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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Rhodanammonium

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Rhabarber - Rhodanammonium

hält nicht nur Gutes und Schlechtes durcheinander, sondern ist überhaupt geringer und noch dazu häufig durch schlechte Behandlung, vielleicht zu frische Verpackung, fehlerhaft, grau, braun, schwammig etc. Die chinesische Ware besteht meistens nur aus mittel und ordinär, untermengt mit guten Stücken, und Sache der Droguenhandlungen ist es, aus der Masse das beste und das den Anforderungen der Pharmazie leidlich entsprechende auszusondern und zurechtzuputzen (mundieren). Man arbeitet dabei möglichst auf Gewinnung guter Wurzeln für den Verkauf in Stücken, aber auch die Mundierungsabfälle von solchen haben Wert und dienen zur Darstellung von Tinkturen und Extrakten. Die russische Ware erhielt man in oben und unten abgestutzten, kegelförmigen Stücken oder in Form von Längsschnitten einer größeren Wurzel, welche auf einer Seite flach, auf der andern gewölbt sind. Die Stücke waren stets ganz geschält und fühlten sich rauh an, weil sie gegenseitig abgerieben wurden.

Auf dem Bruche oder Durchschnitt ist der Grund der R. weiß mit roten Streifen und geschlängelten Adern. Je stärker diese rote Marmorierung hervortritt, desto besser ist die Ware, vorausgesetzt, daß sie dabei auch schwer und kompakt, nicht schwammig, daher auch kurzbrüchig und auf dem Bruche feinkörnig ist. Bei der russischen Ware hatten die größeren Stücke eine durchgehende Bohrung, die zum Anreihen behufs des Trocknens gedient hatte, und in der Regel noch eine zweite, trichterförmige, nur bis ins Innere gehende, herrührend von dem Bohrinstrument des Prüfungskommissars.

Die chinesische Ware bildet Stücke von verschiedner Größe; es sind walzenförmige, durch das Schälen kantige Rundstücke, mit einem Bohrloch für die Aufhängeschnur, zum größten Teil aber platte Stücke ohne Durchlochung, nur unvollständig geschält. Bei allen chinesischen Wurzeln tritt die rote Marmorierung, das Zeichen des Gehaltreichtums, schwächer hervor, nicht so gedrängt als bei den russischen; sie geben ein hochgelbes Pulver, jene ein dunkelgelbes. Geruch und Geschmack der R. ist eigentümlich aromatisch, letzterer dabei bitter; beim Kauen wird der Speichel gelb gefärbt und die Masse knirscht zwischen den Zähnen, infolge des Vorhandenseins von Kristallen oxalsauren Kalks. Die chinesischen Wurzeln riechen stärker und ihr Geschmack ist mehr widerwärtig, sie färben den Speichel gelb. Der Hauptausfuhrhafen für chinesischen R. ist jetzt fast nur noch Shanghai; aus Canton kommt nicht mehr viel.

Man unterscheidet zwei Hauptsorten, wilden oder Shansirhabarber, welcher auf den Bergen in der gleichnamigen chinesischen Provinz wildwachsend geerntet wird und im März oder April in Shanghai an den Markt kommt, und kultivierten oder Szchnen-Rhabarber, der im Oktober geerntet wird. Man bezieht die Ware über London und sortiert sie in ganz geschälte (1/1 mundierte) und teilweise geschälte (½ und ¼ mundierte). Sie soll von Rheum palmatum und Rheum undulatum abstammen. Die Wurzel enthält verschiedne, chemisch interessante Stoffe, ein Glucosid Chrysophan, eine gelbe, kristallisierbare Säure (Chrysophansäure), eine eigentümliche Gerbsäure, ferner Emodin, Erythroretin, Phäoretin, Cathardinsäure, oxalsauren Kalk etc. Sie wirkt infolge ihrer verschiednen Bestandteile sowohl adstringierend (und zwar vorwiegend) als purgierend, kann also in kleinen Gaben zur Stillung von Durchfällen, in größeren zur Erregung von solchen benutzt werden; sie wird übrigens gegen vielerlei Unregelmäßigkeiten des Verdauungssystems, gegen Leber- und Milzleiden, Skrofeln etc. verwendet. Man gebraucht von der Wurzel ein wässeriges, eingetrocknetes Extrakt, eine wässerige und eine weinige Tinktur und einen Rhabarbersirup. Die Präparate dienen auch häufig als Hausmittel. -

Der chinesische R. kommt in den Handel in Kisten von dünnem Holz, innen meist mit Blei ausgelegt, mit grünem Papier überzogen, das mit chinesischen Charakteren bemalt ist. Die Einfuhr in Hamburg bewegt sich in der Nähe von 500 Ztr. Da die Ware sehr gemischt ist, so sind die Preisansätze der Droguisten, welche sie erst sondern müssen, auch ziemlich verschieden; sie betragen etwa 4, 6, 8, 10 und 14 Mk. pro kg; österr. 3 Mk. -

In Europa wird Rhabarber, um der Wurzeln willen, in Frankreich, England und Österreich gebaut, und zwar in Mähren und an der ungarischen Grenze, namentlich bei Austerlitz; er wird sorgfältig geschält, getrocknet und sehr wohlfeil verkauft. Die Wurzeln sind den chinesischen in Aussehen und Form ziemlich ähnlich, die Wirkungen dagegen bei jeder europäischen Ware schwächer. Sie haben für Veterinärzwecke guten Abgang, in Italien und dem Orient auch für Menschen. Die englische Ware, stärker wirkend, zeichnet sich aus durch ein schönes Äußere und schöne rote Marmorierung im Innern; sie ist nur in der Masse etwas lockerer, als die echte. -

Eine Drogue, welche nur dem Namen nach hierher gehört und keine medizinische Bedeutung mehr hat, ist der Mönchsrhabarber (s. d.). Der pontische Rhabarber (falsche Rhabarber), obgleich von der offizinellen Liste gestrichen, ist immer noch ein gesuchter Handelsartikel zum tierärztlichen Gebrauch und ebenfalls ein Gast in unsern Gärten und Anlagen; die Wurzeln sind mehr schwammig, rot oder braun, von schleimigem und herbem Geschmack. An Bestandteilen sind sie den echten nicht ungleich, wohl aber in den Mengenverhältnissen derselben. - Zoll: R. ist zollfrei. Alkoholhaltige Tinkturen werden gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a, Rhabarberwein gem. Nr. 25 e 1 oder 2 verzollt. Nichtalkoholartige R.-Präparate sind zollfrei.

Rhodanammonium (Schwefelcyanammonium, Ammoniumsulfocyanid, Schwefelcyanschwefelwasserstoffammoniak, Ammoniumrhodanat, Ammonium rhodanatum), ein Artikel des Chemikalienhandels, kleine, weiße, an der Luft leicht feucht werdende und dann zerfließende Kristalle ohne Geruch, in Wasser und in Weingeist leicht löslich. Man verwendet dieses Salz bei der Bereitung von künstlichem Senföl und in der Zeugdruckerei. Die Fabrikation des R. erfolgt durch Einwirkung von Ammoniak auf