Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Pepsin; Pergament; Pergamentpapier

410

Pepsin - Pergamentpapier

das noch nicht fest gewordene Harz der Nadelbäume, zur Abtreibung des Terpentinöls der Destillation unterworfen, so ist der Rückstand ebenfalls Weißpech. Die weißen Pechsorten sind gelblich oder bräunlich, spröde und von muscheligem, glänzendem Bruch, beim Zerdrücken neben größeren Stückchen viel Pulver gebend; beim Kneten zwischen den Fingern werden sie weich. Je nach Abstammung und Bereitungsweise zeigen sie kleinere Verschiedenheiten und enthalten mehr oder weniger Wasser und flüchtige Öle. Beim Ausschmelzen wird oft absichtlich wieder etwas Kienöl oder Terpentin zur Masse gesetzt.

Es dienen die hellen Pechsorten, wie gesagt, besonders zum Pichen von Fässern und sucht man sie zuweilen durch Versetzen mit andern Stoffen dazu geeigneter zu machen. Außerdem gebraucht man sie wie das amerikanische Harz, zur Darstellung von Harzseifen, allgemein als Lötmittel in den Fällen, wo mit Weichlot gearbeitet wird, zu Pflastern und noch manchen andern Zwecken. Sogenanntes Steinkohlenpech ist gleichbedeutend mit Steinkohlenasphalt, dem schwarzen Rückstand, der bei der Teerdestillation erhalten wird. Ebenso bezeichnet man den bei der Braunkohlenteerdestillation bleibenden Rückstand mit dem Namen Braunkohlenteerpech. - P., ferner Terpentin, Kienöl, Steinkohlenpech und Harze sind zollfrei.

Pepsin (Pepsinum), ein Artikel des Droguen- und Chemikalienhandels, wird als ein, die Verdauung beförderndes, Mittel medizinisch verwendet. Man bereitet das P. aus der gut gereinigten, ganz frischen Magenschleimhaut von Kälbern oder Schweinen; dieser, die Verdauung bewirkende Stoff des Magensaftes erscheint, genügend gereinigt, im Handel als gelblichbraunes hygroskopisches Pulver von eigentümlichem Geruche und schwachbitterlich salzigem Geschmacke. Eine erwärmte Lösung dieses P. hat die Eigenschaft, Fibrin und verschiedne andre Proteïnkörper (Eiweißstoffe) aufzulösen. Man bringt auch Pepsinwein, Pepsinelixier u. dgl. Präparate in den Handel. - Zoll: P. in Pulverform oder in Form von zuckerfreien Pillen und Tabletten ist zollfrei. Alkohol- oder ätherhaltige Pepsinpräparate gem. Tarif Nr. 5 a, zuckerhaltige Nr. 25 p 1. Pepsinwein Nr. 25 e 2.

Pergament (frz. parchemin; engl. parchement), ein Artikel, den man schon im hohen Altertum gut zu bereiten verstand und der aus jenen Zeiten auch seinen Namen, abgeleitet von einer Stadt Pergamus, jetzt Pergamo in Kleinasien, sich erhalten hat. Der Stoff war in frühern Zeiten viel wichtiger als jetzt zur Aufnahme von Schriftwerken, denen man mehr Dauer verleihen wollte, als sie das geringe Papier des Altertums gewähren konnte. Es war, besonders in den spätem Jahrhunderten, oft großer Mangel daran; man tilgte daher häufig aus alten Werken die Schrift aus und vernichtete somit wertvolle Stücke alter Litteratur, um vielleicht irgend eine wertlose Abhandlung darauf zu schreiben. Manches so dem Untergange Gewidmete hat indes später doch noch gerettet werden können, indem es öfter möglich war, die alte Schrift wieder lesbar hervorzurufen.

In unserer Zeit wird nicht mehr so viel P. bereitet und die Pergamentmacher sitzen vereinzelt; immerhin ist es ein notwendiger Bedarfsartikel für mancherlei Zwecke. Es ist seiner Natur nach ein ohne Gerbung hergestelltes Leder. Man benutzt dazu Kalbfelle für die beste Ware, für geringere Hammel- und Schaffelle, Ziegen- und Bockfelle, die Häute von Eseln und Schweinen. Zu dem dünnsten, dem sog. Jungfernpergament, dienen die Felle von jungen Ziegen, Böckchen und Lämmern.

Die rohen Felle werden wie bei der Gerberei gewässert, in Kalkäscher gelegt, dann durch Schabeisen enthaart und auf dem Schabebaum entfleischt, kurz sie werden zu Blößen gearbeitet. Diese aber werden auf Rahmen gespannt und erhalten ihre fernere Behandlung in diesem gespannten Zustande, nachdem sie trocken geworden sind. Schleifen mit Bimsstein, Reiben mit Kalk, Glätten und Präparieren mit Leimwasser, Kreide, Bleiweiß und Öl sind die angewandten Mittel, wenn es sich um Herstellung von Schreibpergament handelt. Die wenigste Bearbeitung erhalten die Felle zum Überziehen von Paucken und Trommeln. Bei den geringern Sorten, die nur mit Kreide und Leimwasser und zuletzt mit Seife bearbeitet werden, läßt sich mit Bleistift darauf gebrachte Schrift und Zeichnung nur durch Reiben mit einem talgbestrichenen Lappen entfernen.

Es gibt aber speziell sog. Ölpergament, das auf einem Kalkgrund einen Überzug von Bleiweiß und Leimwasser hat und darauf geölt ist; von solchem sind Bleistiftstriche viel leichter wegzuwischen. Schreibpergament ist stets auf beiden Seiten gleichmäßig gut bearbeitet, wogegen solches, das zu Pauken- und Trommelfellen, zu Siebböden und Büchereinbänden bestimmt ist, auf der Rückseite nur geschabt, aber nicht geglättet wird. - Zoll: Echtes P. gem. Tarif Nr. 21 a, Waren daraus Nr. 21 d. Künstliches P. Nr. 27 e, Waren daraus Nr. 27 f 2 und 3.

Pergamentpapier oder Papierpergament (parchemin végétal, papier parchemin; vegetable parchment) besteht nach der ersten Bereitungsweise aus starkem oder zusammengeklebtem Papiere, welches einen Überzug von Kreidebleiweiß- oder Zinkweiß-Leimfarbe, oder dergleichen Ölfarbe erhalten hat, sodaß es, wie das Schreibpergament, mit Bleistift beschrieben und die Schrift oder Zeichnung darauf wieder entfernt werden kann. Dieses Pergamentpapier wird als falsches Pergament, bei Notizbüchern, kleinen Schreibtafeln, zu Skizzenbüchern u. dgl. verwendet.

Ein andres Papier dieses Namens ist das aus zubereitetem rohem Flachs oder Hanf oder Aloëfaser (einst auch Maisfaser) u. dgl. in der Bütte oder auf der Papiermaschine, dargestellte, sehr feste, fast durchscheinende Papier, welches ganz besonders schön von Canson und Montgolfier in Annonay bereitet wird und zum Verpacken feiner Waren für den Seetransport vornehmlich dient. Diesem ähnlich ist das künstliche Parchemin animal, das aus Tiersehnen, Därmen, Hautabfällen und ähnlichem, nach erfolgter Zerkleikleinerung ^[richtig: Zerkleinerung] durch Kochen mit Alkalien und Mahlen in der Holländermühle, nur durch Schöpfen