Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Naphtha; Naphthalin; Naphthalingelb

373

Naphtha - Naphthalingelb

Bezeichnung ostindischer N. bezieht sich auf keine andre Ware als die chinesische, die übrigens nur aus jener einen Provinz kommen soll, weil anderwärts angeblich die gelbe Baumwolle ausartet. Es wurde dieser Stoff in Europa bald nachgeahmt und fast überall gefertigt, wo Baumwolle verarbeitet wird, in Deutschland besonders in Sachsen und Böhmen. Die dazu benutzten weißen, mit Eisenlösungen gefärbten Stoffe trafen aber doch meistens die echte Nüance nicht so genau, daß sie nicht leicht zu unterscheiden gewesen wären, und die Farbe ging bei jeder Wäsche mehr aus. Auch an Haltbarkeit des Stoffes blieben die echten N. unerreicht. Man fertigte bald auch den Stoff in andern Farben, grau, grün, blau, auch vielfach bunt gestreift, geflammt, gewürfelt, meliert etc., ferner neben glatten auch verschiedne Köpernankings, sodaß die Benennung N. sich über eine ganze Klasse starker baumwollner wohlfeiler Sommerstoffe verbreitete. Gegenwärtig hat der Bezug der chinesischen Ware so gut wie aufgehört, und auch an Stelle der europäischen Fabrikate sind schönere Stoffe mit andern Namen getreten. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 2 d 1-3.

Naphtha. Dieser Name dient erstlich zur Bezeichnung der hellsten Sorten Steinöl (s. Petroleum), wofür besser Bergnaphtha gesetzt wird. Ferner ist er eine alte Benennung für Äther, und hiernach ist Schwefelnaphtha (N. vitrioli) so viel wie Schwefeläther, richtiger Äther; Essignaphta (N. acetica) Essigäther; N. formicarum Ameisenäther. - Seit das nordamerikanische Petroleum Handelsware geworden, versteht man endlich unter N. auch das Destillat von flüchtigen, leicht feuerfangenden Ölen, welche diesem Erdöl erst entzogen werden müssen, bevor es zum Brennen in Lampen gebraucht werden kann. - Zoll: Als Destillat von flüchtigen Ölen sowie als Steinöl gem. Tarif Nr. 29; als Schwefel-, Essig- oder Ameisenäther Nr. 5 a.

Naphthalin (Naphtylhydrür, Steinkohlenkampfer); ein fester Kohlenwasserstoff, der sich bei der trocknen Destillation verschiedner organischer Körper bildet, wenn sie sehr hoch und anhaltend erhitzt werden. Dies findet statt bei den auf Gas verarbeiteten Steinkohlen, und daher ist auch der Steinkohlenteer die Quelle, aus der das N. entnommen wird. Die Ausbeute ist je nach der Kohlensorte, mehr aber noch nach der bei der Vergasung herrschenden Temperatur verschieden groß und kann zwischen 15 und 50% des Teers schwanken. Das N. findet sich selbst im fertigen Leuchtgas aufgelöst und kommt zum Vorschein, wenn die Gasleitungen von starker Kälte befallen werden, was sich am leichtesten an den Haupthähnen ereignet. Der Stoff erscheint dann fein kristallinisch, ganz schneeähnlich, hemmt den Gasdurchgang oft bedeutend und wird mit Spiritus gelöst und weggespült. Bei der Destillation des Teers zur Gewinnung von Benzin etc. tritt das N. in den letzten Perioden bei Hitzen von etwa 200-230° C. auf und verdichtet sich in den Vorlagen zugleich mit schwerem Teeröl als eine butterartige, kristallinische Masse. Durch Kaltstellen scheidet sich der feste Körper mehr von der Flüssigkeit und wird durch Abpressen als eine stark braune Masse erhalten, die zur Reindarstellung durchgreifende Bearbeitungen erfordert. Es wird dieselbe mit etwas Natronlauge und dann mit Schwefelsäure behandelt, mit Wasser gewaschen, hierauf nochmals mit starker Natronlauge bei 100° C. behandelt und dann die Masse noch sublimiert, wobei man die Dämpfe des N. in aus Ziegelsteinen erbaute, mit Holz ausgelegte Kammern leitet. Das sublimierte N. bildet weiße, glänzende, tafelförmige Kristalle, hat völlig rein einen eigenen starken, gewürzhaften Geruch und Geschmack, schmilzt bei 79° C., siedet bei 216-217° C. und hat das spezifische Gewicht von 1,04. Weingeist, Äther, Schwefelkohlenstoff und ätherische Öle lösen den Stoff reichlich auf. Zuweilen destilliert man das N. auch, anstatt es zu sublimieren, aus eisernen Destillationsgefäßen über freiem Feuer, wobei die Kühlschlange stets auf 80° C. erhalten werden muß, damit sie sich nicht verstopft; man gießt dann das noch flüssige N. in eiserne Formen und erhält es so in kompakten Stücken von kristallinischer Struktur. Als Kerzenstoff ist das N. ganz ungeeignet, da es bei seinem hohen Gehalt an Kohlenstoff (94%) eine stark qualmende Flamme gibt. Man hat es daher zuweilen zur Darstellung feinen Rußes benutzt. Eine andre Verwendung hat der Stoff zur Erzeugung künstlicher Benzoësäure, da jedoch die aus Pferdeharn bereitete Säure bevorzugt wird, so dürfte dieser Fabrikationszweig wohl aufhören. Das N. bildet ferner Grundlage zu einer großen Zahl künstlicher Teerfarben. Die ersten Erfolge in der Darstellung roter, violetter und gelber Farben brachten allerdings weder Schönes noch Haltbares, jetzt hat man jedoch hierin bedeutende Fortschritte gemacht und werden gewisse Naphthalinfarben in bedeutenden Mengen verbraucht, so namentlich Bordeaux, Ponceau, Orange, Naphthalingelb. Eine sehr große Menge von N. wird jetzt auf Phtalsäure verarbeitet, die zur Erzeugung der prächtigen Resorcinfarben dient. Man benutzt das N. jetzt auch als gutes Mittel gegen Motten und ähnliche Tiere. - Zollfrei.

Naphthalingelb (Martiusgelb); ein schöner, goldgelber Teerfarbstoff, besteht aus dem Kalksalze, zuweilen auch dem Ammoniaksalze des Binitronaphtols, welcher Körper sich wie eine starke Säure verhält. Das N. kann auf verschiedne Weise fabriziert werden; entweder durch Behandlung der Chlorwasserstoffverbindung des Naphtylamins mit einer verdünnten Lösung von salpetrigsaurem Natron, wobei zunächst Diazonaphtol in Verbindung mit Chlorwasserstoff entsteht, welches beim Erhitzen mit Salpetersäure bis zum Sieden in das Binitronaphtol übergeht, oder durch Behandlung von Alphanaphtol mit einer Mischung von Schwefelsäure und Salpetersäure bei 100° C. Das N. des Handels ist ein feines gelbes Pulver, welches beim Verstäuben sehr heftiges und anhaltendes Niesen erregt, in kaltem Wasser wenig, in heißem leicht löslich ist; es färbt Wolle und Seide ohne Beize brillant und echt goldgelb; die Nüancen sind schöner, als die mit Pikrin-^[folgende Seite]