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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Indigo

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Indigo - Indigo

die überstehende nicht weiter nutzbare Flüssigkeit abgezapft wird, während man den I. selbst vielleicht noch mit kaltem oder kochendem Wasser wäscht, um ihn zu reinigen und zu schönen, dann ihn abtropfen läßt und durch Pressen in Zeugbeuteln noch weiter entwässert. Die feuchte Masse wird meistens durch Zerschneiden mit Drähten in Würfelform gebracht und dann im Schatten getrocknet. Bei einer tropischen Temperatur von 30° verläuft der Gärprozeß in 12-15 Stunden, die Oxydierung und Abscheidung in ein paar Stunden. Die ganze Behandlung soll große Aufmerksamkeit erfordern, indem sowohl Übergärung als übermäßige Lüftung leicht eintreten können, wo dann ein weit geringeres Produkt erhalten wird, im letztem Falle ein solches, das „verbrannter“ I. genannt wird. Neben dieser Herstellungsmethode gibt es aber auch eine solche aus getrockneten Pflanzen, die auf Koromandel gebräuchlich ist und auch in Amerika vorkommen soll. Die getrockneten Pflanzen werden einfach mit lauem Wasser ausgezogen, zu dem Auszug Kalkwasser gefügt und der Niederschlag gesammelt, der dann an der Luft durch Sauerstoffaufnahme allmählich in Blau übergeht. Sonach findet hierbei ein Gärungsprozeß gar nicht statt. - Der Indig ist nicht bloß in technischer, sondern auch in chemischer Hinsicht ein interessanter Körper und es haben sich viele Gelehrte mit seiner Untersuchung bebeschäftigt ^[richtig: beschäftigt], auch ist es gelungen, ihn künstlich darzustellen, doch bildet dieser künstliche Indigo noch keinen Handelsartikel. Er enthält außer Kohlen-, Wasser- und Sauerstoff, auch noch Stickstoff. Die Handelsware bildet, abgesehen von etwaigen fremden Beimischungen, immer ein Gemisch verschiedner Substanzen, unter denen der eigentliche Blaustoff, das Indigotin, in den verschiednen Sorten in höchst schwankendem Verhältnis vorkommt. Die Nebenbestandteile sind: Indigleim, in Wasser, Alkohol, Säuren und Alkalien löslich; Indigbraun, in ätzenden Alkalien löslich; Indigrot, durch Äther und Alkohol zu entfernen. Außerdem enthält die Ware Wasser, verschiedne Salze, Kalk, zuweilen als Verfälschung Stärkmehl, Harz, Berlinerblau etc., und hinterläßt in guter Sorte beim Verbrennen etwa 7 Proz. Asche. Das Indigotin selbst löst sich weder in Wasser, noch Alkohol, Äther, fetten Ölen, verdünnten Säuren und alkalischen Laugen, wird aber von Chlor entfärbt und zersetzt, von verdünnter Salpetersäure in Isatin, von konzentrierter in den gelben Farbstoff Pikrinsäure umgewandelt; nur Schwefelsäure löst es ohne die Farbe zu zerstören. Bei stärkerm Erhitzen stößt der Indigo purpurfarbene Dämpfe aus, die, wenn sie sich an einer kältern Stelle ansetzen, kleine schwarzblaue, kupferig glänzende Nadeln bilden, welche fast reines Indigotin sind; es kommt aber diese Manipulation in der Technik nicht vor, weil ein andrer Teil des I. und zwar der größre hierbei zersetzt wird. Um den I. zu Färbereizwecken brauchbar zu machen, also aufzulösen, hat man zweierlei Mittel: das erste, in der Färberei hauptsächlich benutzte besteht darin, daß man den Indig in Indigweiß verwandelt, welches in alkalischen Flüssigkeiten löslich ist; durch Einwirkung von Luft wird dann das Indigweiß wieder in Indigblau verwandelt; die Bläue erscheint demnach wieder wenn die mit der Lösung getränkten Zeuge der Luft ausgesetzt werden. Das andre Mittel ist die direkte Lösung des I. in Schwefelsäure, worüber weiterhin Näheres. Auf der Anwendung des erstgenannten Mittels beruht die Blaufärberei in der Küpe (Küpenfärberei); das Küpenblau gibt die dauerhafteste Färbung. Man läßt dabei immer zwei Stoffe gleichzeitig auf fein gepulverten I. in Gegenwart der nötigen Wassermenge einwirken, einen sauerstoffbegierigen als Reduktions- und einen von alkalischer Natur als Lösungsmittel. Die beiden gewöhnlichsten sind Eisenvitriol und Ätzkalk (Vitriolküpe). Werden die drei Körper in der Küpe mit Wasser zusammengerührt, so entsteht eine Lösung von weingelber Farbe, diese das Indigweiß enthaltende Lösung bildet die Färbeflotte, in der die Zeuge erst grüngelb werden, welche Farbe dann an der Luft durch grün in blau übergeht. Je nachdem der Färbeprozeß auf kaltem oder heißem Wege geführt wird, hat man kalte und warme Küpen. Kalk und Vitriol werden zuweilen einer oder beide durch andre Stoffe ersetzt, der letztere durch Zinnsalz, Arsenik (Opermentküpe) etc., der erstere durch Pottasche, Soda, auch Urin, der durch Fäulnis Ammoniak liefert. Der Kalk jedoch wird auch bei Verwendung andrer Alkalien nie ganz weggelassen, da ein Überschuß desselben nötig ist um Indigrot und -braun aus der Flotte niederzuschlagen. In neuerer Zeit sind zwei andre Arten von Küpen sehr in Gebrauch gekommen, nämlich eine alkalische Lösung von unterschwefligsaurem Natron und dann die Zinkküpe, mittels Zinkstaub, Soda und Ammoniak. Das erwähnte Indigweiß kann man in Substanz erhalten, wenn man das Alkali oder den Kalk der Lösung mit Salzsäure sättigt, wobei Indigweiß als ein schmutzig weißer Niederschlag herausfällt. Bei Berührung mit Luft verwandelt sich derselbe rasch wieder in Indigblau, das, nachdem es gewaschen und mit Alkohol ausgekocht worden, um das mit niedergeschlagene Indigrot auszuziehen, bedeutend schöner erscheint als im vorherigen rohen Zustande, sodaß hierdurch ein Weg gegeben ist aus ordinären Sorten feinere zu machen. Solche „raffinierte“ I. von sehr schöner Beschaffenheit sind auch wirklich in den Handel gekommen, namentlich durch die Engländer. Da der Indig eine so schöne und dauerhafte Färbung gibt, so benutzt man ihn auch in der Zeugdruckerei vielfach und in mancherlei seiner eigentümlichen Natur angepaßten Weisen. Die Farben zum wirklichen Aufdrucken enthalten dann Indigweiß, aus einer Flotte mit Salzsäure gefällt, in Vermischung mit ätzendem Kali, reduzierenden Mitteln und Verdickungsmasse wie Gummi u. dgl. Längeres Aussetzen an die Luft und Säurebäder bewirken dann, daß das Indigblau sich wieder herstellt und im Gewebe festhaftet, indes alle andern Ingredienzen durch Waschen entfernt worden sind. - Das zweite aufschließende Mittel für Indig ist die Schwefelsäure, die zu dem Stoff ein merkwürdiges Ver-^[folgende Seite]