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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Ivakraut; Jaborandi; Jacarandaholz

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Ivakraut - Jacarandaholz

auf kahlen Stellen, im Norden dagegen auf dem Flachlande an und wächst stets nur auf dem Erdboden selbst und zwar ohne eigentliche Wurzel, da bei den Flechten Wurzel, Stengel und Laub nicht gesondert sind und als besonderes Organ auf den fruchtbaren Lappen nur noch schwarze Schüsselchen wachsen, welche die feinen Keimkörner direkt bilden und absondern. Diese Flechte wächst mit ihrem Laube - bei den Botanikern Lager - aufrecht und bildet oft dichte, große Flächen überziehende Rasen von 3-9 cm Höhe. Das Lager ist lederartig im frischen, mehr hornartig und zerbrechlich im trocknen Zustande, vielfach in ungleiche verbogene Lappen geteilt, auf der Oberseite im Leben dunkel olivengrün, getrocknet braun gefärbt, die Unterseite grauweiß, der Grund blutrot gefärbt oder gesprenkelt. Die Ränder der unfruchtbaren Lappen sind schwarz gezähnelt. Die Pflanze besitzt einen schleimigen und bittern Geschmack, der sich bei längerm Kauen immer mehr entwickelt, und es kennzeichnen sich dadurch die beiden Hauptbestandteile, Stärke und Bitterstoff. Die Flechtenstärke (Lichenin) zeigt sich von der gewöhnlichen in einiger Hinsicht verschieden, teilt aber mit ihr die Eigenschaft, durch kochendes Wasser in einen Kleister verwandelt zu werden. Die bittere Substanz, die man Cetrarin, oder weil sie sich wie eine schwache Säure verhält, Cetrarsäure genannt hat, sieht in reinem Zustande weiß aus und hat ihren Sitz hauptsächlich in der äußersten feinen Zellschicht der Pflanze, bildet haarfeine Tadeln und schmeckt intensiv bitter, obwohl sie nur eine geringe Löslichkeit im Wasser besitzt. Ihre Verbindungen mit Alkalien sind löslich und schmecken daher noch viel bitterer. Durch Digerieren der Flechten mit heißem Wasser oder mit solchem, das etwas Alkali wie Pottasche etc. in Lösung enthält, kann man den bittern Stoff vollständig ausziehen und dann durch Abkochen eine geschmacklose Gallerte herstellen, die man aber gewünschten Falles einfacher aus Caragheenmoos erhalten kann. In offizineller Anwendung wird meistens der Bitterstoff dabei gelassen und nur durch Zuckerzusatz gemildert. Bekanntlich wird die Flechte gegen Katarrhe, Blutspucken, Tuberkulose etc. sowohl in Abkochungen, wie auch als Gallert, in Pulver und als Bestandteil von Schokolade angewandt. In Schweden und andern Nordländern benutzt man in Notfällen die Flechte als einen Zusatz zu Brot; auch hat man jüngst gelernt Branntwein daraus zu brennen (s. bei Spiritus). - Die Flechte bildet einen regelmäßigen Artikel des Droguenhandels auch im Großen, ist roh, gelesen und geschnitten zu kaufen und wird für den Versand gewöhnlich mit hydraulischen Pressen 50 Kiloweise zu den kleinmöglichsten Würfeln zusammengepreßt. Obschon alle Bergländer den Artikel liefern können, so scheinen doch bestimmte Gegenden die Ware besser zu produzieren, und haben darin besonders das Riesen- und Fichtelgebirge den Vorzug. Zu dem Begriff von guter und schöner Ware gehört im vorliegenden Falle auch möglichste Großlappigkeit. - I. sowie die Cetrarsäure zollfrei.

Ivakraut (herba Ivae); das getrocknete Kraut einer nur in den höchsten Alpengegenden wachsenden kleinen aromatischen Pflanze aus der Familie der Kompositen, Achillea moschata. Die Blätter sind kämmig-fiederteilig, kahl; die Zipfel linealisch ganzrandig punktiert. Die Blüten sind weiß. Die ganze Pflanze schmeckt bitter und riecht angenehm gewürzhaft; man benutzt sie als Zusatz zu dem sogenannten Schweizerthee, auch fertigt man daraus einen beliebten bittern Likör, Ivabitter oder Ivalikör. Die Pflanze enthält den Bitterstoff Ivain und ein ätherisches Öl, das Ivaöl (oleum Ivae), welches auch im Handel vorkommt. - Ivakraut zollfrei; Likör Nr. 25 b; Äther-Öl Nr. 5 a des Tarifs im Anh.

J.

Jaborandi (herba oder folia Jaborandi); ein neuerer Artikel des Droguenhandels, wird als schweißtreibendes Mittel medizinisch verwendet. Man hat im Handel unter demselben Namen zwei verschiedne Arten, die von ganz verschiednen Pflanzen abstammen, aber die gleiche, nur verschieden starke Wirkung ausüben. Die wirksamere Ware stammt von Pilocarpus pinnatus, einer Rutacee, das weniger wirksame von Serronia Jaborandi, einer Piperacee. Beide kommen aus Brasilien und werden meist über Pernambuco ausgeführt. Die erstere Sorte besteht aus Zweigen mit länglichen, fleischigen Blättern, letztere besitzt dünnere, dunkler gefärbte und mehr eiförmige Blätter. Anstatt der Blätter benutzt man jetzt meistens das daraus dargestellte Alkaloid, das Pilocarpin (s. d.) - Zollfrei.

Jacarandaholz (Zuckertannenholz), eine beliebte und namentlich zu Furnieren wie auch Drechslerarbeiten vielgebrauchte amerikanische Holzart, die nach der Weise der Franzosen auch Palisander- oder Polyxanderholz genannt wird. Dasselbe ist rotbraun oder schwärzlich, von hellern und dunklern roten Adern durchzogen, dicht und schwer und nimmt eine schöne Politur an. Für gewöhnlich wird als der das Holz liefernde Baum Jacaranda brasiliensis, eine Bignoniacee, genannt; es ist aber wahrscheinlich geworden, daß verschiedne Bäume Beiträge dazu liefern. Martius leitet das Holz von 5 diversen Bäumen ab, die zu den Hülsenfrüchtlern gehören; andre Angaben besagen wieder Andres. Das Holz kommt aus den trocknen Wäldern des innern Brasiliens und ist deshalb schwierig nach den Küsten zu schaffen. Es kommt teils in Stämmen oder Blöcken, von denen der weiße ziemlich dicke Splint abgehauen ist, teils in Scheiten und zu Bohlen geschnitten in den Handel,