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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Sandriedgraswurzel; Sandstein; Santonin

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Sandriedgraswurzel - Santonin

Wohlgeruchs willen als Räuchermittel und zu Parfümerien benutzt. Die Chinesen beziehen bedeutende Mengen des Holzes zu Räucherwerk und als Nutzholz; außerdem ist es für Indien und für Europa eine stets gesuchte Ware. Das zu uns kommende Holz bildet gewöhnlich nur armdicke, 6-9 dm lange, glatt geschälte Scheite, an denen der Splint weißgelblich, der Kern gelb ist. Es kommt aber neuerdings auch Holz aus Amerika von nicht genannter Herkunft; es ist zu vermuten, daß der Baum dorthin, vielleicht auf die westindischen Inseln, aus Ostindien verpflanzt worden ist, da die Umstände zu solcher Spekulation wohl einladen können. Das Holz wird jetzt hauptsächlich benutzt, um das ätherische Öl daraus zu destillieren, indem man über das zerschnittene und in Wasser gequellte Holz direkten Dampf gehen läßt. Die Ausbeute ist etwa 1½%. Das Öl kostet in Leipzig 45 Mk. pro kg; es kommt auch Öl direkt aus Ostindien. Es ist gelblich weiß, sehr dickflüssig und schwerer als Wasser; sein starker Geruch ist eigentümlich fein und balsamisch, sehr lang anhaltend und nur in großer Verdünnung angenehm. Man benutzt es besonders zu Taschentuchparfüms und zum Parfümieren von Seifen. - Zoll: S., rotes in Blöcken oder gemahlen, zollfrei. Das Farbholzextrakt daraus gem. Tarif Nr. 5 e; weingeistige Auszüge daraus Nr. 5 a. S., gelbes gem. Tarif Nr. 13 c. Ätherisches Öl Nr. 5 a.

Sandriedgraswurzel (Sandseggenwurzel, deutsche Sassaparille, rhizoma Caricis, radix Caricis arenariae). Das Sandriedgras oder die Sandsegge (Carex arenaria) ist auf dem Küsten- und Dünensand der Nord- und Ostsee, sowie landeinwärts auf unfruchtbarem Sandboden gemein und nützt durch die sehr langen Kriechwurzeln, welche dem lockern Sande einige Bindung geben. Die Wurzeln oder Ausläufer werden im Frühjahr gesammelt und getrocknet und in circa 2 m langen Bündeln zum Verkauf gebracht. Sie sind etwa federkieldick, außen hellbräunlich, innen weiß, durch Knoten gegliedert; von diesen gehen die kleinen fadenförmigen Wurzeln aus. Frisch hat die Wurzel einen harzig balsamischen Geruch, der beim Trocknen verschwindet. Der Geschmack ist beim Kauen süßlich und schwach bitter. Die Drogue dient offizinell als blutreinigendes Mittel unter Holzthee. - Zu unterscheiden ist hiervon die Wurzel des rauhen Riedgrases (Carex hirta), welche auch hier und da gesammelt wird. Sie sieht äußerlich rotbraun aus, heißt daher auch rote Queckenwurzel und bildet kürzere Stücke, sodaß die Bündel daraus nur 6 dm lang sind. Dieses Riedgras hat eine größere örtliche Verbreitung als die vorige Art und ist in Süd- und Mitteldeutschland auf Wiesen, an Weg- und Grabenrändern gemein. - Zollfrei.

Sandstein (frz. grès, engl. sand-stone), zu den Sedimentgesteinen gehörige Gebirgsarten, kommen nach Farbe, Härte und Nebenbestandteilen sehr verschieden vor, bestehen aber immer, als alte wieder zusammengebackene Sandlager, aus feinern oder gröbern Quarzkörnern, die durch irgend ein zwischengelagertes Bindemittel zusammengehalten sind. Je nach diesem Zwischenmittel unterscheidet man thonigen, mergeligen, kalkigen, kieseligen S.; der letztere ist der härteste und beste. Der Farbe nach gibt es ganz weiße, verschiedentlich graue, gelbliche, grünliche, rote, zuweilen bis zum tiefsten Eisenrot. Eisenoxyd ist auch in der That der färbende Bestandteil der roten und gelblichen Steine. Öfter sind die Steine durch abwechselnde verschiedenfarbige Lagen streifig oder geädert. Die Steinart wird bekanntlich viel als Baumaterial gebraucht, wenn sie dazu hart genug und nicht zu wasserziehend ist, da der Stein sonst durch Fröste leicht zerstört wird. Die harten und scharfkörnigen Varietäten dienen zu Mühl- und Schleifsteinen und werden in dieser Form oft weit versendet. Als Baumaterial können Sandsteinquader nur da füglich in die Ferne gehen, wo Flüsse und Ströme wohlfeilen Transport gewähren. Dies ist namentlich der Fall mit dem guten S. der sächsischen Schweiz (Quadersandstein), welcher als Pirnaer seit Jahrhunderten die Elbe hinab nach dem Norden Deutschlands geht. Sehr guter S. mit Gelegenheit zum Wassertransport findet sich unter anderm auch in den Moselgegenden bei Trier. Die feinen und dichten Steine dienen bekanntlich auch zu Stein- und Bildhauerarbeiten, wie Thür- und Fenstersimse, architektonische Verzierungen, Denkmäler und Statuen. Auch gewisse thonige Sorten, die sonst weder zu baulichen, noch andern Zwecken dienlich sind, haben einen Wert und eine Verwendung, wegen welcher sie oft weit verschickt werden. Sie dienen nämlich wegen ihrer Feuerfestigkeit als sog. Gestellsteine, d. h. zum Ausbau der heißesten Teile an Eisenhohöfen ^[richtig: Eisenhochöfen]. - Zoll s. Porphyr.

Santonin (Santoninsäure, Santonsäureanhydrit, Santoninum), der wirksame Bestandteil des sog. Wurmsamens (s. d.), aus welchem es fabrikmäßig dargestellt und in großen Mengen als sehr wirksames Mittel gegen die Spulwürmer der Kinder verwendet wird. Behufs Gewinnung des S. wird der Wurmsamen mit verdünnter Kalkmilch ausgekocht und die so erhaltene Lösung des santonsauren Kalks mit verdünnter Salzsäure zersetzt, wodurch das S. ausgefällt wird. Das gleichzeitig mit abgeschiedene Harz trennt man durch Behandlung mit heißem amoniakalischem Wasser und kristallisiert das noch gefärbte S., nach Behandlung seiner alkoholischen Lösung, mit Tierkohle aus Alkohol um. Die Ausbeute beträgt 1,8-2,3% des Wurmsamens. Man erhält so das S. rein, in schön glänzenden, weißen, tafelförmigen Kristallen; es ist geruchlos und geschmacklos, schmeckt aber in alkoholischer Lösung stark bitter. In Wasser ist das S. nur äußerst wenig löslich, gegen Lackmus ist es indifferent. Das S. ist als das Anhydrit einer Säure zu betrachten, die man Santonsäure nennt, ist demnach wasserfreie Santonsäure. Im zerstreuten Tageslichte, schneller im direkten Sonnenlichte, färbt sich das S. gelb; man muß daher dieses Präparat in schwarzen Gläsern im Dunkeln aufbewahren. Das Hydrat des S., die Santonsäure, färbt sich dagegen im Sonnenlichte nicht gelb.