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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Phenylenbraun; Phloxin; Phosphor

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Phenylenbraun - Phosphor

Damaszener-, Eierpflaumen etc., die Mirabellen und die Reineclauden. Der Name P. bezeichnet im Osten und Norden fast nur blaubedunstete Zwetschen, die länglichen Früchte, im Süden und Westen die runden und rundlichen Früchte, gelb, gelblich etc. Sie bilden einen sehr bedeutenden Handelsartikel, besonders als Backobst, zu Branntwein, zu Mus und Sirup, zu Essig, als frisches Obst etc. Als feinste im Handel gelten die Katharinenpflaumen, Imperial (sur choix, Rame superieure), 1 kg frisch zu 70 Pf. bis selbst 1 Mk., dann türkische von 40-70 Pf. und böhmische zu 30 bis 40 Pf. Vgl. Weiteres unter Obst.

Phenylenbraun; ein zu den Teerfarben gehöriger, brauner Farbstoff zum Färben von Garnen und Geweben, kann seiner Zusammensetzung nach als Triamdioazobenzol angesehen werden. Phenylendiaminbraun ist Bismarckbraun (s. d.). - Zollfrei.

Phloxin; ein Teerfarbstoff, dessen chemische Zusammensetzung nicht genau bekannt ist; es soll nach Einigen ein Jodderivat eines von dem gewöhnlichen verschiednen Fluoresceïns sein. - Zollfrei.

Phosphor (Phosphorus). Ein hoch interessanter, elementarer Stoff, der als ein unentbehrliches Material nach Tausenden von Zentnern hergestellt und in Form von Zündhölzern in jedermanns Händen und als recht eigentlicher Lichtträger, freilich zugleich auch eins der gefährlichsten Gifte ist. Der P. wurde zuerst von Brand in Hamburg entdeckt und von ihm aus Urin dargestellt. Die Brand'sche, geheim gehaltene, Entdeckung wurde zunächst durch den Chemiker Kunkel wiederholt, später auch durch Boyle in England, nachdem sie erfahren, daß der Rohstoff dieses P. fauler Urin sei. Durch die Destillation dieser Flüssigkeit mit ihrem geringen Gehalt mußte man sich den Stoff noch lange verschaffen, weshalb er auch sehr teuer war, denn noch 1730 kostete das Lot in England über fünf und in Amsterdam acht Dukaten. Heutzutage kostet das ganze Kilo etwa 5 Mk. Die Preise jener Zeit wurden von Kuriositätenliebhabern gezahlt, denn der Stoff diente zu nichts als zu Vorzeigungen.

Die Chemiker wiesen im Laufe der Zeit das Vorhandensein von P. in vielen Pflanzen, im Gehirn, im Mineralreich nach; aber erst als sich, gerade hundert Jahre nach der Entdeckung des P., gefunden hatte, daß die Knochen zum größten Teil aus phosphorsaurem Kalk bestehen, hatte man die richtige Quelle entdeckt, aus welcher der Stoff massenhaft zu schöpfen war und jetzt geschöpft wird. Man ist aber noch heute nicht zu einer Darstellungsweise gelangt, durch welche der ganze Phosphorgehalt der Knochen ausgenutzt würde; denn wenn dies auch möglich ist, so sind die Mittel und Wege dazu doch für die Fabrikation wieder zu kostspielig, und so hält man sich an die einfachste Methode, bei welcher von den circa 11½ kg P., die in 50 kg Knochen, genauer in den darin befindlichen 40 kg phosphorsaurem Kalk, stecken, nur etwa 4 kg ausgebracht werden und das übrige aus später anzugebendem Grunde im Rückstande bleibt. -

Die Gewinnung des Stoffes aus Knochen (s. d.) kann auf verschiednem Wege geschehen, indem man entweder dieselben, nachdem sie von ihrem Fett befreit sind, mit Salzsäure auszieht, welche alle erdigen Teile und also auch den phosphorsauren Kalk auflöst, wonach die zu Knochenleim dienende Knorpelsubstanz übrig bleibt, oder indem man unter Verzicht auf den Leim die Knochen brennt, dadurch alle ihre organische Substanz zerstört und dann die kalcinierten Knochen mit Schwefelsäure aufschließt. Dieses ältere Verfahren ist noch sehr häufig in Gebrauch. Die in einem Schachtofen weißgebrannten Knochen werden auf Kollermühlen zu gröblichem Pulver zerkleinert, in Bottichen mit Wasser gemengt und mit angemessener Menge Schwefelsäure eingerührt (von 60 prozentiger Säure das gleiche Gewicht wie die Knochen). Durch eingeleiteten Dampf wird die Mischung in Hitze erhalten, bis unter fleißigem Umrühren nach etwa 48 Stunden die Knochenmasse völlig zersetzt ist. Die Masse besteht nun aus einem Bodensatz von Gips und aus einer (gipshaltigen) Lösung von saurem phosphorsaurem Kalk. Man trennt die Flüssigkeit klar vom Niederschlage und dampft sie bis auf einen bestimmten Grad ein, wobei noch viel Gips ausgeschieden wird, den man absetzen lassen und von der Lösung trennen muß. Es wird dann die Lauge bei einer Dichte von 50° B. mit dem vierten Teil ihres Gewichts grob gepulverter Holzkohle gemischt und dann weiter unter stetem Rühren eingedampft, bis die Masse nur noch wenig feucht ist. Die Masse wird nun in thönerne Retorten gefüllt, flaschenförmige Gefäße mit langem, gekrümmtem Halse, die in einen sog. Galeerenofen reihenweise so eingesetzt werden, daß die Hälse zu beiden Seiten herausragen. Jeder Hals mündet in eine thönerne oder kupferne, mit Wasser halb gefüllte, Vorlage, welche noch mit einer zweiten ebensolchen verbunden ist. Die letztere hat ein offenes kurzes Rohr, durch welches die bei der Destillation entstehenden brennbaren Gase, Kohlenoxydgas und Phosphorwasserstoffgas, entweichen. Die Retortenhälse dürfen nicht in das Wasser der Vorlagen selbst eintauchen. Die Erhitzung der Retorten beginnt allmählich; es entwickelt sich zuerst Luft und Wasserdampf, dann Kohlenoxyd und Kohlenwasserstoff, bis eine an der Mündung der zweiten Vorlage erscheinende zweite Flamme anzeigt, daß der P. zu destillieren anfängt. Die Erhitzung wird bis zur Rotglut der Retorten gesteigert und so lange darin erhalten, bis nach ein paar Tagen alle Gasentwickelung aufgehört hat, also auch kein P. mehr übergeht. Hierbei entzieht die zugesetzte Holzkohle der Phosphorsäure den Sauerstoff, sodaß P. frei wird.

Von dem sauren phosphorsauren Kalk werden nur zwei Drittel durch die Kohle zersetzt und daraus wird der P. abgetrieben; der Rest ist eben der nicht einbringliche Teil. Die unzersetzte Phosphorsäure bildet mit dem Kalk wieder denselben basischen phosphorsauren Kalk, wie er in den Knochen enthalten ist. Phosphorsäure für sich allein kann durch Kohle gar nicht zersetzt, d. h. ihres Sauerstoffs beraubt werden, weil sie früher flüchtig