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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Tabak

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Tabak - Tabak

20) Dombak, sehr fein;

21) Schirmtabak, T. v. Libanon, sehr hoch, Blatt rund, fein, klein, wenig ergiebig;

22) Salonichi, Blätter groß, zahlreich, ertragreich;

23) Schiras, mittellang, gut;

24) Persischer T., in Farbe gering, am Rhein angebaut, gute Qualität;

25) Südamerikanische Sorten, gut in Farbe, fein, Einlage, in Rippen mittelfein; nur für Tropenklima.

III. Soldatentabak, N. glutinosa, reich blühend, Blätter langgestielt, herzförmig, etwas wollig, scharf in Geschmack, geringe Qualität, Rauchgut.

IV. Chinesischer T., N. chinensis, chun, Blätter mittellang, schmal, gut in Farbe, zart, fein, Hauptrippen stark, Nebenrippen feiner; gutes Deckblatt; Geruch angenehm.

V. Riesentabak, N. gigantea Ledebour, in Asien und auch in Europa; Blatt lang, sehr breit, dünnrippig, stark schwindend und brüchig beim Trocknen.

VI. Brasil (Brèsil), Bauern- oder Veilchentabak, N. rustica, wenig empfindlich, bis hoch im Norden gebaut, in Deutschland um Nürnberg und in Hannover, in Ungarn besonders im Hunter-, Stergrader und Ödenburger Komitat (auch verwildert), in Afrika und Asien; Pfeifengut, kräftig, mit Veilchengeruch, Blätter gestielt, rund, klebrig.

VII. Jungferntabak, N. peniculata aus Peru; Stengel etwas filzig, fünfeckig, bis ¾ m hoch, zuerst nur am Gipfel, später auch am Grund verzweigt, Blätter gestielt, in der Jugend unterseits reich und klebrig; brenzliches Rauchgut. Dazu N. argentifolia aus Chili und N. viscosa aus Buenos-Ayres, weniger beachtenswert. -

D. Wirkung und wirkende Bestandteile. Der T. gehört zu den alkaloidhaltigen Genußmitteln und zwar zu denen, an welche man sich erst nach Überwindung von Übelkeit, oft mit schlimmen Wirkungen, gewöhnen kann, welches aber, nachdem man sich daran gewöhnt hat, nicht leicht entbehrt werden mag. Frische Blätter enthalten bis zu 88, auch einige bis 80% Wasser, getrocknete 10-13%; die sonstigen Bestandteile sind nach Hermbstädt, Posselt und Reimann: 3,9-4,9% Holzfaser, 1,2-2,7% Gummi, 0,2-1,0% Harz, 1,6-2,8% Extraktivstoffe, etwa 1,3% kleberartige und Eiweißstoffe, etwas Äpfel, Zitron- und Oxalsäure (auch eine besondere Tabaksäure hat man angenommen), ein ziemlish ^[richtig: ziemlich] beträchtlicher Gehalt von Mineralstoffen, Asche, 16 bis 17%, nach Anderen 17-24% in den Blättern und Rippen und 6-16% in den Stengeln, durchschnittlich nach Wolff 15%, worunter hauptsächlich Kali, bis 3% und Kalk bis 6%; der Kaligehalt bedingt die Verbrennlichkeit, außerdem die Salpetersäure.

Die eigentlich wirkenden Bestandteile aber sind das Nikotin (s. d.), welches am reichhaltigsten im geringwertigen, am wenigsten im Havannatabak vorkommt, in den getrockneten und fermentierten Blättern nur noch bis zu ⅓ des Gehaltes der frischen Blätter; bei Zigarren bleibt der größte Teil in dem Reste, welchen man gewöhnlich fortwirft, beim Rauchen von Tabak in Pfeifen in dem sog. Sutter, welchen man in dem Absatz sammelt und ausgießt. Über den Gehalt an N. sind die Angaben sehr auseinandergehend. Posselt und Reimann gaben für frische Blätter 0,06% an, Henry und Bonton-Chalard für Rohtabak, unvorbereitet, 0,5% (Maryland) bis 1,2% (franz. T.), präpariert 0,385% (Rauch- und Schnupftabak). - Schlösing gab an für entrippten trocknen T. unter 2% (Havanna) und bis an 8% (französ. T.); auch Andre rechnen jetzt 1,5-8% und am wenigsten für Havanna und westindische, am meisten für europäische, französische und pfälzer Sorten.

Der zweite der wirksamen Bestandteile ist das Nikotianin oder der Tabakkampfer, eine fettartige, den feinen Geruch bedingende, Substanz, welche am meisten in dem besten T. sich findet. Bei der Gärung entwickeln sich Ammoniak, Trimethylamin und Fermentöle. Um die unangenehmen Verbrennungsprodukte aus Holzfaser, Gummi etc. zu verringern, wird die Mittelrippe entfernt und der T. durch die Fermentation und die Beizen präpariert. Beim Rauchen (Verglimmen) entwickeln sich Ammoniak, Kohlensäure, Kohlenoxydgas, Schwefelwasserstoff, Blausäure etc., das Nikotin wird zersetzt, das Nikotianin geht in den Rauch über.

Das Nikotin für sich ist ein heftig wirkendes Gift, durch welches beim Tabakgenuß das Erbrechen, Durchfall, Zittern, Schwindel bis krampfartige Bewegungen, Verdauungsstörungen, Muskellähmungen, selbt ^[richtig: selbst] Starrsucht und Tod veranlaßt werden können, wenn der Genuß zu frühzeitig erfolgt oder übertrieben wird. Beim Rauchen wird durch das N. am wenigsten, beim Kauen am meisten geschadet, beim Schnupfen wenig, weil die Zubereitung das Nikotin fast ganz beseitigt hat, außer bei den sehr starken Sorten; es beeinträchtigt den Geruchs- und Geschmackssinn und kann chronische Nasenkatarrhe hervorrufen. Im Böhmerwald wird der stärkste Brasil von Jung und Alt geschnupft und noch mit Pottasche, selbst wie man sagt, mit feinem Glaspulver versetzt.

Mäßiger, der individuellen Natur und Lebensweise angemessener Genuß von T. ist, wenn einmal die Übelkeiten überwunden sind, nicht nur nicht mehr schädlich, sondern selbst diätetisch nützlich und jedenfalls insofern, als er zu erhöhter Thätigkeit und zu leichterem Ertragen von Ungemach, Hunger, Durst, harter Arbeit, Sorge und Gefahr beitragen kann. Notwendig ist der Genuß auch zu alledem nicht; Tausende vermögen ohne T. es den Konsumenten darin völlig gleich zu thun, dem aber, welcher sich einmal daran gewöhnt hat, fällt die Beschwerde leichter.

Die Rauchwolken erregen die Phantasie in angenehmer Weise; das Rauchen im Dunkeln ist ganz wirkungslos; mit verbundenen Augen weiß man nicht zu unterscheiden, ob der T. in einer langen Pfeife brennt oder nicht, bei kurzen Pfeifen und Zigarren spürt man die Wärme. Daß die an den T. gewöhnten Soldaten im Krieg mit T. weit mehr leisten, als beim Entbehren des Genusses, ist bekannt; sie denken weniger an die Gefahr und finden sich leichter in die unvermeidlichen Beschwerden und Entbehrungen. Für den Konsumenten im Frieden bei gewöhnlicher Beschäftigung und Lebensweise ist die Unentbehrlichkeit des Genusses nicht nachzuweisen, die Annehmlichkeit aber zweifelsohne erwiesen. -

In Spamers „Chemie des täglichen Lebens“ (Buch der Erfindungen) wird berechnet,