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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Schieferöl; Schieferschwarz; Schierlingskraut; Schießbaumwolle

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Schieferöl - Schießbaumwolle

gar nicht im Betriebe, finden sich noch in manchen Gegenden, im Voigtlande, in Böhmen, Österreichisch-Schlesien, Mähren etc. Guter Dachschiefer muß vollständig ebenflächig, glatt und möglichst dünn sein, damit die Tafeln das Dach nicht zu sehr belasten; auf dem Querbruche muß der S. genügend dicht sein und darf keinen eingesprengten Schwefelkies enthalten, weil solcher S. leicht verwittert. - Zoll: Rohe oder bloß behauene Schiefersteine sind zollfrei. Dachschiefer, rohe Schieferplatten und roher Tafelschiefer gem. Tarif im Anh. Nr. 33 b. Gespaltene, gesägte oder sonst bearbeitete Schieferplatten, Schiefertafeln in Rahmen von Holz, Waren aus S. ohne Verbindung mit andern Materialien oder nur in Verbindung mit Holz oder Eisen ohne Politur und Lack Nr. 33 d 1; Schieferwaren in Verbindung mit andern, als den vorgenannten Materialien Nr. 33 d 2. (Vgl. auch Tarif Nr. 20.)

Schieferöl; so nennt man die Öle, welche durch trockne Destillation aus bituminösen, d. h. von Erdharzen oder Erdölen durchdrungenen Schiefern gewonnen werden. Die Produkte sind Kohlenwasserstoffe, die sich als Brennöle verwerten lassen und dem Petroleum ähnlich sind; die Destillation solcher Öle wird oder wurde unter anderm zu Autin in Frankreich, hier und da in den Rheingegenden (z. B. bei Bonn), zu Reutlingen im Württembergischen betrieben, seit dem Aufkommen des Petroleums dürfte jedoch diese Industrie, die nicht so wohlfeil produzieren kann, wohl ziemlich unrentabel geworden sein. - Zoll s. Petroleum.

Schieferschwarz (frz. noir de chiste; engl. slate-black), eine wohlfeile Anstreichfarbe, welche aus groberdigem, zerreiblichem, durch Kohlegehalt schwarzem Schieferthon, sog. schwarzer Kreide, durch Mahlen hergestellt wird. Sie findet sich am besten in der Gegend von Rennes in Frankreich, ferner auch bei Saalfeld u. a. O. - S. roh und geschlemmt, zollfrei.

Schierlingskraut (lat. Conium maculatum, frz. conium maculé oder la grande ciguë, engl. spotted-hemlock). - Von dieser, zu den Doldengewächsen gehörenden Pflanze sind die getrockneten Blätter offizinell und im Droguenhandel unter dem Namen herba conii maculati oder herba cicutae bekannt, dürfen aber im Kleinverkehr nicht verkauft werden. Dieses zweijährige Gewächs siedelt sich gern in der Nähe von Ortschaften, an Zäunen, Wegen, auf Schutthaufen wie in fruchtbarem Lande an und erreicht 9-12 dm Höhe, auf günstigem Standorte noch mehr. Die Pflanze hat einen runden, hohlen, bläulich bereiften Stengel, der nach oben stark verästelt, an seinen untern Partien wie an denen der stärkern Äste und den Blattscheiden aber mit dem Artmerkmal, der Punktierung mit rotbraunen oder purpurroten Flecken versehen ist (gefleckter S.). Die stark zerteilten Blätter haben fast ganz den Zuschnitt wie die der Petersilie; die im zweiten Jahre erscheinende Blütendolde ist weiß. Alle Teile der Pflanze sind übrigens glatt, ohne Härchen und sonstige Anhängsel, was zur Unterscheidung von andern, ihr ähnlichen Gewächsen dienen kann. Das Kraut ist vor der Blütezeit einzusammeln, von den dickern Stengeln zu befreien und rasch zu trocknen. Frisch zerrieben riecht das Kraut widerwärtig und fast betäubend nach Mäuse- oder Katzenurin und schmeckt ekelhaft süßbitterlich; scharf getrocknet ist der Geruch schwächer. Alle Teile der Pflanze, auch die Wurzel und die Früchte, sind sehr giftig. Sie enthalten zwei eigentümliche giftige organische Basen, das Coniin (s. d.) und das Conhydrin oder Conydrin, von denen jedoch nur das erstere im Chemikalienhandel vorkommt. Durch das Trocknen schrumpft das Kraut sehr ein und wird dunkelgraugrün. Es muß wegen leichter Verderbnis gut aufbewahrt und alle Jahre erneuert werden. - Das gepulverte Kraut sowie Extrakte und Tinkturen davon werden in sehr kleinen Gaben innerlich medizinisch verwendet. Ebenso hat man auch ein Schierlingspflaster. Die Schierlingsfrüchte, fälschlich Schierlingssamen (fructus conii maculati) genannt, sind durch fünf auf der Wölbung des Rückens befindliche erhabene helle Riefen charakterisiert, die wellenförmig gekerbt sind; hierdurch unterscheiden sie sich leicht von andern ähnlichen Früchten, z. B. Kümmel, Fenchel. Man benutzt die Früchte des S. zur Darstellung des Coniins. Eine andre Doldenpflanze, der sog. Wasserschierling, Cicuta virosa, wird jetzt nicht mehr medizinisch verwendet. - Zoll: S.kraut, -wurzeln, -samen sind zollfrei. Weingeistiges Extrakt gem. Tarif Nr. 5 a. Wässeriges Extrakt, sowie S.pflaster sind zollfrei.

Schießbaumwolle, eine deutsche Erfindung, mit welcher 1846 Schönbein in Basel und Böttcher in Frankfurt a/M. fast gleichzeitig auftraten und die bei ihrem Erscheinen das allgemeinste Interesse wie kaum eine andre Erfindung auf chemischem Gebiete erregte. Die enthusiastischen Hoffnungen, in der S. einen nach jeder Richtung hin vortrefflichen Ersatz für das Schießpulver gefunden zu haben, sind nur zu einem Teile verwirklicht worden. S. wird bei Feuerwaffen nicht mehr verwendet, dient aber noch vielfach zum Sprengen und zur Füllung der Torpedos. Das Präparat entsteht bei Einwirkung starker Salpetersäure auf Holzzellstoff. Die Baumwolle, durch Krempeln gereinigt, bietet diesen Stoff in sehr reiner Beschaffenheit und passender Form. Zur Darstellung der Schießwolle wird die Baumwolle in ein Gemisch von Salpeter- und Schwefelsäure eingebracht, eine passende Zeit darin belassen und dann aufs Sorgfältigste durch Waschen mit vielem Wasser von aller anhängenden Säure befreit. Die Baumwolle hat nach dieser Behandlung ihr Aussehen nicht geändert, fühlt sich nur härter oder rauher an, ist aber doch ein ganz andrer Körper geworden, was sich schon aus dem Gewicht entnehmen läßt, denn 100 Teile Wolle wiegen nach ihrer Umwandlung 150 und noch mehr. Die Salpetersäure hat aus dem Zellstoff einen Teil des Wasserstoffs eliminiert, indem der in ihr enthaltene Wasserrest (OH) sich mit demselben zu Wasser verband. Gleichzeitig ist dann der Rest der Salpetersäure (NO_{2}) an die Stelle dieses Wasserstoffs in die Verbindung eingetreten. Die Schießwolle ist demnach ein ganz ebensolcher