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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Thee

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Thee - Thee

Der T. ist nicht direktes Nahrungsmittel, wirkt aber außerordentlich belebend und erregend auf Nerven und Gehirn, erwärmend, ohne zu erhitzen, Wohlbehagen erweckend, das Denkvermögen steigernd, im Übermaß aber aufregend und Schlaflosigkeit bedingend, abspannend nach vorhergehendem Zittern, selbst Krämpfe veranlassend, besonders wenn T. gekocht und nicht überbrüht wird. Das rätliche Maß zum Genuß ist ein Kaffeelöffel von gutem T. für eine Person zu mehreren Tassen. In China und Japan wird T. ohne jede Zuthat, aber auch mit Salz, Milch, Butter, Mehl, Betel, Soda und Gewürzen genossen; echte Feinschmecker verschmähen die Zuthat, gewöhnlich aber nimmt man Zucker dazu, in Deutschland meistens auch Milch oder Sahne, vielfach Vanille oder Zimt, bei kaltem Wetter Rum etc. In Holland kocht man schon gebrauchte Theeblätter mit Milch zum Getränk für Kinder; nach dem Gebrauch bilden die feuchten Blätter das beste Mittel zum Reinigen der Teppiche.

Statistisches. Der T., dessen Gebrauch in China uralt ist, wird in Japan seit dem neunten Jahrhundert, in Ostindien und Java seit 1825, in Brasilien seit 1812, in Südamerika seit 1848, in Kalifornien seit 1878 gebaut; er verbreitete sich als Getränk in Europa von 1680 an, allgemeiner aber erst in unserm Jahrhundert. Rußland erhielt ihn auf dem Landweg für den Zaren schon 1638 und bezieht heute noch zum Teil mit die besten Sorten als sog. Karawanenthee auf diesem Wege, die Hauptmenge aber auch zur See;

1820 war die gesamte asiatische Ausfuhr nur 16 Mill. kg, 1872 schon 108 (78 Mill. nach Europa) aus China allein, bis 8 Mill. aus Japan, 9 Mill. aus Ostindien, und etwa 125 Mill. kg im ganzen aus den theebauenden Ländern. Den Verbrauch in diesen kennt man nicht, in England schätzte man ihn für China allein zu 1000 Mill. kg. Für 1878 rechnet man auf China 114,8, auf Japan 9,7, auf Ostindien 13,2 Mill. kg Ausfuhr und auf den Verbrauch außerhalb Asiens 145 Mill. kg.

Im Verbrauch stehen obenan England, pro Kopf 2,34 kg, 695568 m. Ztr. oder 68,82% des Verbrauchs, dann die Ver.-Staaten von Nordamerika, 0,654 kg, 198628 m. Ztr., 19,88%, die Niederlande, 0,548 kg, 16538 m. Ztr., 1,63%, Dänemark 0,245 kg, 2617 m. Ztr., 0,25%, Rußland 0,222 kg, 84520 m. Ztr., 8,34%. Die übrigen Staaten verbrauchen alle unter 0,2 kg pro Kopf; auf Deutschland kamen nur etwa 8607 m. Ztr. oder 0,03 kg pro Kopf, auf Italien nur 172 m. Ztr. (0,0001 kg pro Kopf); den Suezkanal passierten 1878 für 365,5 Mill. Mk. oder 73,1 Mill. kg T. Hamburgs Einfuhr war 1877 zus. 1,25 Mill. kg., wovon 1,471 Mill. kg. in das Reichsgebiet kamen.

