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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Osmium; Osterluzeiwurzel; Otterfelle; Pakfong; Palladium

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Osmium - Palladium

versetzt, wodurch ein Niederschlag entsteht. Dieser wird gewaschen, wieder in Salmiakgeist gelöst und die Lösung in flachen Schichten der Luft ausgesetzt, bis sie kirschrot geworden ist, dann zum Sieden erhitzt, um das überschüssige Ammoniak zu verjagen, und dann wieder in großen flachen Gefäßen bei einer Temperatur von 70 bis 75° sich selbst überlassen. Die Färbung schreitet dabei allmählich bis zu schönem Purpurrot fort, worauf man den fertigen Farbstoff mit Wein- oder Schwefelsäure rein, oder mit Chlorcalicum an Kalk gebunden ausfällt. Dieser Kalklack ist dann zum Behuf des Verbrauches wieder mit verdünnter Schwefel- oder Oxalsäure zu versetzen, wobei Gips, resp. oxalsaurer Kalk gebildet wird, die beide unlösliche Niederschläge sind, indes der Purpur in Lösung geht. - Einschließlich des Extraktes zollfrei.

Osmium ist eins der Metalle, welche beständige Begleiter des Platins sind. Es hat bis jetzt nur ein chemisches Interesse (vgl. Platin). - Zollfrei.

Osterluzeiwurzel (radix aristolochiae), Artikel des Droguenhandels, der jetzt selten noch gefragt sein dürfte; man unterscheidet vier Sorten: die hohle O., radix aristolochiae cavae, von Fumaria bulbosa abstammend; die lange O., radix aristolochiae longae, aus dem südlichen Frankreich, wird von Aristolochia longa gesammelt; die runde O., radix aristolochiae rotundae, von Aristolochia rotunda, ebenfalls aus dem südlichen Frankreich, unterscheidet sich nur in der Form von der vorigen Sorte; die bohnenförmige O., radix aristolochiae fabaceae, ist die Wurzelknolle der Corydalis fabacea. Diese Wurzeln und Wurzelknollen wurden früher medizinisch verwendet. - Zollfrei.

Otterfelle. Die Fischottern (Lutra) sind brauchbare und zum Teil hochgeschätzte Pelztiere. Die gemeine Flußotter (L. vulgaris) lebt im gemäßigten und kalten Europa und Sibirien, ehemals überall häufig, jetzt, wenigstens in den europäischen Ländern, sehr dezimiert. Das Fell ist im Oberhaar graubraun, die Haut ungemein zähe, und das Haar nimmt, so lange das Tier lebt, kein Wasser an. Es ist glatt, fein und dicht und im Sommer und Winter von gleicher Güte; nur im Herbst hart sich das Tier etwas. Länge des Felles 9-15 dm oder etwas mehr, des Schweifes 3 dm und darüber. In Nordamerika kommen Ottern vor, die der gemeinen sehr ähnlich sind, dann aber auch andre von höherem Werte.

Der Pelzhändler hält sich aber nicht an die naturgeschichtlichen Arten, sondern an die durch Herkunft bedingten Qualitäten, und unterscheidet daher, von der geringsten Ware bis zur besten aufsteigend: ostindische, mexikanische, spanische, französische, deutsche, russische, dänische, schwedische, nordamerikanische, kanadische, solche von den Hudsonsbailändern, von Neuengland und Labrador. Diese letztern sind also Primaklasse, 15 dm lang, und gelten 20-100 Mk. das Stück. Das sehr dichte Pelzwerk ist hellbraun bis bräunlich schwarz und dient zu Mützen, Hauben und andern Pelzartikeln. Die Tiere werden auf dem Anstande geschossen, von den Indianern in Fallen gefangen oder mit Lockspeise vergiftet. -

Ein nobleres Tier noch ist die Seeotter (L. marina). Sie bewohnt den nördlichen Teil des Stillen Ozeans und findet sich sowohl an der amerikanischen Seite von Kalifornien an bis an die Behringsstraße, in die sie aber nicht hineingeht, als auch an der gegenüberliegenden asiatischen Küste, demnach auch an den Kurilen und Aleuten. Die Tiere waren ehedem in ihrer Heimat sehr häufig, aber die Schönheit des Pelzes reizte zu ihrer Verfolgung mächtig an, ihre Abnahme ging um so rascher vor sich, als man anfänglich die Felle von den Eingebornen um eine Wenigkeit einhandeln konnte. Jetzt sind sie freilich so selten geworden, daß einzelne auserlesene Stücke schon an Ort und Stelle 100 spanische Thaler kosten. Die Russen und noch mehr die Chinesen legen auf dieses Pelzwerk hohen Wert und letztere ziehen die schönsten Felle noch dem Zobel vor.

Es wird aber alles gejagt, junge, halbwüchsige und erwachsene Tiere, weshalb denn auch die Angaben über die Größe verschieden lauten. 9 dm lange sind noch nicht erwachsen; sie werden vielmehr bis 18 dm lang; die Preise gehen am Leipziger Markt von 300-1500 Mk. Seitdem der ehemals russische Teil Amerikas in den Besitz der Vereinigten Staaten übergegangen ist, werden jetzt dort die Tiere mehr geschont. Die Alaska Company bringt jährlich etwa 6000 Stück davon in den Handel, die einen Wert von 1½-2 Mill. Mk. repräsentieren. Das Haar der Seeotter ist äußerst dicht, kurz (4 cm), samtartig und am ganzen Leibe gleichmäßig. Die Farbe ist braunschwärzlich und durch einzelne zierlich verteilte weiße Haarspitzen silberglänzend. Man kann aus einem Fell je nach der Größe drei bis fünf Mantelkragen schneiden, welche in Rußland und anderswo von Vornehmen getragen werden. Auch braucht man den Pelz zu Kopfbedeckungen; in China tragen die Mandarinen daraus ganze Röcke, wozu drei große Felle gehören. - Zoll: s. Marderfelle.

P.

Pakfong, Neusilber oder Argentan (s. d.). Der Name P. stammt aus China, von wo die Legierung nach Europa kam. - Zoll: s. Britanniametall.

Palladium ist eins der Platinmetalle, d. h. eins derjenigen, welche fast immer zugleich mit dem Platin (s. d.) vorkommen. Es gleicht diesem in vielen Eigenschaften, ähnelt aber in der Farbe mehr dem Silber; sein spezifisches Gewicht ist nur halb so groß wie das des Platins, nämlich 11,8-12,2, auch ist es viel leichter schmelzbar als dieses und schon in Sal-^[folgende Seite]