Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Sepia; Serge

524

Sepia - Serge

dem gröblich Abgesiebten wieder den Staub absiebt. Möglichst frische Ware, bei der die Blätter noch zäh, grünlich, ohne Flecken und Bruch sind, wird natürlich am meisten gesucht. Neben der mangelhaften ägyptischen hat sich in letzterer Zeit eine ostindische Sorte beliebt gemacht und wird in zunehmendem Maße eingeführt: die Tinnevelly-Senna. Sie soll von C. medicinalis stammen, die in der Gegend von Kalkutta auf Plantagen kultiviert wird. Es ist dies die reinste Ware ohne fremde Bestandteile, mit den größten grünen oder bräunlichgrünen Blättern von zäherer Beschaffenheit und weniger zum Bruch geneigt, als die Alexandriner, steht aber hinsichtlich ihrer Wirksamkeit den letztem nach. Deutschland bezieht diese Ware über England. -

Die S. riechen eigentümlich aromatisch, aber nicht angenehm, und schmecken schleimig und bitter. Verwendet werden dieselben in Pulverform, zu Aufgüssen, in Latwerge und als Extrakt. Die Blätter enthalten als wirksame Bestandteile: Cathartinsäure, Sennapikrin und Cathartomannit, außerdem aber noch andre von harziger Natur, welche ungünstig wirken und Leibschneiden verursachen. Werden die Blätter mit Wasser förmlich gekocht, so gehen diese Stoffe mit an das Wasser über; es ist daher Regel, keine Absude, sondern nur Aufgüsse mit heißem Wasser aus den S. zu machen und sie einige Zeit ziehen zu lassen. Außerdem schreiben mehrere Arzneiverordnungen entharzte Blätter vor, d. h. solche, aus denen jene nachteiligen Bestandteile vor der Anwendung durch Extrahieren mit Weingeist entfernt worden sind. -

Die Ware kommt teils in Ballen, teils in Kisten verpackt. Die der Alexandrinerware gewöhnlich beigemengten fremden Blätter sind die sog. Arghelblätter, von Cynanchum Arghel, einer in Ägypten heimischen Asclepiacee stammend; sie müssen ausgelesen werden und sind leicht zu erkennen, da sie dick, lederartig und runzlig sind und sich infolge beiderseitiger starker Behaarung rauh anfühlen; ihre Farbe ist gelblichgrün oder graugrün. - Zollfrei.

Sepia. Die S., fälschlich Tintenfisch (Sepia officinalis) genannt, nach dem Englischen Blackfisch, ist kein Fisch, sondern ein zu den Kephalopoden (Kopffüßlern) gehöriges Seetier mit sackförmigem weichen Körper, etwa 4½ dm lang, lebt im Mittelmeer und vorzugsweise im Adriatischen Meer, zerstreuter in den übrigen europäischen Meeren, und wird nicht allein wegen des wohlschmeckenden Fleisches, sondern auch wegen zweierlei andrer nutzbarer Dinge gefangen.

Von der Gattung S. gibt es noch mehrere andre Arten, von denen namentlich Sepia elegans und S. biserialis wegen ihres zarten Fleisches sehr geschätzt sind; alle diese Tiere haben acht Fangarme und zwei längere Greifarme, welche letzteren am Ende mit Saugnäpfen besetzt sind. Zur Stütze des weichen Körpers liegt an der Rückenseite, innerhalb der sackförmigen Körperhülle, eine Art länglicher Knochenplatte, deren Substanz wie die der Muschelschalen, in der Hauptsache aus kohlensaurem Kalk besteht. Dieses Rückenschild ist etwas gewölbt, 11-23 cm lang, in der Mitte 6½-9 cm breit, nach beiden Enden schmäler zulaufend und von der Mitte aus nach den scharfen Rändern zu immer dünner werdend. Die Oberseite besteht aus einer sehr dünnen, harten und knochenähnlichen Schicht von gelblichweißer Farbe; die unterliegende dickere Masse ist rein weiß, lockerzellig, blättrig und zerreiblich.

Da diese Stücke sehr leicht sind, so bleiben die von abgestorbenen oder von Raubfischen gefressenen Tieren herrührend auf der See schwimmen und werden nicht selten so gefunden, wie ausgeworfene am Lande gesammelt. Diese gelegentlichen Funde und die Stücke von gefangenen Tieren bilden die Sepiaknochen (os oder ossa Sepiae) des Handels, auch weißes Fischbein genannt. Es wird nur der lockere Bestandteil gebraucht, daher herausgeschabt, gepulvert und gesiebt. Das scharfe Pulver dient besonders zum Schleifen und Polieren feiner Hölzer, zu feinen Gießformen für Goldarbeiter, als Bestandteil von Zahnpulvern etc. -

Der andre nutzbare Bestandteil ist der Tintenbeutel, welcher aus dem gefangenen Tiere sogleich herauszuschneiden und rasch zu trocknen ist. Derselbe bildet einen birnförmigen Sack, erfüllt mit einer dunkeln, undurchsichtigen Flüssigkeit, welche der Tintenfisch durch einen Ausführungskanal willkürlich entlassen und damit das Wasser in seinem Umkreise verdunkeln kann, sei es um sich seiner Beute zu bemächtigen oder selbst einem Verfolger zu entkommen. Diese Substanz besitzt eine so starke Färbekraft, daß 1 Tl. noch 1000 Tle. Wasser undurchsichtig macht. Früher kamen die getrockneten Tintenbeutel selbst oder ihr herausgenommener bröckliger Inhalt unter dem Namen S. in den Handel, während jetzt nur der präparierte und in Täfelchen geformte Farbstoff vorkommt. Die Bereitung geschieht durch Auflösen der gepulverten Masse in Ätzkalilauge und Wiederausfällen mit einer Säure. Der Niederschlag wird gewaschen, mit Gummischleim gemischt und so geformt.

Das Sepiabraun dient als Wasserfarbe. Die Bereitung desselben geschieht in Italien und vorzugsweise in Rom, das die beste Qualität liefert. Von andern Kephalopoden findet man auf den italienischen Fischmärkten hauptsächlich noch den Colmar (Loligo vulgaris, Calamaro der Italiener) und die zierliche Sepiola Rondelettii, welche sich durch besondern Wohlgeschmack auszeichnet. - Zollfrei.

Serge (Sarsche, frz. serge, engl. serge), heißen im allgemeinen mehrere Arten von seidenen, halbseidenen, wollenen und gemischten Geweben, welche mit drei oder vier Schäften geköpert oder mit fünf- oder siebenbindigem Atlas etc. gewebt sind. Die wollenen Sergen dienen in den leichtern Sorten gewöhnlich als Futterzeuge: es gibt und gab indes auch dichte, aus festem Kammgarn gewebte, und solche, die durch einiges Rauhen und Scheeren fast halbtuchähnlich sind. Die bekannteste Sorte aus sehr glattem gutem Kammgarn ist die Serge de Berry. Statt der sonst vorkommenden vielerlei Sorten wollener S. dienen jetzt andre Köperartikel wie Merino, Orleans, Napolitains, Thibets u. dgl. - Unter den Seidenwaren bilden die S. auch hauptsächlich