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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Vielfraßfelle; Vigognewolle; Wachholderbeeren; Wachholderholz; Wachholderöl

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Vielfraßfelle - Wachholderöl

wicht verkauft, auf 50 oder 100 kg. bezogen, nüchtern gewogen; die Preisnotierungen der Märkte werden für erste, zweite und dritte Qualität gemacht. - Zoll: Die Zollsätze für die einzelnen Vieharten gem. Tarif Nr. 39 a bis k.

Vielfraßfelle. Der Vielfraß (Gulo arcticus) ist eine zwischen den bären- und marderartigen Tieren stehende Gattung Raubtiere von der Größe eines Dachses und lebt im Norden von Europa, wie Asien und Nordamerika. Im skandinavischen Norden heißt er Fjelfras, woraus sich der deutsche Name durch die bloße Klangähnlichkeit gebildet hat, denn der Sinn des Originalnamens ist ein andrer. Die Felle sind hell- oder dunkelbraun und haben auf dem Rücken einen großen schwärzlichen, sattelförmigen Fleck, den sog. Spiegel. Das Haar ist 6 cm lang und ziemlich hart. Man verwendet die Felle in Polen zu Männerpelzen, anderswo zu Decken. Der Preis ist 10-25 Mk. pro Stück und es gehen ihrer etwa 2000 jährlich über die Leipziger Messen. - Zoll s. Marderfelle.

Vigognewolle. Die Vicunna (Auchenia vicunna) ist der kleinste Vertreter der in den Alpen Südamerikas heimischen Lamatiere (vergl. Alpaka und Lama), nur von Schafgröße und nur im wilden Zustande in Rudeln von sechs bis zehn Stück lebend, da es sich bei seinem äußerst scheuen Naturell nicht zähmen läßt. Es trägt auf der Oberseite eine seidenartig feine, stark gekräuselte, glänzend bräunlich oder rotgelbe, unterhalb weißgelbliche Wolle, welche letztere viel wohlfeiler als jene ist. Das Tier wird nur von Gebirgsindianern Perus und Chilis gejagt und liefert nebst der Wolle zugleich ein wohlschmeckendes Fleisch. Die ungeregelte Jagd hat den Wildbestand schon sehr gelichtet und die Wolle wird immer seltener und teurer, und dürfte in Europa kaum mehr vorkommen. Man verwendete den Stoff zu feinen Modeartikeln, Handschuhen u. dgl., doch immer nur in Untermischung, namentlich auch zur Verfeinerung der Oberfläche von Filzhüten. - Das sog. Vigognegarn führt nur einen erborgten Namen, denn es besteht lediglich aus feiner Schafwolle und Baumwolle in sehr wechselnden Mischungsverhältnissen. - Zoll: Vigognegarn aus Wolle und Baumwolle s. Tarif Nr. 2 c.

W.

Wachholderbeeren (Kaddigbeeren, Krammetsbeeren, baccae juniperi, fructus juniperi; frz. baies de genevrier; engl. juniper berryes); die getrockneten reifen Früchte (irrtümlich Beeren genannt) des in ganz Europa auf Berg- und Hügelland wachsendem, zu den Nadelhölzern gehörigen Wachholderstrauchs (Juniperus communis), der im Süden selbst baumartig wird. Die Früchte des Wachholder reifen erst im zweiten Jahre und werden dann dunkel violett, fast schwarz; im ersten Jahre sind sie noch grün. Getrocknet haben sie eine schwärzlich braune Farbe, sind glatt und glänzend oder stellenweise mit einem matten, bläulichen Reife überzogen; sie dürfen nicht zusammengeschrumpft oder verschimmelt sein und müssen einen kräftigen balsamischen Geruch und ebensolchen, dabei süßlichen Geschmack haben. Sie bilden einen Artikel des Droguenhandels und kommen hauptsächlich aus Ungarn (von den Karpathen) und Italien, nächstdem auch aus verschiednen Gegenden Deutschlands, so z. B. aus dem Fichtelgebirge, der Rhön, dem Spessart und dem Thüringerwalde. Verwendung finden die W. teils medizinisch als Volksheilmittel und in der Veterinärpraxis, teils zur Darstellung von ätherischem Öl und zur Bereitung des in England und Holland beliebten Genever und Gin. Auch fertigt man aus den W. das sog. Wachholdermus (Wachholdersaft, Wachholderlatwerge, succus juniperi inspissatus, roob juniperi, extractum baccarum juniperi), ein braunes Mus, das durch Auskochen der W. mit Wasser, Auspressen und Eindampfen der so gewonnenen Flüssigkeit erhalten wird. Gewöhnlich gewinnt man das Wachholdermus jetzt als Nebenprodukt bei der Wachholderölbereitung in den Fabriken ätherischer Öle aus dem Rückstande, der nach Abdestillation des Öles in der Destillierblase zurückbleibt. Die Aufbewahrung und Versendung der W. geschieht in Säcken oder Fässern. Im Handel unterscheidet man deutsche und italienische Wachholderbeeren, letztere sind größer und fleischiger, stehen auch höher im Preise. - Zoll: W., frisch und getrocknet, zollfrei. Wachholdermus ohne Zuckerzusatz Nr. 25 p 2, mit Zuckerzusatz Nr. 25 p 1.

Wachholderholz (Kaddigholz, lignum juniperi), das Holz des Wachholders (Juniperus communis); dasselbe ist gelblichweiß oder rötlichweiß, ziemlich weich, schwer zu spalten und sehr dauerhaft, ist dicht, feinfaserig und besitzt einen angenehmen aromatischen Geruch, der beim Erwärmen oder Entzünden des Holzes noch deutlicher hervortritt. Das W. wird als Drechslerholz verwendet, bildet aber auch einen Artikel des Droguenhandels; man verkauft es in diesem Falle in geraspeltem oder feingeschnittenem Zustande und verwendet es als Zusatz zu Holzthee und zur Bereitung von Wachholderholzöl. - Zoll: W., als Nutzholz brauchbar, siehe Nr. 13 c des Tarifs; geraspelt, als Thee, zollfrei.

Wachholderöl (oleum juniperi), das ätherische Öl des Wachholder (Juniperus communis); man hat zwei Arten, das Wachholderbeeröl (oleum baccarum juniperi) und das Wachholderholzöl (oleum ligni juniperi), von denen das erstere das teurere und feiner riechende Produkt ist, während das letztere billiger ist und einen an Terpentinöl erinnernden Geruch besitzt. Das Wachholderbeerenöl ist farblos,