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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Jakonetts; Jalape; Jasminöl; Jod

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Jakonetts - Jod

das Beste über Rio Janeiro, eine Sekundasorte über Bahia. Auch ein aus Ostindien kommendes Holz wird mit dem Namen J. belegt, das hellfarbiger und weniger gut, jedenfalls auch von andrer Abstammung ist. In Brasilien unterscheidet man nach Färbung und Zeichnung gegen 10 verschiedne Sorten. Das beliebteste und teuerste ist solches, das neben vielen Schattenpartien auch schöne lichte Stellen zeigt. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 13 c. Vergl. auch „Furniere“.

Jakonetts (frz. Jaconas, engl. jaconet) sind feine glattgewebte baumwollne Zeuge mit weicher Appretur, eigentlich weiche Baumwollbatiste, dichter als Musselin. Ein ursprünglich englischer oder schottischer Artikel (Glasgow), der aber jetzt in den Webdistrikten der übrigen Industrieländer, Frankreich, Schweiz, Österreich, Deutschland, ebenfalls gut und schön fabriziert wird. In Deutschland sind die Hauptorte der Fabrikation das sächsische Voigtland (Plauen, Auerbach), Augsburg, Würtemberg (Isny, Ravensburg); in Böhmen Rumburg, Warnsdorf etc. Die Garnnummern gehen bei dieser Art von Geweben von 80-150. Die mittlere und geringere Ware wird auch auf Maschinenstühlen gewebt, die feinere immer auf Handstühlen. Man hat einfach weiße, weiß gewürfelte und gestreifte, eben solche in bunt, sowie gemusterte und gedruckte J. Benutzung hauptsächlich zu Damenkleidern. - Verzollung: Zolltarif Nr. 2 d 3 bezw. 5.

Jalape (radix Jalapae, tubera J.); ein Artikel des Droguenhandels, besteht aus den getrockneten unterirdischen Haupt- und Nebenstämmen einer ausdauernden Convolvulacee (Windengewächs), welche auf der Ostseite der mexikanischen Anden in Wäldern wächst, sowie auch angebaut und nach Linné Convolvulus Jalapa, nach neuern Ipomaea Purga etc. genannt wird. Die bei uns als Zierpflanzen vorkommenden anders gearteten Jalapen, Mirabilis Jalappa und M. longiflora, sind nicht die Mutterpflanzen der offizinellen J., sondern wurden früher nur fälschlich dafür gehalten. Die Ware bildet verschieden gestaltete Knollen, im frischen Zustande mit einem Milchsaft erfüllt, der bei den trocknen Knollen in ein Harz übergegangen ist. Die Drogue riecht stark und unangenehm, schmeckt widerlich bitter und kratzend. Das Harz ist der medizinisch wirksame Bestandteil, ein drastisches Purgiermittel, und es sind sowohl die Knollen, welche in Pulverform verordnet werden, als das in chemischen Fabriken daraus gezogene Harz (resina Jalapae) offizinelle und Handelsartikel. Der Hauptbestandteil des Harzes heißt Convolvulin. Die Knollen sind teils rundlich oder birnförmig, teils langgestreckt, fest und schwer, außen braun bis schwarzbraun, runzlich und zwischen den Runzeln sitzt dunkles Harz. Auf dem Bruche zeigt die innere hellbraune Masse zahlreiche konzentrische Ringe, welche von den kreisförmig angeordneten Harzgängen gebildet werden. Dies gilt von der guten, J. von Veracruz genannten Sorte, die aus kugeligen oder eiförmigen Stücken besteht von der Größe einer Haselnuß bis zu der einer kleinen Faust, fein gerunzelt, besonders schwer und harzreich. Die größern Stücke sind in der Regel mehrfach geteilt oder auch nur eingeschnitten, des bessern Trocknens wegen, das über offenem Feuer in Netzen geschehen soll. Die besten nicht verschrumpften Stücke liefern bis 15% Harz, kleinere längliche, gedrungene, zugespitzte oder geschrumpfte etwa 8%. Diese bilden eine Sekundasorte, gewöhnlich Tampico oder leichte J. genannt. Sie sollen wegen ihres geringen Harzgehaltes nicht in Substanz verwendet werden, sondern dienen zur Darstellung des Harzes. Eine andre Art der J., die von Orizaba (Ipomoea orizabensis) liefert die sog. Jalapenstengel (stipites Jalapae), es sind die der Länge nach zerschnittenen Knollen von faseriger Beschaffenheit; sie besitzen auch purgierende Eigenschaften, aber in viel schwächerm Grade wie die echte J., sie können zur Darstellung des Harzes mit verwendet werden. Das Harz dieser J., Jalapin genannt, löst sich vollständig in Äther, während derselbe von dem echten nur 7% aufnimmt, wodurch die Reinheit einer für echt ausgegebenen Ware geprüft werden kann. - Die Darstellung des Harzes erfolgt durch Ausziehen der zerkleinerten Knollen mit starkem Weingeist, der dann im Wasserbade abgedunstet wird. Der harzige Rückstand wird mit Wasser gut ausgewaschen, geschmolzen und in dünne Stangen geformt. Dieselben erscheinen äußerlich graubraun, auf dem Bruche hellbraun und glänzend. Die Masse ist spröde und leicht zerreiblich, von Geschmack scharf und kratzend; sie hat die Wirkung der Knollen, aber in viel stärkerm Maße, und wird nur in ganz kleinen Gaben verabreicht. Als Verfälschungsmittel des Harzes werden Guajakharz, Kolophonium genannt; auch Aloe ist gefunden worden, die sich schon durch ihre Löslichkeit in Wasser entdecken läßt. Die Knollen enthalten gleicherweise nicht selten fremde Körper beigemengt, die auszulesen sind. - Die jährliche Ausfuhr von Jalapenwurzeln wird auf 6-7000 Ztr. angenommen. Die Ware kommt in Ballen von circa 50 kg Inhalt. Auch auf den Bergen Jamaikas wird jetzt J. gebaut. - Die J. ist zollfrei, ebenso das Jalapeharz.

Jasminöl (oleum Jasmini pingue, frz. huile parfumée Jasmin). Ein zu feinen Parfümerien gebrauchter Artikel, kommt von den frischen Blüten des bei uns als Zierpflanze gezogenen, im südlichen Europa wachsenden Jasminum officinale, ist weder destilliert noch gepreßt, sondern besteht aus Behen- oder Mandelöl, mit welchem man die Blüten digeriert hat, die dabei das ätherische Öl und damit den feinen Wohlgeruch derselben vollständig in sich aufnehmen. Wird hauptsächlich in Südfrankreich, auch in Tunis bereitet. Im letztern Lande wird außerdem, aber selten, von einer andern Art, Jasminum grandiflorum, und zwar durch Auspressen der Blüten eins der köstlichsten Parfüms gewonnen, das gar nicht in den europäischen Handel kommt. Man soll zu 16 g des Öls nicht weniger als 200 kg Blüten brauchen; auch ist dasselbe viermal teurer als echtes Rosenöl. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 31 d bezw. e.

Jod (Jodine, Jodum, Jodium); ein einfacher, nicht weiter zerlegbarer Körper, ein sog. Element, das erst 1811 von Courtois in Paris in