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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Warang; Wasserfenchel; Wasserglas

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Warang - Wasserglas

Zusammensetzung des W. ist ziemlich kompliziert; während man früher annahm, daß das W. aus Palmitinsäurecetyläther bestehe, haben neuere Untersuchungen dargethan, daß W. ein Gemenge von verschiednen Fettsäureäthern ist, nämlich von Verbindungen der Laurostearinsäure, Myristinsäure, Palmitinsäure und Stearinsäure mit den Äthern der diesen Säuren zugehörigen Alkohole. - Zoll: W., konsistentes, gem. Tarif Nr. 26 c 2. Walratöl (flüssiges Fett des Pottwal) Nr. 26 a 1 oder 4. Walratkerzen Nr. 23.

Warang (Wilia), der Bast eines ostindischen, zur Familie der Büttneraceen gehörigen, Baumes, Kydia calycina (Roxb.); man empfiehlt ihn als Ersatz für Lindenbast; als Spinnstoff eignen sich die Fasern weniger; sie sind glatt, schwach glänzend, gelblich, 0,9-1,3 m lang und 0,07-0,1 mm dick. - Zollfrei.

Wasserfenchel (Roßfenchel, Pferdefenchel, Pferdekümmel, lat. semen phellandrii, fructus phellandrii, semen foeniculi aquatici), die getrockneten Früchte, gewöhnlich Samen genannt, einer zu den Umbelliferen gehörigen, in Sümpfen und Gräben wachsenden, Pflanze, Oenanthe Phellandrium (Lam.); sie bestehen aus länglichen, nach obenhin verschmälerten, Doppelachenien, sind grünlichbraun und besitzen auf dem Rücken fünf hellere Riefen, von denen zwei etwas stärkere die blasser gefärbte Berührungsfläche begrenzen. Die Früchte besitzen einen starken, aromatischen, aber nicht angenehmen Geruch, auch der Geschmack ist unangenehm; sie bilden einen Artikel des Droguenhandels, werden aber nur im gepulverten Zustande als Zusatz zu Pferdepulvern verwendet. Der W. enthält ein ätherisches Öl, das Wasserfenchelöl (oleum phellandrii), welches in größern Gaben bei Tieren giftig wirkt; es ist gelb, hat den Geruch der Früchte und ein spezif. Gewicht von 0,852 bei 19° C. Man erhält 0,8% der trocknen Früchte an Ausbeute. Verwechselungen oder Verunreinigungen mit den sehr giftigen Früchten des Wasserschierlings (Cicuta virosa), der an denselben Standorten wächst, sollen vorgekommen sein; man erkennt die Früchte leicht an ihrer Geruchlosigkeit und an ihrer Form; sie sind nämlich kleiner, fast kugelrund, nur von den Seiten her etwas zusammengedrückt, gelbbraun und mit breiten, wenig erhabenen Rippen versehen. - Zoll: W.samen, auch gepulvert, zollfrei; das ätherische Öl daraus gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Wasserglas (lösliches Glas, frz. verre soluble, engl. waterglass), eine Glasmasse, die sich in siedendem Wasser auflöst und dann, auf eine Fläche gestrichen, wieder zu einer festen durchsichtigen Masse eintrocknet. Auch schon gewöhnliches Glas ist etwas in Wasser löslich, wenn es in Pulver verwandelt wird; durch Vermehrung des Alkaligehalts in der Glasmasse kann die Löslichkeit gesteigert werden. Das W. besteht indes nur aus Kieselsäure und Kali oder Natron; Kalk und andre Zuschläge, die zum eigentlichen Glase gehören, fallen hier weg. Oberbergrat Fuchs in München stellte die Komposition 1818 zuerst für praktische Zwecke her und setzte ihre Nutzbarkeit in einer ausführlichen Abhandlung auseinander. Anfangs mit großen Erwartungen aufgenommen, die es nicht alle erfüllen konnte, kam das W. wieder etwas in Vergessenheit, hat sich aber doch bei näherer Bekanntschaft so vielfach brauchbar erwiesen, daß es aufs neue in Gunst kam und jetzt zu allerlei Gebrauch in großen Mengen fabrikmäßig hergestellt wird. Es gibt dreierlei Sorten, Kali-, Natron- und Doppelwasserglas, in welchem letztern Kali und Natron zugleich enthalten sind. Das Kaliwasserglas ist demnach Kaliumsilikat oder kieselsaures Kali (Kali silicicum), das Natronwasserglas ist Natriumsilikat oder kieselsaures Natron (Natrum silicicum); das Doppelwasserglas ist kieselsaures Natronkali. In den technischen Eigenschaften gleichen sich alle drei, und da das Natron um vieles wohlfeiler ist als das Kali, so ist die gewöhnliche Kaufware meistens Natron Wasserglas; wenn jedoch das W. als Zusatz zu weicher Schmierseife genommen werden soll, so kann man nur Kaliwasserglas verwenden. - Die Verbindung von Kiesel und Alkali ist auf zweierlei Wegen, einem trocknen und einem nassen, ausführbar. Im ersteren Falle schmilzt man unter gewissen, in der Praxis ziemlich verschiednen, Verhältnissen gepulverten Quarz oder Feuerstein mit Soda unter Zusatz von etwas Kohlenpulver, ganz wie in der Glashütte, und gießt den Fluß in Formen, wo er zu einer durchsichtigen, schwach gefärbten Masse erstarrt; das Natronwasserglas hat immer einen grünlichen Schein, das Kaliwasserglas ist entweder farblos oder schwach bräunlich. Meistens aber kommt die Ware nicht in dieser festen Gestalt, sondern schon gelöst in den Handel. Man zerschlägt zu dem Zweck die Masse und setzt sie einige Zeit unter öfterm Befeuchten der Luft aus, damit sie auswittert, und kocht sie dann längere Zeit mit Wassser ^[richtig: Wasser]. Die geklärte Lösung wird hierauf bis zur Sirupdicke eingedampft. Wohlfeiler erhält man das W., wenn die Soda durch Glaubersalz ersetzt wird. Es benötigt hierbei, um die Zersetzung des letztern zu fördern, eines größern Zusatzes von Kohle und die Ware wird dunkler. Nach der andern Methode der Herstellung werden Alkali und Kieselsäure durch einen einfachen Kochprozeß verbunden und so direkt in Lösung erhalten. Hier ist aber Quarz als unangreiflich ausgeschlossen und es dienen zur Verkochung mit Ätzlauge nur gepulverter Feuerstein und Infusorienerde (Kieselgur), wie sie sich namentlich auf mächtigen Lagern in der Lüneburger Heide findet. Dieser Stoff, aus den Kieselpanzern mikroskopischer Tierchen bestehend, ist so angreiflich, daß die Kochung in gewöhnlichen Kesseln geschehen kann, wogegen der Feuerstein sich nur dann löst, wenn das Kochen im geschlossenen Apparat unter mehreren Atmosphären Dampfdruck geschieht. - Man benutzt das W. zu Anstrichen auf Stein und Mauerputz, welche dadurch eine Art Verkieselung erhalten. Selbst alte verwitternde Steinhauereien werden dadurch neu gefestigt. Im Gemisch mit Kalk gibt das W. einen festen hydraulischen Mörtel. Durch mehrmalige Anstriche schützt man Holz gegen Verwittern und leichte Entzündlichkeit, ebenso benutzt man W. auf Dach- und Steinpappen, ferner