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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Pfefferkraut; Pfefferminze

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Pfeffer - Pfefferminze

haut. Der Same besitzt eine braunrote dünne Samenschale und mehliges Eiweiß, äußerlich grünlichgrau, hornartig, innerlich weiß. Dessen Wert als scharf beißend schmeckendes Gewürz bedingen ein scharfes Weichharz, ein ätherisches Öl (bis 1½%), das Piperin, ein Alkaloid (2½-4%), etwas Äpfel- und Weinsäure, Stärke und Mineralstoffe. Die Pflanzen geben im Durchschnitt 2-3½, selten bis 5 kg Samen pro Jahr. Der schwarze Pf. des Handels wird aus den noch unreifen Beeren durch Abpflücken und Trocknen an der Sonne oder durch gelindes Feuer gewonnen, der weiße P. dadurch, daß die reifen Beeren im Wasser von Fruchtschalen und Fruchtfleisch gelöst werden; vom schwarzen P. hat man harten runden, braunen, halbharten, kleinen, gerunzelten, braungrauen, leicht zerreiblichen und schwarzgrauen, leichten, sehr zerreiblichen und ungleich großen Samen; der weiße P. ist glatt, rundlich, gelblich weiß, weit weniger scharf und in Europa weniger beliebt als in China. Nach von Scherzer beträgt das gesamte Erzeugnis an P. etwa 26 Mill. kg, wovon Sumatra 14, Siam 4, Malabar 2,5 Mill. liefern. Deutschlands Einfuhr wird zu etwa 3 Mill. kg angegeben. Im Handel unterscheidet man vom schwarzen Pf., versendet in Ballen von 60-65 kg, als Sorten: a) Singapore und Penang, 1879 zu 60-65, 1882 zu 102½ bis 105 M. ohne Zoll für 100 kg ab Hamburg und Bremen; b) Malabar, 62-64 und 100 bis 102 M.; c) Aleppi und Batavia, zu 77 bis 79 und 118 Mk.; d) Tellichery zu 80 bis 84 Mk.; vom weißen P., versendet in Ballen von 60-70 kg. : Singapore, 112-120 und 160-165 Mk. und Penang, 134 und 172 Mk. pro 100 kg. Die Haupthandelsplätze für Deutschland sind London und Hamburg für beide Sorten und noch Amsterdam für schwarzen P. Der gemahlene P. wird häufig gefälscht mit zerriebenen Eicheln, Palmnußkernen, Mehl etc. Zur Gattung P. gehören auch Piper Betle L., Betelpfeffer, Kaupfeffer in Ostindien (eng. Betle P., frz. bètel, chavique bètel) in Asien und Australien, dessen Blätter gekaut werden; Piper methysticum und Macropiper, Awa- oder Kawapfeffer, Rauschpfeffer, P. latifolium (engl. Ava P., frz. p. d'Ava), von den Sandwichs- und andern benachbarten Inseln, der Wurzeln wegen kultiviert; Kubebenpfeffer, P. Cubeba, Schwanz- und Stielpfeffer (engl. Cubeb P., frz. cubèbe), auf Java, Borneo, Sumatra bis Java, welcher die Kubeben liefert; P. angustifolium Ruiz et Pav., von Venezuela bis Chili, und P. aduncum L., von welchen das offizinelle Metikokraut kommt. P. officinarum Dec. und P. longum (Long P., p. long), langer P. (Lämmchen), in Südasien und Inseln, geben ein dem eigentlichen P. an Schärfe nachstehendes Gewürz, welches in Europa kaum noch gehandelt wird, und in den Wurzeln ein Heilmittel. - Negerpfeffer oder Cayennepfeffer, (s. d.). Jamaikapfeffer, s. Piment. Spanischer oder Guineapfeffer, türkischer P., Chilipfeffer, P. hispanicum (engl. Chili Pepper, frz. piment, poivre long), die Früchte von Capsicum anuum und longum L. aus Südamerika, wird in Südeuropa kultiviert, in Ungarn in einer gelbroten Varietät, welche das rote Paprikapulver, außerordentlich scharf, liefert. In England und Indien macht man die grünen und die reifen Schoten (Quittenpfeffer) in Essig ein. Vgl. Guineapfeffer. Paprika (1 kg bis 3 Mk.) mit Curcuma u. dgl. gemischt, gibt das Kurrypulver der Südasiaten. - Zoll: P. aller Art, Kurrypulver, s. Tarif im Anh. Nr. 25 i.

Pfefferkraut (Bohnenkraut, Saturei, Satureja hortensis) ist eine einjährige würzhafte Pflanze mit kleinen weißen oder blaßrosa gefärbten Lippenblüten, die im südlichen Europa heimisch ist, in unsern Gärten auf nicht zu schattigen oder feuchten Stellen aber gut fortkommt und sich auch durch Selbstaussaat erhält. Das blühende Kraut riecht und schmeckt stark und angenehm würzhaft. Das aromatische flüchtige Öl der Pflanze (Pfefferkrautöl, oleum saturejae) ist in den Sortimenten ätherischer Öle zum Preise von 20 bis 22 Mk. pro kg verzeichnet. Es wird bei der Bereitung aromatischer Liköre mit verwendet. - Zoll gem. Tarif Nr. 25 p 2. Pfefferkrautöl Nr. 5 a.

Pfefferminze (Pfeffermünze; lat. Mentha piperita; frz. menthe poivrée; engl. Pepper-Mint). Unter den mancherlei Arten und Varietäten des zu den Lippenblütlern gehörenden Pflanzengeschlechtes Mentha, die sich alle durch einen Gehalt an ätherischem Öl und demzufolge ein eigentümliches, mehr oder weniger starkes Aroma auszeichnen, steht obenan die Mentha piperita, in welcher der Duft am stärksten und feinsten ausgebildet ist. Sie unterscheidet sich von ihren Verwandten äußerlich gleich durch ihre gestielten, fast glatten Blätter, die nur an den Nerven der Unterseite spärlich behaart und an den der Blattspitze zugekehrten Stellen am Rande scharf gezähnt sind. Die P. kommt wildwachsend bei uns nicht vor, wohl aber in England und überhaupt in Westeuropa. Bei ihrem nicht seltenen Vorkommen in Gärten gehört sie gleichwohl zu den bekannteren Pflanzen, wird auch in verschiednen Gegenden Deutschlands, z. B. in Thüringen, stark kultiviert. Die kultivierte Form wird als besondere Varietät bezeichnet: Mentha piperita var. β officinalis (Koch). Die in der Blütezeit gesammelten Spitzen der Zweige und die Blätter der untern Teile (ohne die Stengel) kommen getrocknet als herba menthae piperitae in den Droguenhandel. Geruch und Geschmack sind beim getrockneten Kraute noch stärker, als beim frischen. Sie ist ein ausdauernder, etwas feuchten, lehmigen Boden liebender, mit einer Menge Ausläufer wuchernder kleiner Strauch, der sich am besten durch Wurzelteilung fortpflanzen läßt. Auf trocknem Sandboden geht die Pflanze im Ölgehalt und Aroma sehr zurück; auch in zusagendem Boden läßt man sie gewöhnlich nur drei Jahre im Felde. Der wirksame Bestandteil der Pflanze und die hauptsächliche Ware ist das ätherische Öl, das Pfefferminz öl (oleum menthae piperitae), das in großer Menge zu Pfefferminzplätzchen, Likören, wie auch in der Medizin als nervenstärkendes, erregendes und schweißtreibendes Mittel verbraucht wird und einen starken Handelsartikel