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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Plattierte Waren

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Platin - Plattierte Waren

andern stark wirkenden Agentien. Die größten Platingeräte sind die schon erwähnten Schwefelsäurekessel; in chemischen Laboratorien sind Tiegel, Retorten, Abdampfschalen, Bleche zum Einäschern organischer Substanzen und zur Prüfung von Flüssigkeiten auf einen Rückstand, sowie Drähte unentbehrlich. Indes verlangt auch das P. hierbei gewisse Rücksichten: chlorhaltige Stoffe z. B. können nicht darin geglüht werden, weil das Chlor, das eigentliche, auch im Königswasser wirksame Lösungsmittel für die Edelmetalle, die Gefäße angreifen würde; glühende Kohlen anderseits in direkter Berührung mit dem Metall verderben und durchlöchern es ebenfalls. Ebenso nachteilig sind Brom, Jod, Phosphor, Schwefel, und zum Schmelzen von Metallen taugen Platingetäße auch nicht. In gewöhnlicher starker Weißglühhitze ist das Metall, wenn auch nicht schmelzbar, doch weich, schmied- und schweißbar. In Rußland wurden früher einmal Münzen, Drei-, Sechs- und Zwölfrubelstücke, daraus geprägt, die aber wieder eingezogen sind, weil der darin festgesetzte Preis sich nicht aufrecht erhalten ließ. P. läßt sich gut zu Drähten ausziehen und zwar unter Anwendung eines gewissen Kunstgriffs zu den denkbar feinsten. Man umgibt einen stärkern Platindraht mit einer dicken Hülle von Silber und zieht diese Stange zu feinem Draht aus. Bringt man denselben in Scheidewasser, so löst sich das Silber und es verbleibt ein Platindraht von mikroskopischer Feinheit. Die Drähte haben mancherlei Anwendung, unter anderm bei Sprengungen mittels des galvanischen Stroms, bei welchen ein feines, in die Leitung geschaltetes Drähtchen, das durch den Pulversatz geht und durch den Strom ins Glühen versetzt wird, die Entzündung bewirkt. In der Zahntechnik wird P. in Legierungen mit Gold oder Silber zu künstlichen Gebissen u. dgl. benutzt. Auch Platinierungen auf galvanischem Wege auf Kupfer und andre Metalle werden mitunter angewandt. Das metallische P. wird noch in einer andern Form, als höchstfeines schwarzes Pulver, Platinmohr oder Platinschwarz, verwendet. Es kann auf verschiedne Weise dargestellt werden. Mischt man die Auflösung in Königswasser mit heißer Ätzkalilauge und setzt nach und nach Weingeist zu, so fällt das Platinschwarz heraus. Ebenso wird dasselbe erhalten, wenn das Metall mit zwei Teilen Zink zusammengeschmolzen, die spröde Legierung gepulvert und das Zink mit verdünnter Schwefel- und Salpetersäure ausgezogen wird. Das Zurückbleibende ist Platinschwarz. Man benutzt dieses technisch anstatt des kompakten P. zum äußerlichen Überziehen von Schalen aus Kupfer oder Porzellan mit einer Platinschicht, die dann häufig an Stelle massiver Geräte gebraucht werden können, oder, um den eisernen Kunstgußsachen einen angenehmen Farbeton zu geben. Das P. ist gegenüber dem Zink (nächst der Kohle) der stärkste Elektrizitätserreger und bildet daher für gewisse Konstruktionen starker und kompendiöser Batterien einen Bestandteil. Die merkwürdige Eigenschaft des feinzerteilten Metalles, in Form von Schwamm, und mehr noch von Mohr, große Mengen von Sauerstoff aus der Luft in seinen Poren zu verdichten und dadurch in einen weit aktivem Zustand zu versetzen, findet sich zwar auch an andern porösen Körpern, doch nicht in so hohem Grade. Schwamm und Mohr sind daher die stärksten Oxydationsmittel, ohne sich dabei selbst zu verändern. Hieraus erklärt es sich, daß am Döbereiner Feuerzeug der Wasserstoffstrahl am Schwamm entzündet wird und zu Wasser verbrennt, und daß darüber geleitetes schwefligsaures Gas sich in Schwefelsäure, Weingeistdampf in Essigsäure, Ammoniakgas in Salpetersäure verwandeln. - Der Preis des Metalls beträgt gegenwärtig etwa das Fünffache des Silber- und ein Drittel des Goldwertes. Fabriken, welche das Metall zu Blasen, Kesseln, Tiegeln etc. verarbeiten, befinden sich in Petersburg, London, Paris, Hanau. - Die Auflösung des P. in Königswasser ist die gebräuchliche Lösung, das Platinchlorid, dem Goldchlorid entsprechend, und eine ebenso gelbrote Flüssigkeit wie dieses. Zur Trockne eingedampft bildet es eine salzartige Masse, von der 100 g etwa 48 Mk. kosten. Man verwendet es als chemisches Reagens und auch technisch, in der Photographie statt des Goldes zum Dunklermachen und Tönen der Bilder, zum Platinieren auf galvanischem Wege, auf Porzellan und Steingut zur Erzeugung einer Art Versilberung, nicht so brillant wie die echte und mehr ins Graue fallend, aber weit haltbarer. Neuerdings platiniert man in ähnlicher Weise wie Porzellan auch Glastafeln und stellt dadurch gute und wohlfeile Spiegel her. Man arbeitet das Chlorid mit Lavendelöl und einem bleihaltigen Flußmittel zu einer Masse zusammen, mit der man die Tafeln überzieht und nach dem Trocknen in Muffeln brennt. Die spiegelnde Metallfläche liegt frei auf der vordern Seite des Glases, weshalb die andre nicht poliert zu sein braucht. - Zoll s. Palladium. Hinzugefügt wird, daß Retorten, Tiegel etc. nicht zu den Instrumenten zu rechnen und deshalb nach Nr. 20 a zollpflichtig sind. Platinschwamm und andre chemische Verbindungen sind zollfrei.

Plattierte Waren sind Metallgegenstände, welche aus einem geringwertigen Metalle bestehen, das mit einem Blättchen oder mit dünnem Blech eines wertvolleren Metalles und einer Legierung überzogen ist. Kupfer oder Neusilber bilden meist den Körper, Silber, seltener Gold, die Decke. Das Plattieren, welches vor 140 Jahren in England aufkam, hat sehr an Bedeutung verloren seit Einführung des Neusilbers und der vernickelten Waren, seit dem Auftreten der galvanischen Versilberung etc. - Meistens werden die zur Herstellung plattierter W. bestimmten Bleche von unedlem Metall gleich mit etwa papierdicken Silberblättern belegt, indem man das Blatt über die Ränder der Platte umbiegt, beides über Kohlenfeuer glüht und durch Anreiben, später durch mehrmaliges Walzen im glühenden Zustande die feste Verbindung herstellt. Diese Platte läßt sich dann noch weiter kalt auf Walzwerken ausstrecken. Die Silberlage beträgt dem Gewicht nach 1/40-1/10 des Ganzen. Eiserne, nicht aus Blech bestehende Gegenstände wie Teile von Wagengeschirren und Reitzeug, Thürgriffe, Eßbestecke u. dgl. wurden früher