Handelsplätze. In China wird für die Ausfuhr der grüne T. besonders in den Provinzen Kiangnan, Kiangsi und Chekiang, der schwarze in Fokien und Kanton gebaut. Der Ausfuhrplatz ist besonders Kanton und der Handel größtenteils in Händen der Engländer, welche den T. auf den besten Schnellseglern verfrachten. Holland führt für eigne Rechnung, Frankreich nur wenig aus, Rußland über Kiachta und Nishnij Nowgorod, bzw. Königsberg. Japan liefert den T. über Yokohama, Nangasaki, Hiogo und Osaka, hauptsächlich nach Amerika und Holland, neuerdings auch direkt nach Deutschland, welches die Hauptmenge von England bezieht, dann von Holland und Rußland, aber neuerdings mehr direkt einführt. Java und Madura versenden zumeist nach Holland.

Ostindien - Assamthee, baut den T. in den Distrikten von Dakka und Dandschiling in Bengalen, auf den Neilgherrybergen, in Birma und in den Nordwestprovinzen; er wird als „zu heiß“ mit schwächern Sorten gemischt, ist aber wohlschmeckender als Javathee. Amerikanischer T. kommt nicht nach Europa. Im Jahre 1877 gehörten von 62 Schiffen, welche nur T. führten und den Suezkanal passierten, 54 England, 5 Deutschland, 2 Rußland, 1 Holland. Theeauktionen gibt es in England und Holland, auch in Hamburg. -

Sorten. Der T. wird in sehr großer Zahl von Sorten zu Markt gebracht und zwischen diesen gibt es sehr bedeutende Preisunterschiede. China soll 7-8 Klassen und bis 57 Sorten haben. Die feinste Frühjahrsware - grün als Pekko, schwarz als Perlthee („Milchhaar“) - kommt kaum zur Ausfuhr; Pekko und Pekon kommen aber auch in den spätern Ernten als schwarzer T. und besonders als solcher vor und in bester Qualität als Blütenpekko - Flowery P., in geringerer als Orangepekko. Der P. ist schwarzbraun, zart, an der Spitze (Blüte) weißfilzig und gibt hellgoldgelben Aufguß; feinste Blüten kosten bis 18 Mk. pro kg in deutschen Handlungen, minder feine bis 12 Mk.

Concho oder Kongon (T., auf welchen Arbeit verwendet wurde), mit kurzen, dünnen, schwärzlichgrünen Blättern, Aufguß hell, angenehm riechend, der Hauptteil der englischen Einfuhr, kommt auf 6 Mk., in Mischung mit andern Sorten auch bis 12 Mk. und höher, gewöhnlicher mit Grus 5 Mk. Kapern C, Kapernthee, ist die geringste Sorte des schwarzen T., Pouchong, breit, lang, stark gedreht mit viel Blattstielen, gibt grünlichgelben Aufguß mit ambraartigem Geruch.

Souchong, bräunlich, ins Violette spielend, mit Melonengeruch, gibt sehr klaren, duftigen Aufguß von etwas süßlichen Geschmack. Dahin gehört der sog. Karawanenthee (jetzt nur noch selten, da der Seetransport vorgezogen wird), in russischer Originalverpackung zu 10 Mk., feinere Sorten zu 15 Mk., kräftig und aromatisch; Souchong sonst zu 5, 6, 8 und 10 Mk., Souchong Pekko zu 10 Mk., Congo Souchong bis zu 12 Mk.

Der feinste schwarze T., Moning, kostet bis 16 Mk., extra feine Londoner Mischung bis 13 und 14 Mk., fein feinster, Cay sow, 11-12 Mk. Schwarzer Grus-, Staubthee, Congo, Souchong und Pekkoblüten, kostet bis 5 Mk., die Theesorten der Anglo Continental T. Assoziation in London gehen in drei Nummern zu 8, 12-9 und 7 Mk.

Vom grünen T. ist die feinste Sorte Hyson, Hayson oder Haysan, 9 Mk. und höher, das feinste daraus, die zartesten Blättchen, Junghaysan, die geringsten Haysanskin, durch Schwingen ausgesondert, gehen hauptsächtlich ^[richtig: hauptsächlich] nach Amerika. Auslese ist der Kaiserthee, Imperial, engl. Gunpowder, Schießpulver, fein, zart, zu Körnchen geformt,