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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Kognak; Kohlensaures Ammoniak

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Kognak - Kohlensaures Ammoniak

Früchte kommen von einem in Ostindien, besonders auf Malabar und den Inseln Java, Sumatra, Ceylon als Kletterpflanze wachsenden Strauche, Menispermum Cocculus oder Anamirta C. (Wight et Arn.), an welchen sie zu mehreren Hunderten in eine Traube vereint wachsen. Frisch sind sie purpurrot und fleischig, getrocknet schwärzlich braun, runzlig, etwas größer als Erbsen, an der Anheftungsstelle eingedrückt, daher etwas nierenförmig gestaltet. Sie haben unter der Oberhaut eine hellbräunliche, holzige, zerbrechliche Schale, welche einen einzelnen halbrunden, auf dem Querschnitt halbmondförmigen Samen enthält, der den Hohlraum nur teilweise ausfüllt. Diese an fettem Öl sehr reichen Kerne enthalten außerdem einen eigentümlichen, sehr bittern und narkotischen Giftstoff, das Pikrotoxin, während das nicht giftige Fruchtgehäuse Menispermin und Paramenispermin enthält. Die Samen und noch mehr das isolierte Gift bewirken innerlich genommen Ohnmacht, Zittern, Schwindel und Konvulsionen.

In frühern Zeiten wurden die Körner verwendet zur Vertilgung von Ungeziefer, namentlich zu Läusepulvern und Salben, und haben daher den Beinamen Läusekörner erhalten. Da sie aber hierin nicht unersetzlich und außerdem nur zu misbräuchlicher Verwendung dienen, so ist der Handel damit, wenigstens der Handverkauf, jetzt wohl überall verboten, wo Medizinalpolizei geübt wird. Man hat sie zum Fischfang und als Zusatz zum Bier gebraucht, um dasselbe bitter und berauschend zu machen. Letztere höchst verwerfliche Prozedur ist wohl in Deutschland niemals vorgekommen, doch aber in England und noch mehr in Rußland, wo sie noch jetzt in Übung sein soll (?), ebenso wie der Gebrauch der Körner als Fischköder, der bei uns ebenfalls strafbar ist. Das Verfahren dabei ist wohl gewöhnlich so, daß aus den gestoßenen Körnern mit frischer Brotkrume Kügelchen gebildet und aufs Wasser geworfen werden. Die Fische, welche diesen Köder einschlucken, werden rasch betäubt und schwimmen an der Oberfläche, wo sie mit Händen zu greifen sind. Solche vergiftete Tiere können natürlich dem Genießenden selbst schädlich werden, selbst dann, wenn man sie, wie es Praxis ist, möglichst rasch tötet und ausnimmt. - Zollfrei.

Kognak heißt nach der gleichnamigen französischen, im Departement der Niedercharente gelegenen Stadt der aus dem Wein der Umgegend destillierte Branntwein. Alle aus Wein und Weinresten gewonnenen Branntweine heißen bekanntlich Franzbranntweine; unter ihnen steht der echte, wirklich aus Wein gebrannte K. obenan. Er hat einen eigentümlichen Wohlgeschmack, den ihm die dort wachsende Traube verleiht, ist fuselfrei und ursprünglich farblos, wird aber durch Lagern in eichenen Fässern weingelb. Da die Produktion auf eine einzelne Lokalität beschränkt ist, so kommt echte Ware an die wenigsten Trinker. Der meiste sog. K. stammt daher aus andern Weingegenden, wie der unter dem Namen Armagnak gehende, und wird jetzt auch in Deutschland am Rheine destilliert; oft ist er nur aus mit Hefe vergorenen Trestern destilliert, allermeist aber aus gewöhnlichem Sprit mit Zusätzen fabriziert. Frankreich produziert jährlich 30-35 Mill. Liter K., wozu noch etwa 3-4 Mill. deutsches Produkt kommen. Man hat gefunden, daß der Rießlingwein, die vorzüglichste rheinische Sorte, wenn er gerät, in geringern Jahrgängen gar nicht besser verwertet werden kann, als zum Brennen von K. Da die Rheinweine bouquetreicher sind, als die französischen, so ist das Destillat sogar schon von Natur besser und entwickelt besonders nach Ablauf einiger Jahre den feinen Rießlingsduft in hervorstechender Weise. Dieses deutsche Erzeugnis ist sogar auf der letzten Pariser Industrieausstellung mit den höchsten Preisen ausgezeichnet worden. Unter dem Namen Kognakessenz hat man im Handel eine Flüssigkeit, die zur Bereitung von künstlichem K. dient und aus einer Auflösung von echtem oder von künstlichem Kognaköl (Weinbeeröl, s. d.) in Spiritus besteht, dem man noch kleine Mengen verschiedner Äther zugefügt hat. - Eingangszoll s. Tarif im Anh. Nr. 25 b. Kognaköl Tarif Nr. 5 a.

Kohlensaures Ammoniak (Ammoniumkarbonat, kohlensaures Ammonium, Hirschhornsalz, flüchtiges Laugensalz, Ammonium carbonicum, sal alkali volatile). Man kennt verschiedne Verbindungen von Ammoniakhydrat mit Kohlensäure, von welchem im Handel für gewöhnlich jedoch nur eine vorkommt, das Anderthalbkohlensaure Ammoniak oder Ammoniumsesquikarbonat. Dasselbe wird durch Erhitzen eines Gemenges von Salmiak mit Kreide dargestellt, wobei es sich verflüchtigt und durch Abkühlung verdichtet und aufgefangen wird, während Chlorcalcium zurückbleibt. Bei der trocknen Destillation der Knochen gewinnt man ebenfalls kohlensaures Ammoniak, jedoch in noch sehr unreinem Zustande; dieses übelriechende und braun gefärbte Präparat war früher unter dem Namen Ammonium carbonicum pyroleosum offizinell. Anfangs mag man wohl auch anstatt der Knochen Hirschgeweihe zu diesem Zwecke genommen haben, woher der Name Hirschhornsalz kommt, den das reine Präparat im Volksmunde auch heute noch führt. Man erhält das Präparat in großen, harten, durchscheinenden und farblosen Stücken, die den Geruch des Ammoniaks zeigen und sich an der Luft mit einer weißen, mehligen, leicht abreibbaren Kruste bedecken, wodurch sie undurchsichtig werden; diese Kruste besteht aus doppeltkohlensaurem Ammoniak. Da sich das kohlensaure Ammoniak schon bei gewöhnlicher Temperatur nach und nach verflüchtigt, so muß man es stets in gut verschlossenen Gefäßen und an kühlen Orten aufbewahren. Das Präparat muß in Wasser leicht auflöslich sein, beim Übergießen mit Säuren leicht aufbrausen und sich beim Erhitzen, ohne Rückstand zu hinterlassen, verflüchtigen. Die wässerige Lösung darf nach Übersättigen mit reiner Salpetersäure durch Silbernitratlösung nicht getrübt werden; eine solche Trübung oder gar ein weißer Niederschlag würde die Gegenwart von Chlor in Form von Salmiak anzeigen. -

Verwendung findet das Präparat in der Medizin, als Teigauflockerungsmittel für Backwaren, na-^[folgende Seite]