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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rauhkarden; Raute

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Rauhkarden - Raute

Chinchilla, Affenfelle. Zudem versteht die Kunst heute viel besser der Natur nachzuhelfen wie früher; das Bearbeiten, Färben, Rupfen und Schuren der Felle ist eine große Industrie geworden, die namentlich in der Umgegend von Leipzig Tausende von Arbeitern lohnend beschäftigt. Das Färben ist nicht mit dem sog. Blenden der Waren, d. h. natürlicher Farbe einen höhern Glanz oder dunklere Nüancen zu geben, zu verwechseln. Die Färberindustrie ist namentlich in den letzten Jahren durch die Mode, die fast durchweg tief schwarz oder tiefdunkelbraun verlangt, Farben, die bei natürlichen Fellen nur wenig vorkommen, groß geworden. -

Ein nicht zu ändernder Umstand ist aber die fortgehende Verteuerung der Waren. Die Preise sind in dem Zeiträume von 1720 bis 1820 durchschnittlich auf das Doppelte, seitdem aber reichlich auf das Dreifache gestiegen. -

Da die einzelnen Arten der gangbaren Pelzfelle in unserm Buche an ihrer alphabetischen Stelle aufgeführt sind, so haben wir dieselben hier in der Reihenfolge ihrer Zusammengehörigkeit nur namhaft zu machen: Zobel, Nörze, Marder, Iltis, Hermelin, Grauwerk, Bisam, Hamster, Chinchilla, Füchse, Schuppen (Waschbären), Skunks, Opossum, Bären, Luchse, Wölfe, Vielfraß, Dachs, Biber, Otter, Seehunde, Koipu, Hasen, Kaninchen, Katzen, Lämmer, Affen, Federpelze. - Zoll: Felle zur Rauchwarenbereitung sind gemäß Tarif Nr. 12 b zollfrei; R. s. Tarif Nr. 28 a u. 28 b.

Rauhkarden (Weberkarden, frz. foulons, chardons; engl. drapers thistles, fuller's th., holl. kaardendistel, ital. cardo, cardone, scardone), die getrockneten walzenförmigen Blütenköpfe der sog. Weberdistel (Dipsacus fullonum), Familie der Dipsaceen oder Kardengewächse. Der Blütenkopf, oder das, was nach der Blüte übrig bleibt, ist eine Zusammensetzung von steifen Deck- oder Spreublättern, zwischen denen die Blüten standen. Diese Organe sind bei der in Rede stehenden Art mit ihrer scharfen Spitze hakenförmig umgebogen und eignen sich daher vorzüglich als kratzendes Instrument zum Aufrauhen roher Tücher und überhaupt Wollwaren nach der Walke, um sie zum Scheeren vorzubereiten, eine Benutzung, die schon bei den Tuchmachern im alten Rom üblich gewesen zu sein scheint.

Der bei uns an wüsten Stellen, Graben- und Waldrändern nicht selten wildwachsende Dipsacus silvestris gleicht im Habitus der Weberkarde, ist aber unbrauchbar, da seine Grannen nicht zu Häkchen umgebogen sind. Die echte Weberdistel ist in Südeuropa zu Hause und die Gebrauchsware wird dort, sowie auch jetzt in andern Ländern auf Feldern angebaut. Sie gedeiht am besten auf kalkhaltigem Lehmboden (Mergel) in wärmern Gegenden (Weinklima), weil da die Köpfe länger und die Häkchen dauerhafter werden. Die beste Sorte wird in Frankreich in der Gegend von Avignon gebaut, außerdem um Rouen und Sedan; die Rouener haben vor denen von Avignon noch den Vorzug, daß sie wenig bauchig geformt sind. Von der französischen Ware kommt wenig in den Handel; ebenso ziehen England, die Niederlande, Italien nur ihren eigenen Bedarf. Das in Österreich und Deutschland gezogene Gewächs gilt für weniger gut, verrichtet aber seinen Dienst auch. In Deutschland betreibt man den Anbau in Franken, Thüringen, Schlesien, am Rhein, bei Halle und Magdeburg, in Sachsen in der Lommatzscher Gegend.

Es werden nach dem Abblühen die Köpfe mit 5-6 cm des Stiels abgeschnitten, im Schatten getrocknet, in Bündel von 25-100 Stück gebracht und in Säcken oder Fässern versandt, in Deutschland je 1000 Stück in Paketen à 25 Stück gepackt. Man sortiert sie nach der Größe in kleine, mittlere und große. In England packt man ebenfalls jede Sorte für sich und unterscheidet Kings, middlings, queens, buttour und scrubs; ein Pack Kings enthält circa 9000 Stck., ein Pack middlings 20000 Stck. In Frankreich unterscheidet man 10 Qualitätsnummern. Die gelagerte Ware ist besser als frische, da bei jener die Häkchen noch mehr Festigkeit erhalten.

Für den Gebrauch werden die Karden zur Handrauherei gewöhnlich zu 16 Stück auf eine Art Rahmen befestigt, der mit beiden Händen geführt wird; bei den Rauhmaschinen besetzt man damit den Umfang einer Trommel von etwas größerer Breite als das Tuch, an welche dieses angehalten wird, während sie rasch umläuft. Die zu rauhenden Stoffe sind völlig durchnäßt; das Rauhen geht immer in einer Richtung fort und die von den Häkchen hervorgezogenen Fasern liegen daher alle in einem Strich. Die Karden werden natürlich gewendet, um sie allseitig zu benutzen. Sie erweichen durch die Nässe und greifen nach einiger Zeit nicht mehr, werden aber durch Austrocknen wieder brauchbar, bis sie endlich abgenutzt sind.

Die Stauden geben von 40 bis 60 Köpfe, 1 ha 120000-350000 Stück. Der Preis schwankt, je nach Jahrgang, von 2 bis 6 Mk. für 1000 Stück. Auf sechs Jahre rechnet man zwei schlechte Ernten. In Frankreich geht der Ertrag zurück; 1869 bezifferte er sich noch auf 30-31 Mill. Frcs., 1875 nur auf 4,6 Mill. Frcs., oder zusammen 17,4 Mill. kg. Deutschland bebaute 1880 nur 173,6 ha, Österreich gab an 100 Mill. Stück; Deutschland führte bislang einige Hunderttausend kg aus, und zwischen 15 und 20000 Ztr. zu 33-44 Mk. ein. - Zollfrei.

Raute (frz. rue; engl. rue). Die Gartenraute (Ruta graveolens), der Typus der natürlichen Familie der Rutaceen, ist ein auf Gebirgshängen des südlichen Europa und zum Teil auch Süddeutschlands wildwachsender Halbstrauch, der aber in unsern Gärten gut fortkommt und sich durch Wurzelteilung, Stecklinge und Samen vermehren läßt. Die frischen Blätter, die zuweilen als Gewürz an Salat oder auf Butterbrot genossen werden, haben einen durchdringenden widrigen Geruch, brennenden und bitterlichen Geschmack. Das riechende und schmeckende Prinzip ist ein ätherisches Öl, das in allen Teilen der Pflanze abgelagert ist. Durch das Trocknen werden Geruch und Geschmack sehr abgemindert. Die getrockneten Blätter, zum Teil auch das ganze Kraut, werden in den Apotheken als herba rutae geführt. Man bereitet aus denselben