Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Marmor

343

Marmor - Marmor

Krustentieren eingeschlossen, deren Zeichnungen auf der geschliffenen Fläche oft sehr schön hervortreten. Sie heißen daher Muschelmarmor. Breccienmarmor dagegen sind solche Sorten, die aus mehr oder minder eckigen Bruchstücken bestehen, welche in einer allgemeinen Kalkmasse eingebettet liegen oder durch sie zu einem Ganzen verkittet sind. -

Die Bezeichnungen der Marmorsorten im Verkehr sind entweder von ihren Ursprungsorten oder von ihren Färbungen und Zeichnungen, oder von beiden zugleich hergenommen. Der weiße Statuenmarmor ist derjenige, welcher als Handelsware die meiste Bedeutung hat und am weitesten versendet wird, denn er findet sich für Zwecke der Bildhauerei geeignet nur in Italien und Griechenland und es sind auf diese Bezugsquellen alle Künstler angewiesen. Die bekannteste Ware ist der carrarische M., der an mehreren Stellen um die Stadt Karrara im ehemals modenesischen Bezirk Massa gebrochen wird und über den benachbarten Hafenort Lavenza seine Ausfuhr hat. Es kommt auch in dieser Gegend, aus der schon die alten Römer M. bezogen, nicht lauter gutes, sondern auch geringes Material vor. Die besten Sorten werden in Crestola und Poggio-Silvestro gebrochen; von den um Serravezza, liegenden Gruben kommt der geschätzte M. von Falcovia, der feinste Italiens, Saccharides genannt.

In Griechenland ist Paros, eine Insel der Cycladen, der Fundort des besten weißen M. (Parischer M.). Seit dem Verfall der antiken Kunst lag dieser im Altertum berühmteste Stoff unbenutzt und fast vergessen. Erst in neurer Zeit sind die Brüche wieder in Betrieb gesetzt worden, und dasselbe gilt von den Brüchen des Pentelikongebirges in Griechenland, deren Masse in Qualität gleich neben der von Paros rangiert und diese an Weiße noch übertrifft. Geringere Arten weißen M. finden sich auf mehreren griechischen Inseln; so namentlich auf Tinos, wo man sehr schönen, weißen, schwarzen und gestreiften M. bricht, der in großen Quantitäten in die Türkei ausgeführt wird.

In Deutschland liegen nur an einzelnen Punkten weiße M. von unreiner Färbung, nicht zu Bildhauerarbeiten, sondern nur zu Tischplatten u. dgl. benutzt; so an einigen Punkten des Erzgebirges, Fichtelgebirges, Harzes und Odenwaldes. Im Erzgebirge gibt es wohl einen Bruch, wo der Stein so weiß ist wie der von Karrara, aber es gibt keine Blöcke, sondern nur kleine Stücke, die man zu Beeteinfassungen verwendet. -

Farbige und bunte M. finden sich häufiger als weiße und nach den verschiednen Fundorten in größter Mannigfaltigkeit der Färbungen und Zeichnungen, die schönsten aber ebenfalls in den Südländern. In Italien, wo es deren nicht wenige gibt und wohin außerdem noch von den alten Römern so manches Fremde bezogen und zu Luxusbauten verwendet wurde, hat man eine vielzählige Nomenklatur für die verschiednen Arten; doch nimmt man es hierbei nicht so genau und bezeichnet zuweilen auch Gesteine als M., die gar nicht aus kohlensaurem Kalk bestehen. Manche Namen führen den Beisatz antico, was besagt, daß diese Spezies von unbekannter Herkunft sei oder aus schon im Altertum erschöpften Brüchen stamme. Solcher M. kann daher nur noch aus altrömischen Ruinen entnommen werden, ist also selten und wird nur in dünne Platten zersägt verwendet. Indes ist es neuerdings geglückt, die eine und andre natürliche Lagerstätte solcher anticos wieder aufzufinden. Eine solche ist namentlich die Maina in Griechenland, welche die prachtvoll grünen und roten, schwarz geäderten Varietäten den Künstlern des Altertums geliefert hat und nun wieder liefert.

Nach den Hauptfarben hat man schwarze, grüne, gelbe, rote (nero, verde, giallo, rosso). Schwarzer, durch Kohlenteilchen gefärbt, kommt bei Bergamo (der sog. Paragon) in den Apenninen, mit gelben Adern, bei Karrara neben weißem, sehr gut und viel verwendet auch in der Gegend von Lüttich vor. Schwarzer sächsischer hat gelbe und Glimmerschieferadern. Grüner M. kommt in verschiednen Varietäten im Genuesischen vor. Der in Griechenland wieder aufgefundene verde antico ist eine Breccie von schwarzgrünem Serpentin mit weißem Kalkstein als Bindemittel. Einfarbig gelber (giallo antico) von unbekannter Herkunft ist selten und wird nur im kleinen zu Einlagen verwendet. Rote Marmore kommen von Verona, Lugezzana und Narbonne. Der rosso antico aus Griechenland ist durchzogen von weißen und schwarzen Adern und mit schwarzen Punkten übersät. Je satter das Rot ist und je weniger Adern vorhanden sind, desto höher wird er geschätzt. In der Nähe von Karrara bricht man auch einen dunkelblauen oder blaugrauen M. mit weißen Adern, welcher Bardiglio genannt wird. Der sog. Zwiebelmarmor (Cipollino) ist eine Abart des weißen pentelischen und zeigt auf weißem Grunde grüne Ringel, die an Durchschnitte von Zwiebeln erinnern. Die Breccienmarmore sind nach Art ihrer Bestandteile und Färbungen sehr verschieden. Zu ihnen gehört der Florentiner Ruinenmarmor, welcher auf hellerm Grunde dunkelbraune Figuren zeigt, die Ähnlichkeit mit zerfallenen Bauwerken haben. Die M., welche Tierreste wie Muscheln, Schnecken u. dgl. einschließen, tragen den Gesamtnamen Muschelmarmor (Lumachello). Sie haben als Urkunden einer vorweltlichen organischen Schöpfung ein besonderes Interesse; sie werden gern zu Tischplatten, Säulen u. dgl. verarbeitet. Auch hierbei gibt es manche Verschiedenheiten in Färbung und Zeichnung. Es finden sich solche Gesteine öfter, so in Italien, in Belgien, wo der sog. St. Annenmarmor eine sehr ausgedehnte Verwendung findet, in Thüringen, im Harz, bei Altdorf in Bayern, bei Ischl etc. Der schönste hierher gehörige M. ist der Lumachell von Bleiberg in Kärnten, der reich an Muscheln ist und dazu in den schönsten Regenbogenfarben schimmert. -

Als reich an schönen Marmorarten sind noch zu nennen: Portugal, es besitzt feinen, weißen und schwarzen M., Savoyen, welches besonders grauen M. in Menge besitzt, die Inseln Sardinien und Corsika, dann Algerien, wo man alte Römerbrüche wieder aufgefunden hat und wo es rein weißen, rötlichen, gelblichen und schön schwarzen, weiß geäderten M. gibt. Von Spanien weiß man nur im allgemeinen, daß