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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Morcheln; Morphium; Moschus

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Morcheln - Moschus

Morcheln, Morchella L., Pilzgattung aus der Familie der Scheibenpilze, in Gebirgswäldern in etwa 10 Arten vorkommend. Die gemeine oder Speisemorchel, M. esculenta Pers (engl. Eatable Moril, frz. morille comestible, holl. morille, ital. spongiuolo, Fenzo, Spitzmorchel, sponz. cimati) 2,5-4 cm hoch, 9-12 mm breit mit 2,5-5 cm breitem rundlichen Hut, eiförmig, hohl mit vielen schwarzbraunen, gefalteten, netzförmig verbundenen Rippen, in Asien, Europa und Nordamerika mit den Abarten Spitzmorchel, kegelförmig, und Glockelmorchel, glockenförmig. Die Faltenmorchel oder Lorchel (Helvella esculenta), Früh- oder Stockmorchel, im Nadelholz, ist eine besondere Art.

Die M. werden in den Gebirgsgegenden gesammelt und getrocknet, dann weithin als beliebtes Küchengewürz versendet, in der Regel aufgeschnürt. Beim Einsammeln werden nur junge Pilze genommen, rasch getrocknet und in gut verschloßnen Gefäßen aufbewahrt. Die meisten M. kommen aus Schlesien, Böhmen, Mähren, Polen; sie gelten je nach der Jahresernte das Kilo bis zu 20 Mk. und darüber. Frische M. sind zollfrei; getrocknete gem. Tarif Nr. 25 p 2.

Morphium (Morphin, Morphinum); das wichtigste der im Opium enthaltenen Alkaloide, bekannt durch seine schmerzstillende und schlafbringende Wirkung. Man gewinnt es jetzt fabrikmäßig aus dem Opium, welches im Durchschnitt 10-11% davon enthält. Reines M. besteht aus farblosen, geruchlosen, stark bitter schmeckenden Kristallen; in dieser Form wird es jedoch fast gar nicht verwendet, da es sehr wenig löslich ist. Dagegen finden gewisse Morphiumsalze, d. h. Verbindungen des M. mit Säuren eine sehr ausgebreitete medizinische Verwendung; so namentlich das essigsaure M. (Morphinum aceticum) und das Chlorwasserstoffmorphium (salzsaure M., Morphiumchlorhydrat, Morphium muriaticum, M. hydrochloratum); ersteres erhält man gewöhnlich als weißes, amorphes bitter schmeckendes Pulver; letzteres, das salzsaure M., erhält man dagegen in kleinen farblosen, prismatischen Kristallen; beide sind in Wasser löslich.

Seltner verwendet werden folgende Morphiumsalze: Baldriansaures M. (Morphinum valerianicum; milchsaures M. (Morphinum lacticum), schwefelsaures M. (Morphinum sulfuricum). Sämtliche Morphinsalze sind starke Gifte und dürfen im Kleinhandel nur von den Apothekern gegen ärztliche Verordnung an das Publikum abgegeben werden. - Zollfrei.

Moschus (Bisam). Dieser durch seinen starken, fast unerschöpflichen Geruch wohl Jedermann bekannte Körper ist die Ausscheidung eines zierlichen, rehartigen, aber geweihlosen Wiederkäuers, von dem es 13 verschiedne Arten gibt, die jedoch nicht alle M. liefern. Die den M. gebenden Arten leben in den Hochgebirgen des östlichen Asiens, im Himalaya, in Thibet, Tonkin, Sibirien und der Tatarei in Nähe der Schneegrenze. Die Substanz wird beim männlichen Moschustier in einem in der Haut des Unterleibes versteckten Beutelchen abgesondert, also unter gleichen Verhältnissen wie das Bibergeil beim Biber, und ist wie dieses im frischen Zustande salbenartig.

Das Tier ist nicht gezähmt, sondern wird in der Wildnis mit Schlingen oder Hunden gefangen oder auch geschossen, jedenfalls aber sogleich getötet, der Beutel mit einem Stück Bauchhaut ausgeschnitten und an der Luft oder auf heißen Steinen getrocknet. Der ursprünglich weiche rötlich braune Inhalt der Beutel wird dabei schwarzbraun und nimmt die Form kleiner rundlicher Körner an, die auf Papier einen braunen Strich geben und sich leicht zu Pulver reiben lassen. Aus den Ursprungsländern kommt der M. noch in ganzen Beuteln von der Gestalt einer halben Walnuß, bis zu 4½ cm lang. Die flache kahle Seite ist die innere, welche am Körper des Tieres anlag; die äußere gewölbte ist noch mit ihrer gelbgrauen groben Behaarung versehen, die öfter durch Beschneiden eingekürzt ist. An einer Stelle der konvexen Seite stehen die Haare in Form eines Wirbels um einen Punkt; es mündet da der enge Ausführungskanal, durch welchen das Tier den M. von sich geben kann, der ihm wahrscheinlich zur Anlockung der Weibchen dient. Die Masse eines frisch geöffneten Beutels riecht am penetrantesten nicht nur wegen der Menge des Riechstoffs, sondern auch weil sich ammoniakalische Gerüche beimischen, die sich später verlieren, wonach der Hauptgeruch reiner hervortritt. -

Im Handel erscheinen besonders zwei Sorten von Moschusbeuteln: tonkinesischer (chinesischer, thibetanischer) und kabardinischer (russischer, sibirischer). Die erstere kommt aus China und stammt von M. moschiferus und besteht aus kleinern Beuteln, die andre wird von den Russen herangebracht und von M. sibiricus, einer andern Art des Moschustieres geliefert; es sind größere Beutel. Einiges von geringerer Güte kommt in neurer Zeit auch aus Bengalen nach England und wird von den im Himalaya lebenden Tieren erhalten; es ist dies der bengalische oder Assam-M.; die Beutel sind noch größer, als die der kabardinischen Sorte und kreisrund, die Ware riecht stark, aber weniger fein.

Die chinesische ist die beste und geruchreichste Sorte und sie allein ist zum pharmazeutischen Gebrauch gestattet. Ihr Preis mit den Beuteln ist etwa 260 Mk. pro 100 g, und dabei haben die Einkäufer sich gerade bei dieser teuern Sorte vor Übervorteilungen durch chinesische Verfälschungskünste sehr in acht zu nehmen. Beutel an denen sich eine künstliche versteckte Naht auffinden läßt, verraten dadurch eine stattgehabte Fälschung, sei es daß vom Inhalt etwas herausgenommen und durch fremde Stoffe ersetzt ist, oder daß nur beschwerende Körper, Steinchen, Schrotkörner u. dgl. hineingebracht worden sind. Die Chinesen sind aber so große Meister in diesen künstlichen Präparationen, daß das geübteste Auge nichts entdeckt und erst die Öffnung der Beutel den wahren Zustand zeigt; 5-10% gefälschte Beutel können bei jeder Sendung vorkommen. Ein gewöhnliches Füllmittel soll das getrocknete Blut des Moschustieres selbst sein, das also schon von den Gebirgsjägern hineingebracht sein müßte; solche Beutel sind dann ungewöhnlich voll und dick.