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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Paraffinöl; Paraguay-Roux; Paraguay-Thee

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Paraffin - Paraguay-Thee

des P. erhöht. Zur Erzielung einer größern Weiße wird auch wohl Knochenkohle auf die geschmolzene Masse in Anwendung gebracht; überhaupt herrschen bei den Reinigungsarbeiten verschiedne Verfahrungsweisen. Die Masse wird, wenn sie nicht sofort auf Kerzen verarbeitet wird, für den Handel in Blöcke gegossen. Neben der gereinigten Ware ist auch Rohparaffin ein käuflicher Artikel. Dasselbe hat eine gelblichbräunliche Farbe und weiche Konsistenz, heißt daher auch Paraffinbutter.

Die Fabriken des Weißenfelser Braunkohlenreviers arbeiten bei all den Massen von Kerzen, die von dort ausgehen, doch ihr P. bei weitem nicht auf, sondern geben etwa die Hälfte als Rohparaffin fort, das anderwärts zur Fabrikation mit Stearin gemischter Kerzen, zur Darstellung von Schmieren u. dgl. dient. Einzelne Fabriken fabrizieren gar keine Kerzen, sondern verkaufen nur das Rohprodukt. In den ersten Zeiten kauften dort die Engländer große Mengen von Rohparaffin; es hat dies aber aufgehört und mag eine verfehlte Spekulation gewesen sein. -

Das P. im gereinigten Zustande ist eine feste, weiße, durchscheinende Masse ohne Geruch, sodaß also ein etwa noch merklicher Geruch nur von noch anhängenden fremden Stoffen herkommen kann. Es hat ein Eigengewicht von 0,87, schwimmt daher auf Wasser, schmilzt je nach seiner Beschaffenheit in den Grenzen von 45-65° C. und läßt sich bei einer Temperatur von 200-300° unverändert überdestillieren. Die hauptsächlichen Lösungsmittel des P. sind Äther und flüchtige Öle wie Benzin u. dgl. Werden solche Lösungen abgedunstet, so hinterbleibt es in Form kleiner zarter kristallinischer Blättchen.

P. wird weder von ätzenden Alkalien noch von konzentrierter Schwefel- und Salpetersäure angegriffen; Chlorgas, wenn es in die geschmolzene Masse eingeleitet wird, verwandelt es in eine zähe, harzartige Masse (Chlorparaffin). Über seine Hauptverwendung zu Kerzen s. d. Art. Nebenbei benutzt man es auch als Schutzmittel gegen die Wirkung von Säuren zum Auskleiden und Dichten von Fässern und andern hölzernen Gefäßen, zum Überziehen von Korken u. dgl., zu luftabhaltenden Einhüllungen, endlich zur Darstellung durchsichtigen Pauspapiers. -

Photogen und Solaröl sind ebenso wenig einfache Kohlenwasserstoffe wie das P., sondern Gemenge von solchen von verschiednen Siedepunkten. Nachdem sie, wie vorstehend angegeben, bei einer und derselben Destillation in verschiednen Perioden im rohem Zustande gewonnen sind, müssen sie verschiednen eindringlichen Reinigungsarbeiten unterzogen werden, wie Schütteln mit Schwefelsäure, dann mit konzentrierter Ätznatronlauge, Waschen mit Wasser und Rektifizieren durch abermalige Destillation.

Das Photogen bildet im reinsten Zustande eine farblose oder wenig gelbliche, leicht bewegliche Flüssigkeit von 0,78-0,80 spezif. Gewicht, geringeres 0,87-0,82; es ist in besondern Lampen zu brennen, in denen es auf eine ziemliche Höhe im Dochte emporsteigen muß; es ist leicht entzündbar, daher sehr feuergefährlich. Das Solaröl ist in gewöhnlicher Ware gelblicher, dickflüssig wie Rüböl, kann in den gewöhnlichen Argand'schen Lampen gebrannt werden und soll in guter Beschaffenheit 0,83-0,86 spezif. Gewicht zeigen.

Was nun die Marktverhältnisse der beiden Stoffe betrifft, so ist das Photogen jetzt thatsächlich aus dem häuslichen Gebrauch und dem Kleinhandel so gut wie verschwunden, ist auch wegen seines Geruchs, seiner großen Flüchtigkeit und Feuergefährlichkeit kein angenehmer Gebrauchsartikel. Das amerikanische Petroleum hat meistens seine Stelle eingenommen; das Solaröl dagegen hält sich neben dem Petroleum in Kurs, und ist etwas wohlfeiler als dieses. Wahrscheinlich finden jetzt die leichten Destillate ihre Verwendung mit denen des Petroleums, dem sie ja so ähnlich sind, als Fleckwasser, zu Lösungsmitteln u. dgl. Das Solaröl ist jetzt das Hauptfabrikat; man hat es bis zur völligen Farblosigkeit und fast ohne Geruch reinigen gelernt. Es steht in seiner Leuchtkraft dem gereinigten Petroleum ziemlich gleich und ist auch so noch etwas wohlfeiler, daher gut absetzbar. -

Das dicke, zum Brennen untaugliche Öl, was bei der Ausscheidung des P. übrig bleibt, kommt unter dem Namen Schmieröl in den Handel und dient wie sein Name besagt. Die Retortenrückstände von der Destillation der Öle bilden eine Art Asphalt (Braunkohlenteerpech) können auch mit andern öligen Fabrikabgängen zur Gasbereitung benutzt werden. -

Zoll: Ceresin, Rohparaffin (Paraffinbutter) raffiniertes P. gem. Tarif im Anh. Nr. 26 c 2. Photogen, Solaröl und Schieferöl zu Leuchtzwecken Nr. 29. Zum Brennen untaugliches Paraffinöl und andres bei der Auscheidung ^[richtig: Ausscheidung] des P. übrig bleibendes butterartiges Fett (Öl) Nr. 29 Anm. 1. Paraffinlichte Nr. 23. Braunkohlenteerpech zollfrei.

Paraffinöl. In den Paraffinfabriken nennt man so das schwerste Destillat aus dem Teeröl, aus welchem das Paraffin herauskristallisiert; im Handel führt diesen Namen das hierbei Flüssigbleibende, das Schmieröl. Paraffinfett oder -Schmiere wird ganz unpassend ein aus Harz erhaltenes dickes, zu Bereitung von Schmiermitteln benutztes Öl genannt (vgl. Harzöl). - Zoll: s. Paraffin.

Paraguay-Roux (Paratinktur); ein früher gangbares, jetzt in Vergessenheit geratenes pharmazeutisches Präparat, welches aus der Parakresse oder Kohlfleckblume (Spilanthes oleracea), einer in Südmerika ^[richtig: Südamerika] einheimischen, bei uns in Gärten gezogenen, einjährigen, krautartigen Pflanze aus der Familie der Kompositen, bereitet und als Mittel gegen Zahnschmerzen verwendet wurde. Alle Teile der Pflanze haben einen beißend scharfen Geschmack. Durch Ausziehen der frischen, blühenden Pflanze mit starkem Weingeist unter Beisatz eines Anteils Bertramwurzel bereitete man diese Tinktur. - Zoll: Tinktur gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a. Parakresse ist zollfrei.

Paraguay-Thee, (Maté). Ein amerikanisches Genußmittel, das bis jetzt keinen Handelsgegenstand nach Europa bildet, sondern nur probeweise herübergelangt, dagegen für die Bewohner von fast ganz Südamerika unter allen Bevölkerungsklassen im täglichen Gebrauch ist. Es besteht aus den 10-11 cm langen Blättern der