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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Nelkenzimt; Neublau; Neunaugen; Neuwiederblau; Nickel

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Nelkenzimt - Nickel

Geum urbanum, einer durch ganz Deutschland an Zäunen, im Gebüsch und lichten Wäldern wachsenden, etwa fußhohen Pflanze mit einzelnen gelben Blüten, die zur Familie der Rosaceen gehört. Der Wurzelstock ist höckerig, am untern Ende abgestorben, mit schwarzbraunen Schuppen bedeckt und ringsum mit fadenförmigen Nebenwurzeln besetzt. Die innen braunrote dünne Rinde umgibt ein gelblichweißes Holz und dieses ein blaurötliches Mark. Die frische Wurzel riecht schwach nach Würznelken; der Geruch verliert sich indes beim Trocknen. Der Geschmack ist bitter und zusammenziehend. Der mit den Stengelresten und Wurzeln im Frühjahr zu sammelnde Wurzelstock wird bei gelinder Wärme getrocknet und in wohlverschlossenen Gläsern oder Blechbüchsen aufbewahrt. - Zollfrei.

Nelkenzimt (cortex cassiae caryophyllatae); die Stammrinde von Dicypellium caryophyllatum, eines in Brasilien und Westindien wachsenden, zur Familie der Laurineen gehörigen Baumes; man erhält die Ware in zusammengerollten Röhren, der Hauptsache nach aus der glatten rotbraunen Bastschicht bestehend und nur teilweise noch vorhandener Außenrinde. Der Geruch und Geschmack erinnert zugleich an Zimt und an Nelken. Man verwendet die Rinde bei der Bereitung aromatischer Liköre ebenso das daraus dargestellte ätherische Nelkenzimtöl (oleum cassiae caryophyllatae). Das Pulver der Rinde wird angeblich auch zur Verfälschung des Gewürznelkenpulvers benutzt. - Zollfrei.

Neublau (Waschblau). Das eigentliche N. zum Bläuen der Wäsche besteht aus Stärke, die mit Indigkarmin gefärbt und in kleine Täfelchen geformt ist. An seiner Stelle wird neuerdings häufig künstliches Ultramarin angewandt, das in kleinen Portionen mit heißem Wasser angerührt und dem Blauwasser zugesetzt wird. Es ist dieses Blau auch ganz zweckmäßig, während dagegen Berlinerblau, das ebenfalls zuweilen mit Stärke oder Kreide gemischt als N. verkauft wird, zum Bläuen gar nicht taugt, da es ein starkes Vergelben der Zeuge bewirkt. Dieses Blau ist leicht daran erkennbar, daß es seine Farbe verliert und braun wird, wenn man es mit Sodalösung vermischt erhitzt. - Zollfrei.

Neunaugen (Bricken, Pricken, Felsensauger, frz. lamproies; engl. lambreys). Bekannte Knorpelfische von aalartiger Gestalt, die im Inlande nur mariniert und meist sehr klein vorkommen, aber auch im frischen Zustande gebraten sehr gut zu essen sind. Diese Tiere haben ihren sonderbaren Namen daher, daß man die sieben Kiemenlöcher, die auf jeder Seite liegen, für Augen ansah und sich noch dazu um zwei verzählte. Sie haben die Eigenheit, sich mit ihrem runden, trichterförmigen Maul an Steinen und Felsen oft so fest anzusaugen, daß sie kaum loszulösen sind. Es gibt zweierlei Arten, die Flußbricke (Petromyzon fluviatilis) und die große Seebricke oder Lamprete (Petromyzon marinus). Die erstere, die gewöhnlich kaum fingerdick und höchstens 3 dm lang auf den Tisch kommt, kann bei gehöriger Schonung an 9 dm lang werden und ist dann viel schmackhafter. Das Tier sieht im Leben oberhalb olivengrün aus, mit weißen Wölkchen durchzogen, am Bauche silberweiß. Die Fische haben ein sehr zähes Leben und lassen sich daher auch mit Schnee verpackt lebendig weit versenden.

Dieselben leben besonders in Norddeutschland, den russischen Ostseeprovinzen, auch in England in großer Menge in Flüssen und Flüßchen. Im Sommer halten sie sich in der Tiefe, werden auch in dieser Zeit nicht gefangen, weil sie da mager und nicht schmackhaft sind. Im Herbst, Winter und Frühjahr sind sie fetter; der beste Fang ist im Dezember; man haut dann Löcher ins Eis und steckt Birkenreisig hinein, an das sie sich oft in Menge ansaugen. Sonst fängt man sie auch im Februar und März mit Hainen und Reusen. Die Tiere werden ausgenommen, schwach geröstet oder gebraten mit Essig, Gewürzen und Lorbeerblättern eingelegt und in den bekannten Fäßchen von den preußischen Ostseestädten, von Bremen und Lüneburg in den Handel gebracht. Die aus dem Lüneburgischen sind die besten, daher auch im Kleinhandel allen das Prädikat Lüneburger beigelegt wird. -

Die Lamprete (P. marinus) lebt in fast allen europäischen Meeren, wird über 9 dm lang und armsdick, ist grünlich, gelb und braun marmoriert und mit zwei Rückenflossen versehen. Sie hat ein besonders weißes, fettes und festes Fleisch und gilt als Delikatesse. Im Frühjahr geht der Fisch des Laichens halber in den Flüssen und Nebenflüssen aufwärts und wird dabei gefangen, am häufigsten in den Flüssen Englands und der Bretagne. In geringerer Zahl kommt er nach Deutschland in die Stromgebiete der Elbe, Weser und des Rheins und kommt dann in der Regel frisch zum Konsum. Sonst ist seine Zubereitung wie die der Flußbricken. - Zoll: Frische N. sind zollfrei, marinierte gem. des Tarifs im Anh. Nr. 25 p 1.

Neuwiederblau ist eine Kupferfarbe analog dem künstlichen Bergblau (s. d.) oder Bremerblau.

Nickel (frz. und engl. ebenso) ist eines der selteneren und schwierig zu gewinnenden Metalle, dessen Existenz seit 1751 bekannt, dessen technische Verwendung aber weit jünger ist. Erst als aus Kupfer und N. eine brauchbare silberähnliche Legierung, Argentan, erhalten worden war, erhielt es seinen Kaufwert. Das reine Metall hat noch jetzt keine Verwendung. Es ist im reinen Zustande fast silberweiß, hat gegossen ein spezif. Gewicht von 8,3, gehämmert 8,8, ist schwer zu schmelzen, bei Rotglut hämmer- und streckbar, läßt sich schweißen, in dünne Bleche walzen und zu dünnen Drähten ausziehen. Poliert zeigt es einen schönen dauerhaften Glanz.

Die Nickelerze sind hauptsächlich Verbindungen des Metalles mit Schwefel oder Arsen, enthalten aber fast immer noch andre Schwefelmetalle; das N. bildet zuweilen nur einen kleinen Anteil darin. Am häufigsten tritt das Metall in Gesellschaft von Kobalt auf (s. d.). Das für Deutschland wichtigste Erz ist das Kupfernickel, von den Bergleuten so genannt, weil es nach seinem Aussehen ein reiches Kupfererz zu sein schien, aber den Erwartungen nicht entsprach. Es ist Arsennickel mit fast immer mehr oder weniger Gehalt an Arsenkobalt und als