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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Tabletterie

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Tabak - Tabletterie

III. Schnupftabak, Verwandlung in Pulverform und Zubereitung durch Gärung und Zusätze, färbende, Salmiak, Tonkabohnen, Violwurzel, Rosenöl etc. Manipulationen:

1) Aussuchen der Blätter, kräftig, schwer, fett, dunkel pechähnlich, süßlich-saurer Zwetschgengeruch; Kentucky, Virginia, holländisch schweres Bestgut (besonders zu Rollen für Schnupftabak, Nessing), Pfälzer, Nürnberger, Niederrheinischer T. etc.; Rippen, Stengel und Abfall zu geringen Sorten.

2) Saucieren und Gärenlassen; 24-30 l Sauce auf 100 kg - Eintauchen nochmals und nach Pressen des feuchten T.; Verfahren verschieden; Zerstampfen der Blätter vor- oder nachher. Gärenlassen 4-10-14 Tage, in Frankreich bis sechs Monate in großen Haufen bis zu 50000 kg Masse. Schnellgärung und langsam anhaltende Saucen verschieden, Geheimnis.

3) Karottengärung, für die besten Sorten, kostspielig. Umwickeln des präparierten Tabaks, 1,5-2,25 kg, in Leinwand, Puppenwindeln, in Form von Puppen, festes Umbinden dieser mit Bindfaden zur Bildung der ersten Karotte und zum Zusammenpressen, durch den kleinen oder den großen Karottenzug, Auflegen der Karotte auf Gerüste, öfteres Umwenden behufs gleicher Verteilung der Sauce, nach 14 Tagen Lockern des Bindfadens, Entfernen der Windel zum Benetzen mit Wasser, wieder Umschlagen, Umschlingen, Auflegen und Wenden, nach drei Wochen Entfernen der Windel, Umbinden der Karotte mit Bindfaden („Ficellieren“) Abschneiden der Spitzen und hervorstehenden Blätter, Verpacken in Kisten oder Schränken in dunkeln Gewölben, Umpacken der Karotten alle 14 Tage, Aufbewahren 6-8 Monate und auch 1-2 Jahre lang und länger (bis zehn Jahre haltbar). Statt der Anfertigung von Karotten preßt man auch die saucierten Blätter zwischen Leinwand in Kisten, schlägt diese dann zu, und wendet sie öfters um.

4) Rapieren, Zerkleinern der Karotten nach Abnehmen des Bindfadens und der Blätter durch Reiben auf Handreiben und Reibmühlen zu Pulver - Rapier - oder Stampfen auf Handstampfen und Stampfmühlen oder Zerkleinern durch Wiegemesser und durch Tabaksmühlen.

5) Sieben und Sortieren in grobes und feines Gut,

6) Anfeuchten mit Salzwasser oder Sauce. Unter Umständen unterwirft man den gesiebten T., besonders in Frankreich, und das nicht karottierte Gut einer nochmaligen Gärung in großen Kisten für bis 50000 kg Inhalt, Zustand mit bis 30% Feuchtigkeit, in warmen Lokalen, 9-10 Monate lang; tritt dabei säuerlicher Geruch auf, muß die Masse umgefüllt und dann nochmals zur Gärung gebracht werden.

7) Verpacken, entweder in Kisten aus Eichenholz, ausgeschlagen mit Papier, oder in steinernen oder gläsernen Töpfen, oder in Stanniol oder in Guttapercha, Wachs-, Pergament-, Zigarettenpapier u. dgl. Die Verwendung von Bleiblech ist verboten, da man bis zu 1,83% Blei in Tabaken in solcher Umhüllung gefunden hat. Die Schnupftabake sind feucht, schwarz, grob, oder mehlartig, trocken und heller, oft gefärbt.

Sie werden meist benannt nach den Firmen oder nach Erzeugungsorten: Mops und Doppelmops (Rotterdam) - Wiener und Pariser Rapé, St. Omer, St. Vincent, Pariser, Holländer, Marokko, Makuba, Robillard; Bolongaro und Lotzbeck (Deutschland) (Schneeberger wird weiß aus Viol- und Nieswurz, grün aus Angelikawurzel und Wiesenkräutern in Bockau bei Schneeberg gefertigt). Über Spaniol s. oben.

IV. Kautabak; dieser wird gefertigt aus schweren und fettigen Blättern, besonders Kentucky T., welche man sauciert, fermentiert und dann zu fingerdicken Rollen (Andouillen) oder Stangen spinnt oder preßt. Hauptsorten: Lady Twist, Cavendish, Negrohead, Shippmann's Garn, Schäfertabak. -

L. Aufbewahrung. Alle Tabake und Fabrikate müssen, gut verwahrt, in geeigneten Lokalen aufgehoben werden, Rohtabak auf Speichern im Faß oder in sonstiger Emballage übereinander geschichtet, Rauchtabak lose in Fässern, oder in Haufen auf luftigem Boden, Zigarren in nicht zu trockner Luft, aber bewahrt vor Feuchtigkeit und üblen Gerüchen, am besten in Holzkisten in guten Gewölben, weit ab von allen riechenden Waren, Rauch u. dgl.; Schnupftabak dagegen muß feucht bleiben und hebt sich am besten in Steintöpfen auf. -

Zoll: Unbearbeitete Tabakblätter und Stengel, auch Tabaksaucen s. Tarif im Anh. Nr. 25 v 1. Zigarren und Zigaretten, Nr. 25 v 2 α; andrer fabrizierter T., Nr. 25 v 2 β. - Der aus Wiesenkräutern, Violwurzel, Nieswurz etc., jedoch ohne Zusatz von T., hergestellte sogenannte Schneeberger Schnupftabak ist zollfrei. Der im Inlande gebaute T. unterliegt einer Steuer von 45 Mk. für 100 kg fermentierter Blätter, bzw. von 4,5 Pf. für den Quadratmeter bebauter Grundfläche. Die Verwendung von Tabaksurrogaten zur Tabakfabrikation ist im allgemeinen verboten. Ausnahme kann der Bundesrat gestatten und hat derselbe bis jetzt die Verwendung von Steinklee, Kirsch- und Weichselblättern, sowie von eingesalzenen Rosenblättern gegen Zahlung einer Steuer von 65 Mk. für 100 kg zugelassen. Bei der Ausfuhr von T. und von Fabrikaten aus inländischem sowie aus verzolltem ausländischem T. wird bei Beobachtung der vorgeschriebenen Kontrollmaßregeln die Abgabe zum größten Teil vergütet.

Tabletterie, Tafelwerk, heißen die zahlreichen Arbeiten der kleinen Kunsttischlerei, wie Schatullen, Toiletten, Schreibpulte, Likör- und Schlüsselschränke, Kasten und Kästchen für Schmuck, Thee, Tabak, Zigarren, Uhren, Zucker, Briefe und Briefmarken, Stereoskopen, Odeurs, Spielmarken etc., ferner Kartenpressen, Stellspiegel und dergleichen Waren, immer unter Voraussetzung eines gewissen Grades von Eleganz der Ausstattung.

Die Anfertigung solcher Waren bildet einen ziemlich selbständigen Industriezweig, der sich häufig auf Fabrikfuß gestellt hat. Es wirken in dieser Branche zusammen Tischler, Schlosser, Graveure, Leute, die eingelegte Arbeit in Perlmutter, Neusilber, Bronze, Holz etc. machen, Buchbinder und andre Hilfsarbeiter. In Deutschland ist der Geschäftszweig vielfach vertreten,