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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kalkblau

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Kalk - Kalkblau

und Brennmaterial vollgeschichtet, abgebrannt, nach dem Erkalten geleert und von neuem beschickt wird. Neuere verbesserte Öfen gestatten, da sie ihre Feuerstellen an der Seite haben und daher Flamme und Hitze von da aus in den Ofen hineinschlägt, einen kontinuierlichen Betrieb, sodaß beständig oben Steine eingestürzt werden und unten gebrannter K. herausgezogen wird. Beim Brennen können zwei Mißstände eintreten, indem Portionen der Beschickung zu viel oder zu wenig Hitze erhalten können; dies gibt im ersten Falle tot gebrannten, im zweiten ungaren K., die sich beide schlecht oder gar nicht löschen, sondern als Klumpen oder Grus übrig bleiben. Das Totbrennen besteht in einer teilweisen Schmelzung oder Verglasung des K. und findet nur bei solchen Kalksteinen statt, die unrein sind und noch Thon oder andre Beimengungen enthalten. Solche, beim Löschen unlösliche Stücke sind begreiflich stets schwerer, als die gut gebrannten, und es ist darum rationell, daß der gebrannte K. durchgängig nach dem Maße verkauft wird, da beim Handel nach Gewicht der Ausschuß gerade am teuersten zu bezahlen wäre. -

Der gebrannte K. muß für weitere Versendung in Fässer geschlagen werden; für den Transport auf Eisenbahnen hat man jetzt besondere, mit einem Deckel verschlossene Lowries (Kalktransportwagen). Der gebrannte K. hält sich nicht lange unverändert an der Luft, indem er die ihm beim Brennen entzogene Kohlensäure nebst Wassergehalt successiv aus der Atmosphäre wieder anzieht und dabei endlich, ohne merkbare Erwärmung, in den Zustand eines mürben, trocknen Pulvers übergeht. Dieser mild gewordene, sog. zerfallene K. hat für einzelne Zwecke Verwendung, ist namentlich als Düngmittel ganz passend, taugt aber nicht mehr zu einem gut bindenden Mörtel. In Benutzung dieser Anziehungskraft dient gebrannter K. häufig als ein sehr wirksames Austrocknungsmittel. Mit Wasser übergossen, schluckt der K. dasselbe bekanntlich mit Begierde ein, bläht sich auf und erhitzt sich so bedeutend, daß anstehendes Holzwerk in Brand geraten kann. Die Erhitzung ist Folge der chemischen Bindung des Wassers; das Calciumoxyd hat Hydratwasser aufgenommen und man hat nun den gelöschten K. (Kalkhydrat, Calciumhydroxyd), dessen Ätzkraft durch das gebundene Wasser nicht gemildert ist; er bildet ein lockeres Pulver. Man setzt ihm aber allmählich so viel Wasser zu, daß eine dünne Suppe entsteht, die man in die Grube einfließen läßt. Hier gesteht die Masse, wird speckig und nimmt allmählich an Güte zu, da sich immer noch kleine Teilchen nachträglich löschen und aufschließen. Ist K. in der Grube mit einer Sandschicht überdeckt und für Abhaltung der Wettereinflüsse gesorgt, so bleibt derselbe für unbeschränkte Zeit gut und man hat Beispiele, daß in hundertjährigen Gruben noch guter K. gefunden wurde. Je reiner ein K. ist, desto mehr nimmt er Wasser auf und die Masse kann nach dem Löschen dann 2½-3 mal mehr betragen als vorher. Solcher K. heißt fett; mager dagegen einer, der aus Anlaß vieler fremder Bestandteile nach dem Brennen nicht die rechte Leichtigkeit hat, sich träge löscht, weniger Wasser und also geringe Schwellung annimmt. Fetter K. ist immer Luftkalk, d. h. in Vermischung mit Sand zu Luftmörtel dienlich, während magerer sich zu Wassermörtel eignen kann, im Fall nämlich seine fremden Bestandteile hauptsächlich Thon sind (wenigstens 8-10%, vgl. den Art. Zement). Magerer K. dient nur zu baulichen Zwecken; der reinere fette außerdem noch zu einer Menge andrer Verwendungen in der Technik, teils gebrannt und gepulvert, teils schon gelöscht, als Kalkbrei oder Kalkmilch. Man gebraucht ihn zum Reinigen des Leuchtgases und zum Raffinieren des Zuckers, bei der Glasfabrikation, zur Darstellung des Chlorkalks und chlorsauren Kalis, der Seifensiederlauge, in der Stearinfabrikation, in der Gerberei als Enthaarungsmittel, zum Wegschaffen von Schwefelsäure aus Lösungen, bei der Weinstein-, Citronensäure- und Essigsäurefabrikation etc. Roher, ungebrannter Kalkstein wird dagegen in der Sodafabrikation, Zementfabrikation und beim Ausschmelzen der Eisenerze als Zuschlag verwendet. -

Reiner Ätzkalk zu chemischen Zwecken wird erhalten durch Glühen von Stückchen weißen Marmors in einem Thontiegel. Der gebrannte K. ist nicht ganz unlöslich in Wasser; er nimmt bei gewöhnlicher Temperatur etwa 1/700 auf. Wird etwas K. in einer verstopften Flasche mit reinem Wasser geschüttelt und bis zum Klarwerden stehen gelassen, so hat man das Kalkwasser (Aqua calcarea) der Apotheker, das deutlich nach K. schmeckt und sich beim Stehen an der Luft fast zusehends mit einem feinen Häutchen von kohlensaurem K. überzieht. -

Gebrannter K., wenn er die erforderliche Beschaffenheit hat, gibt auch ein ausgezeichnetes Schleif- und Poliermittel für Metalle ab. Der hierzu zu verwendende Stein muß rein, besonders sandfrei und zart sein, Thon- und Bittererdegehalt sind unschädlich. Bekannt und beliebt ist in dieser Hinsicht der Wiener K., der in verpichten Flaschen in weite Fernen versandt, aber auch anderwärts nachgemacht wird. Der Putzkalk verliert in längerer Berührung mit der Luft seine Brauchbarkeit, ist daher unter gutem Verschluß zu halten und davon immer nur so viel zu entnehmen, als sofort verbraucht werden soll. Die Stückchen werden rasch zerrieben und das Pulver für Messing mit Öl, für Stahl und Eisen mit Spiritus gemischt. -

Eine besondere Form des kohlensauren K. ist der Kalktuff, Tuff- oder Grottenstein, ein Mineral, das sich aus kalkreichen Gewässern noch fortwährend absetzt und in solchen an Pfählen, Mühlrädern etc. anwächst. Die Schichten, aus denen es gebrochen werden kann, befinden sich immer dicht unter der Oberfläche. Diese gesinterte Masse zeichnet sich durch eine eigentümliche, röhrige, blasige Struktur und blumenkohlartige Oberfläche aus und ist demnach beliebt zur Ausschmückung von Grotten, Aquarien, zu Beeteinfassungen, künstlichen Felspartieen u. dgl. Man bezieht diese Steine meist aus Thüringen, namentlich aus der Gegend von Weimar. - Zollfrei.

Kalkblau (Neuwiederblau), ist eine Farbe für