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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Wasserreis; Watte; Wau; Weichselrohre; Weiden

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Wasserreis - Weiden

als Kitt und Klebmittel, als Füllmaterial für Seifen, zum Schlichten von Baumwollgarn wie als Bindemittel für Farben. Hierbei können jedoch nur solche Farben benutzt werden, die die Einwirkung eines so stark alkalischen Stoffes vertragen, ohne sich zu verändern. Unter dieser Voraussetzung benutzt man es im Zeugdruck wie zur Bereitung von gewöhnlichen Anstreichfarben, welche jetzt zu mehrerer Bequemlichkeit in Sortimenten gleich zum Streichen fertig im Handel wohlfeil zu haben sind und auf Holz- und Korbwaren, Tapeten u. dergl. gut passen. Auch die Kunsttechnik hat sich das W. zu nutze gemacht in einer neuen Art vorzüglich dauerhafter Freskomalerei, Stereochromie genannt, von welcher die Kaulbach'schen Treppenhausgemälde im Berliner Museum interessante Probestücke bilden. Zur Stereochromie wird Doppelwasserglas (Fixierungswasserglas) benutzt. Man muß die Wasserglaslösung oder das flüssige W. stets in gut verschlossenen Gefäßen aufbewahren, weil es aus der Luft Kohlensäure anzieht und dadurch zersetzt wird, indem sich in Wasser unlösliche Kieselsäuregallerte abscheidet.

Kaliwasserglas in Stücken wird mit 68 Mk. pro 100 kg berechnet, in Lösung (von 30° Bm.) mit 26 Mk., Natronwasserglas in Stücken mit 28 Mk., in Lösung von 35-38° Bm. mit 14 Mk., von 50° Bm. mit 20 Mk. pro 100 kg. Die Ausfuhr von W. aus dem Deutschen Reiche belief sich 1881 auf 3318800 kg, die Einfuhr auf 301000 kg. - Zoll: Kali-, Natron- und Doppelwasserglas s. Tarif im Anh. Nr. 5 h.

Wasserreis, Haferreis (Zizania palustris L., engl. Americain Oat-rice, frz. zizania), dem Reis verwandt, wächst wild in Südkarolina und Jamaika und wird auch bis Kanada angebaut als Nahrungsmittel, ähnlich wie Reis. Vergl. diesen. - Zoll s. Reis.

Watte (frz. ouate, engl. wad, wadding), der bekannte Futterstoff, wird größtenteils aus aufgelockerter und geschlagener Baumwolle auf der Wattenmaschine, eine Baumwoll-Reißkrempel mit entsprechender Einrichtung, welche die Ware in der bekannten Tafelform abliefert, gefertigt. Der Wattenmacher bestreicht sein Produkt zur Förderung des Zusammenhaltes noch auf beiden Seiten mit einer dünnen Leim- oder Gummilösung. Neuerdings wird auch wollene W. gefertigt und namentlich zum Auflegen bei Rheumatismus u. dergl. gern gebraucht. Diese hat etwas mehr Filzung und ist auf den Oberflächen nicht gummiert. - Zoll: Baumwollene W. s. Tarif Nr. 2 b, seidene 30 b, wollene 41 c 1, aus Waldwolle, Werg und andern vegetabilischen Spinnstoffen Nr. 22 a 1.

Wau, Färberwau (Färberreseda, Färberkraut, Gelbkraut, Strichkraut, Wiede, Waude, Harnkraut), Reseda luteola L., Familie der Resedengewächse; engl. Yellow Mignonette, Weld, frz. Gaude, Réséda des teintures, holl. Wouw, 60 bis 100 cm hohe Resedaart mit blaßgelben Blüten an langen Ähren, vierteiligem Kelch und drei- bis sechskantiger, oben offener, einfächriger Fruchtkapsel; sie kommt wild an Wegerändern und auf Äckern vor und wird noch an mehreren Orten in der Provence, auch in Deutschland gebaut wegen des gelben Farbstoffes in den Blättern und in andern Teilen der Pflanze. Diese ist zweijährig und einjährig, Samenwau, im letzten Falle mit kleinen dichter stehenden farbenreichen Blättern und kürzerem Stengel. Die amerikanische Quercitrinrinde hat den Anbau beeinträchtigt. -

Die Pflanze liebt feuchtwarmes Klima, trocknen kräftigen Boden, alte Dungkraft, tiefe Bearbeitung, Saat im Juli und August oder im Frühjahr, in Reihen, 30-45 cm weit, fleißiges Jäten und Behacken mit Verdünnen. Man mischt den feinen Samen mit Sand und sät 4-6 kg (1 hl wiegt 64 kg). Die Ernte erfolgt durch Ausraufen oder durch den Schnitt; Ertrag vom deutschen oder Winterwau 30-40, vom Sommer- oder franz. W. 15-32 m. Ztr. Der W. wird lufttrocken in Bündel gebunden und mit 6-8 Mk. pro Ztr. verkauft. Die ölhaltigen Samen können auf Öl gepreßt werden. - W. und Wauextrakt zollfrei.

Weichselrohre; diesen Namen führen die Stämmchen des Mahalebkirschbaums (Prunus Mahaleb), der strauchartig auf dürren sonnigen Höhen im südlichen Europa und auch noch etwas nördlicher wächst. Von seinem Vorkommen auf den Vogesen bei dem Orte St. Lucie führt das Holz auch den Namen Lucienholz. Als Baum gezogen liefert das Gewächs ein beliebtes Nutzholz; die jungen Stämmchen geben die ihres Wohlgeruchs wegen gesuchten W., die bei uns gewöhnlich nur noch in kurzen Stückchen an Zigarrenpfeifen vorkommen, während sie in der Türkei und andern noch Tabak rauchenden Ländern sich in ganzer Geltung erhalten. In der Türkei, in Ungarn und auch in Deutschösterreich, namentlich in der Gegend von Baden bei Wien, werden die Stämmchen in großen Baumschulen gezogen und da sie von den Rauchliebhabern immer ganz knotenfrei und ohne Schnittspuren gewünscht werden, so umwickelt man die Stellen, wo sich Zweigknospen bilden wollen, sorgfältig mit Tuch, und bindet auch wohl die Stämmchen zur Geradehaltung in ein aus zwei Teilen bestehendes Rohr. Das österreichische Erzeugnis geht größtenteils nach der Türkei.

Das Weichselholz soll seinen Geruch einem Gehalt an Cumarin verdanken, demselben Riechstoff, den auch die Tonkabohnen und der Waldmeister enthalten. Unechte Rohre sind gewöhnliches, mit Essenz von Tonkabohnen parfümiertes, Kirschholz. - Zoll: Unbearbeitete Weichselstöcke gem. Tarif Nr. 13 c, gebohrte W. außer Verbindung mit andern Materialien Nr. 13 d, Tabakspfeifen aus W. Nr. 13 g.

Weiden (Korbweiden), Arten von Salix Tourn, Weide, artenreiche Familie der Weidengewächse (engl. Willow, frz. saule, holl. wilgenboom, wilg, ital. sálice, salcio, salciore). Von den bekannten Weidenbäumen gibt es eine so große Zahl von Arten und Varietäten, daß selbst sämtliche Lehrbücher sie nicht erschöpfend aufzuzählen vermögen; auch die Einteilung der W. ist eine verschiedne; man trennt z. B. in bitterrindige W. (Reif-, Küsten-, kaspische, echte Trauer-, Silber-, Dotter, Bruch-, Knack, fünfmännige oder Lorbeer-W.), schalenrindige W. (Mandel-, Purpur-W.) - Bachweiden,