man sie von dem Kern befreit, der die Höhlung des dickern Endes ausfüllt. Man läßt sie zu dem Ende längere Zeit in Wasser macerieren, und schlägt sie dann, beim dünnen Ende angefaßt, gegen ein Stück Holz, wobei der Kern von selbst herausgeht. Man zersägt dann die Hörner in Spitzen und Schrote. Bei Verarbeitung der erstern zu Stockgriffen, Spitzen für Raucher und vielerlei andern Dingen dienen Drehbank, Messer, Feilen etc. und unter Umständen Biegen in der Hitze. Um gute Peifenspitzen herzustellen, wird das Horn ins Kreuz gespalten, sodaß es vier Stück gibt. Die Bearbeitung der Hohlstücke zu flachen Körpern ist ziemlich mühsam. Nach längerm Liegen in kaltem Wasser bringt man sie auf einige Stunden in siedendes, schiebt sie dann gleich auf die Zinken langer Gabeln, an denen sie über einem lebhaften Flammenfeuer rasch gedreht werden, um sie recht gleichmäßig zu erhitzen. Noch heiß spaltet man sie der Länge nach auf, biegt sie mit flachen Zangen, unter zeitweiligem Anhalten ans Feuer, zu Platten auf, die man abwechselnd mit glatten Eisenplatten schichtet und den Stoß in eine starke Presse setzt, bis völlige Erkaltung eingetreten ist. Derartige Platten, durch welche also das Rohmaterial für die weitere Umarbeitung durch Kammacher etc. schon aus dem Groben zugerichtet ist, sind auch im Handel zu haben. Das Horn ist dabei im äußern Ansehen, Farbe, Aderung etc. unverändert geblieben und kann zu allen Zwecken gebraucht werden, wo eine besondre Durchscheinbarkeit nicht von nöten ist. Büffelhorn erfährt in der Regel keine andre Vorbereitung. Für andre Zwecke dagegen soll die natürliche Transparenz des Hornes erhöht werden, und die nach vorstehenden Angaben hergestellten Platten erfahren dann eine weitere Bearbeitung. Es eignen sich indes nur Hornstücke hierzu, die schon von Natur weiß sind; schwarzes Horn wird nimmermehr durchscheinend. Man erhitzt also die Platten wieder über Feuer, schärft mit Messern oder Schabern zu dicke oder trübe Stellen, oberflächliche Adern, kurz alles, was die Transparenz stören würde hinweg, legt die Stücke auf einige Tage in kaltes, dann einige Stunden in heißes Wasser, taucht sie dann in geschmolznes Fett oder Talg und schichtet sie abermals mit heißen eisernen Platten in eine Presse, wo sie unter allmählich gesteigertem Druck bis zum Erkalten bleiben. Die Masse hat sich jetzt unter der Wirkung des Fettes zwar gebräunt, ist aber gegen das Licht viel durchgängiger geworden. Hornplatten dieser Art dienen zu Laternen, Wagschalen für Apotheker etc. Es gibt aber bei dieser Plättung des Hornes zwei weitere nach Bedarf in Anwendung kommende Hilfsmittel, das Spalten nämlich und das Löten oder Schweißen. Das Spalten geschieht ebenso durch die Fläche, wie das Zersägen eines Brettes in dünnere Bretter oder Furniere, und es dienen beim Horn ebenfalls Sägen, und zwar Kreissägen, welche sich horizontal nahe über der Fläche einer Tischplatte drehen, auf welcher ihnen die Horntafeln entgegengeschoben werden. Solchergestalt erhält man aus einer Hornplatte zwei bis drei dünnere. Durch das Schweißen setzt man kleinere Platten zu größern zusammen ohne daß die Fügung besonders bemerklich wird. Es beruht dies auf der Eigenschaft des Hornes, in der Hitze klebrig zu werden und besteht einfach darin, daß man die zu verbindenden Kanten sauber abschrägt, zusammenstößt und zwischen heißen Flachzangen, Platten etc. fest einspannt, wo sie dann nach dem Erkalten ein Ganzes bilden. Die Lötstellen müssen vor der geringsten Spur von Fett, auch vor Berührung mit den Fingern behütet werden, da sonst keine Bindung erfolgt. Die verschönernde Bearbeitung des Horns geschieht durch Schaben, Schleifen mit feinem Bimsstein, Tripel und dergleichen. Platten erhalten ohne weiteres einen schönen Glanz durch Einspannen zwischen erhitzten polierten Kupferplatten. Die Hornmasse wird auch verschiedentlich gefärbt und gebeizt, namentlich durch Erzeugen einer gefleckten Färbung zu Schildkrot gestempelt. -

Hufe lassen sich wie Horn verarbeiten und werden besonders in Knopffabriken