Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Lackmus; Lactarin; Ladanum; Lahn; Lama; Lambik; Laminaria digitata

309

Lackmus - Laminaria digitata

Lackmus (frz. tournesol, engl. litmus); ein bekanntes blaues Präparat, dessen deutschklingender Name eine Verstümmelung des Lateinischen (iacca ^[richtig: lacca] musci, Mooslack) ist. Will man es als eine Lackfarbe betrachten, bei der ein Pflanzenfarbstoff an eine erdige Basis gebunden ist, so ist es wenigstens keine echte, indem der Farbstoff sich durch Wasser ausziehen läßt. Die Ware wird nur in Holland aus denselben verschiednen Arten von Flechten fabriziert, aus denen die Orseille (s. d.) hergestellt wird, und auch in ähnlicher Weise. Wie aus den deutschen und schwedischen Flechten die „Erdorseille“, aus den übrigen die „Kräuterorseille“ präpariert wird, so geben auch die erstern ein gewöhnliches, die andern feines oder echtes L. Die Bereitung der Ware besteht im allgemeinen darin, daß man die zu Pulver gemahlenen Flechten in Kübeln mit Pottasche, Kalk und einem ammoniakhaltigen Stoffe, wozu fauler Urin dient, zu einem weichen Teige mischt, den man der Gärung überläßt, welche bis zur Beendigung des Prozesses etwa vier Wochen dauert. Die Masse wird währenddem durch Zumischung neuer Portionen von Urin in ihrem Zustande der Weichheit erhalten. Sie nimmt zuerst eine Purpurfarbe an, die allmählig in Dunkelblau übergeht. Man reibt dieselbe dann durch Haarsiebe, mischt sie mit so viel Kreidepulver oder Gips, als den einzelnen Sorten zugewiesen ist, und formt sie auf einem Apparat in die bekannten kleinen Würfel, die man im Schatten trocknet. Bei den feinern Sorten sind die Würfelchen am kleinsten und dunkelblau, die mehr versetzten geringern Sorten heller. Wasser zieht den Farbstoff aus und bildet eine veilchenblaue Lösung, während die Mineralkörper größtenteils zurückbleiben. Der Rückstand ist natürlich bei den geringsten Sorten am größten. Das L. soll nach chemischen Untersuchungen vier verschiedne Farbstoffe enthalten und es ist festgestellt, daß sie ursprünglich violett und nur infolge des vorhandenen Kalks blau sind. Die blaue Farbe der Lösung wird durch Zumischung von ein wenig Säure sofort in rot übergeführt; durch Zusatz von einem Alkali bis zur Sättigung der Säure wird die blaue Farbe wieder hergestellt, und dieser Wechsel kann beliebig weit fortgesetzt werden. Die Neutralfarbe ist violett.

Zu einem Stoff für Leim- oder Ölmalerei ist das L. untauglich; seine herkömmliche Verwendung im Häuslichen ist die zum Bläuen der Wäsche und der Kalkweiße wie zum Dekorieren geweißter Lokale mit blauen Linien etc. Für diese Zwecke werden jetzt wohl meist andre Blaustoffe angewandt. Der hauptsächliche Verbrauch derselben aber findet in der Chemie und in allen den technischen Zweigen statt, wo Flüssigkeiten auf einen Gehalt an freier Säure oder freiem Alkali geprüft werden müssen. Meistens wendet man dabei Streifen von blauem und rotem Lackmuspapier an, die erstem natürlich wo Säuren, die andern wo Alkalien zu suchen sind, ein Papier, das mit dem blauen oder vorher durch Säure geröteten wässrigem Auszuge getränkt und getrocknet hat. Der ganze Jahresverbrauch an L. in Deutschland mag ein 1000 kg nicht weit übersteigen. - L. ist zollfrei. Lackmuspapier gem. Tarif im Anh. Nr. 27 e.

Lactarin; ein Fabrikname für getrockneten und gepulverten Käsestoff zum Gebrauch als Farbenverdickungsmittel in Zeugdruckereien, also dasselbe wie Kaseïn, und wird für den Gebrauch mit verdünntem Salmiakgeist zu einer gummischleimartigen Masse gelöst. - Zollfrei.

Ladanum (nicht zu verwechseln mit Laudanum, d. i. Opium); eine harzige grüne Ausschwitzung, welche an den Blättern und Zweigspitzen mehrer zur Gattung Cistus gehörigen Strauchgewächse auftritt und abgeschabt wird. Die Sträucher kommen hauptsächlich auf mehren Inseln des östlichen Mittelmeeres, Kandia, Cypern, Naxos, in Afrika und Spanien vor. Der Stoff riecht angenehm storaxartig und diente früher wie dieser zu Parfümerien, Räucherungen, als Zusatz zu Pflastern, ist aber jetzt ganz außer Gebrauch gekommen. - Zollfrei.

Lahn (frz. lame; engl. finsel) besteht aus flach gewalztem echten und unechten Gold- und Silberdraht (s. Draht) und wird zu Spitzen und Borten, Bändern (aus Lahn und Seide), Stoffen für Maskerade und Theateranzüge und allerhand andern Schmucksachen verarbeitet. - Echter gem. Tarif im Anh. Nr. 20 a, unechter Nr. 19 c. Lahnband d. h. Metalldraht in Verbindung mit Spinnstoffen wird den letzteren entsprechend gem. Nr. 2 d 3, Nr. 22 h; 41 d 6 α oder 30 e verzollt.

Lama. Das hirschgroße zahme Schafkamel der südamerikanischen Hochländer trägt ein schmutzig braunes Wollhaar, das ziemlich grob ist und mehr noch das seines in der Wildheit lebenden Verwandten, des Guanaco. Lamawolle als solche kommt daher auch nicht im Handel vor, sondern wird im Lande selbst für die Bekleidung des Volks verarbeitet. Doch ist es sehr wahrscheinlich, daß feinere Partien des Vließes als Alpakawolle (s. d.) passieren, namentlich von weiblichen Tieren, die von Natur feineres Haar haben. -

Die fabrizierten Lamas enthalten denn auch kein ausländisches Haar, sondern sind flanellähnliche Stoffe aus Streichwolle, schlicht gewebt, doch zuweilen auch geköpert und gemustert; sie haben eine schwache Haardecke, durch welche das Gewebe sichtbar ist, sind einfarbig oder bunt, gestreift, karriert oder geflammt und dienen als Futter für Winterkleider, zu Mänteln etc. Mitunter gibt man den Namen auch bessern Stoffen, die gewöhnlich Napolitaine heißen. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 41 d 5 α bzw. Nr. 41 d 6 α.

Lambik; ein belgisches, durch Selbstgärung erzeugtes, säuerlich schmeckendes Bier. Brüsseler L. enthält nach Kaiser 3,4 Malzextrakt, 5,5 Alkohol und 0,2 Kohlensäure. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 25 a.

Laminaria digitata (gefingerter Seetang) ist eine neu eingeführte Ware, welche aus fingerdicken und stärkern, am obern Ende wie Finger geteilten Ästen eines an den Küsten der Nordsee wachsenden getrockneten Tangs besteht. Vermöge ihrer Eigenschaft, in der Nässe ihre ursprünglichen Dimensionen wieder anzunehmen und beträchtlich aufzuquellen, hat sie sich bei