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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Paranüsse; Parfümerien

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Paranüsse - Parfümerien

südamerikanischen Stechpalme (Ilex paraguayensis), welche getrocknet und vor dem Absieden gepulvert werden. Das Blatt enthält neben andern wirksamen Stoffen das nämliche Alkaloid, das dem chinesischen Thee und dem Kaffee eigen ist (Theïn, Coffeïn); es entwickelt getrocknet viel von dem Aroma einiger chinesischen Theesorten und der Aufguß hat einen lieblichen Geruch und angenehm bittern Geschmack.

Beim Gebrauch übergießt man das Pulver mit siedendem Wasser und saugt die Flüssigkeit durch ein Rohr ein, das unten mit einem Seiher versehen ist. Dieses Theeschlürfen wird in weiten Distrikten Südamerikas den ganzen Tag über betrieben. Das Getränk wirkt erregender als chinesischer Thee; es fehlt ihm aber, unähnlich dem Kakao und der Guarana, an nährenden Bestandteilen und die Trinker verfallen rasch in einen Zustand der Abspannung und Erschlaffung. Die Beliebtheit des Genusses erhellt schon daraus, daß man die Blätter schlechthin Yerba (das Kraut) nennt. Der Name Maté soll auf Misverständnis beruhen und damit nur das Trinkgefäß gemeint sein.

Diese Pflanze scheint nirgends Gegenstand des Anbaues zu sein; die Blätter werden im Walde gesammelt. In den Wäldern von Paraguay nimmt der Strauch ausgedehnte Strecken ein, das Recht des Einsammelns wird von der Regierung an Unternehmer und Kaufleute verpachtet. Die Kaufleute bleiben mit den indianischen Sammlern wohl sechs Monate im Walde; die Blätter werden auf einer geschlagenen Tenne in der Sonne gedörrt, wohl auch nach Gelegenheit in einem Lehmofen bei künstlicher Wärme auf Horden getrocknet und in Säcke aus frischen Häuten gestopft, die etwa 100 Kilo fassen.

Man macht dreierlei Sorten: die erste besteht aus unaufgebrochenen Blattknospen und ist nicht außer Landes verführbar; bei der zweiten Sorte sind die stärksten Blattrippen entfernt; die dritte sind die einfach getrockneten Blätter. Die beiden letztern Sorten werden stark nach andern südamerikanischen Ländern ausgeführt. Man hat die bisherige Ausfuhr aus Paraguay auf jährlich 50000 Ztr. geschätzt. Außerdem wächst aber dieser Theestrauch auch noch in andern benachbarten Gegenden bis zum Rio grande in Brasilien. Bei längerm Aufbewahren und weitem Transport verliert das Blatt sehr an Güte und Gehalt, was wohl das Haupthindernis seiner Versendung nach Europa sein mag. Zoll gem. Nr. 25 p 2 des Tarifs.

Paranüsse (Brasilianische Nüsse); die 3½ bis 4½ cm langen Fruchtkerne eines südamerikanischen, den Myrtengewächsen verwandten, großen Baumes, Bertholletia excelsa, der im Gebiete des Orinoko und Amazonenstroms heimisch ist. Dieselben sind ursprünglich in einer hartschaligen, kopfgroßen Frucht enthalten und haben infolge ihrer gedrängten Lage in derselben eine dreiseitige Form mit zwei flachen und einer gewölbten Fläche erhalten. Ihre holzige, oder vielmehr lederartige, Schale ist braun, rauh und quergerunzelt und umschließt einen Kern mit rostbrauner Oberhaut und dichtem weißem Fleisch. Dieser Kern enthält (circa 50%) ein mildes, süßes und gelbliches fettes Öl, das Paranußöl, welches dem Mandelöl sehr ähnlich ist, aber leicht ranzig wird und bei 0° erstarrt. Man benutzt die P. als Dessert und zur Näscherei wie Mandeln oder andre Nüsse. - Zoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 2; Paranußöl Nr. 26 a 1 und 4.

Parfümerien; es sind dies Waren, die sich durch einen besonders feinen Wohlgeruch auszeichnen und meistens zu Toilettenzwecken dienen; sie bilden eine der weitschichtigsten Warenklassen und schwer zu zählen sind die Mittel zur Ergötzung des Geruchsinnes und Verdeckung von Übelgerüchen, welche heutigen Tages zu Gebote stehen. Denn während die Völker früherer Zeiten, die zum Teil mit Wohlgerüchen großen Luxus trieben, nur die von der Natur gebotenen einfachen Riechstoffe zu verwenden hatten, hat man jetzt ihre Zahl nicht nur durch Beiziehungen aus fernen Ländern nicht unwesentlich vermehrt, sondern versteht dieselben auch durch künstliche Mischungen noch bedeutend zu vervielfältigen, sie aus den Naturkörpern abzuscheiden und isoliert darzustellen, und dann hat auch die chemische Kunst sich noch selbstschaffend neben die Natur gestellt.

Die zu den P. gehörigen Waren sind: verschiedne dem Eau de Cologne ähnliche sogenannte Riechwässer, d. h. Auflösungen ätherischer Öle etc., in feinstem Sprit; ferner Wasch- und Schönheitswässer, Haaröle, Pomaden, feine Seifen, Räucheressenzen, Riechkisschen etc. Die uns wohlgefallenden natürlichen Gerüche stammen fast alle, direkt oder indirekt, aus dem Pflanzenreiche; tierische Parfüme sind nur Moschus, Zibet und Ambra. Die pflanzlichen Wohlgerüche sind entweder und größtenteils ätherische Öle (s. d.) oder Balsame und wohlriechende Harze, bei denen der Riechstoff meist auch wieder ein ätherisches Öl ist, in einzelnen Fällen jedoch, und zwar in solchen, wo erst durch Erhitzen oder Verbrennen der Wohlgeruch entwickelt wird, eine flüchtige wohlriechende Säure.

Eine besondere Klasse von Riechstoffen bilden endlich die flüchtigen Ätherarten. Stoffe dieser Art bilden sich im reifen Obst und bewirken die verschiednen Gerüche desselben. In diese Kategorie fallen hauptsächlich die, die Natur so täuschend kopierenden, Erzeugnisse der chemischen Kunst (s. Fruchtäther). Die ätherischen Öle können in einzelnen Fällen, wie bei Zitronen und andern Südfrüchten, auf mechanischem Wege, durch Auspressen erhalten werden; in der großen Mehrzahl aber gewinnt man sie durch Destillation mit Wasser. Es wird dabei, da solche Öle immer in kleiner Menge in Wasser löslich sind, zugleich ätherisches Wasser erhalten und bei großer Ölarmut der riechenden Pflanzenstoffe auch nur dieses allein, ohne freies Öl. Unbeschränkt und in einfachster Weise lassen sich solche Wässer herstellen dadurch, daß man von schon fertigem Öl eine Wenigkeit mit destilliertem Wasser zusammenschüttelt.

In vielen Fällen aber, und zwar bei den meisten wohlriechenden Blüten, ist die Ölgewinnung durch Destillation unanwendbar, weil sie entweder zu roh ist und der Blütengeruch durch die Behandlung mit Wasser und Hitze zerstört werden würde, oder auch wegen der äußerst geringen Menge, in welcher der Riechstoff in den Blüten enthalten ist. Es kommen dann verschiedne andre Methoden zur Abscheidung