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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Zinn

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Zinn - Zinn

in den Vereinigten Staaten von Nordamerika belief sich im Jahre 1880/81 auf 5 586540 amerik. Pfunde im Werte von 254615 Doll.; die Einfuhr der Schweiz im Jahre 1881 dagegen auf 1384800 kg. - Die Preise für Zink schwanken zwischen 32 und 38 Mk. pro 100 kg. - Ein starker Anteil des Zinkmetalls wird gleich auf den Hütten weiter verarbeitet zu Zinkweiß, das als weiße Anstrichfarbe an Stelle des Bleiweißes eine häufige und zunehmende Verwendung hat und in riesigen Massen verbraucht wird. Dieses feine weiße Pulver ist das Oxyd des Z., einfach erhalten durch Verbrennung von Zinkdämpfen. Diese Verbrennung vollzieht sich aber ganz von selbst, sobald diese Dämpfe mit Luft in Berührung kommen. Die zum Brennen dienenden Öfen haben Retorten, in denen Z. im Sieden erhalten wird. Die Dämpfe gehen durch aufsteigende weite Rohre in ein System von Kammern, deren letzte mit einem Schlot versehen ist. In den Röhren, in welche von unten Luft eindringen kann, geht die Verbrennung vor sich und das Oxyd schlägt sich in den Kammern in Form von Flocken und Staub nieder, von der ersten bis zur letzten in zunehmender Feinheit. Die Ware wird dann meistens noch gewaschen und durch Schlemmen in Sorten geschieden. Nebenprodukte der Zinkhütten sind: Cadmium (s. d.), Zinkgrau, ein unreines gemischtes Produkt der Destillation, als wohlfeile Anstrichfarbe; Zinkstaub (Poussière), ist das der Verbrennung entgangene Metall im feinsten Zustande, zeigt eine große Begier nach Sauerstoff und wird demnach als desoxydierendes Mittel, unter andern zur Bereitung von Indigoküpe benutzt. Vieille montagne liefert außerdem als Anstrichmasse Zinksilikat, das lediglich aus Oxyd und Wasserglas besteht. - Zinkvitriol oder Zinksulfat (Zincum sulphuricum) oder weißer Vitriol ist schwefelsaures Zinkoxyd, ein Salz, daß in großen Mengen aus Schwefelzink (Blende) hergestellt wird, indem man die Masse röstet, wobei Schwefel und Z. Sauerstoff aufnehmen, dann auslaugt und eindampft. Man benutzt ihn zur Darstellung von Zinkoxydfarben als Klärmittel für Öle und Firnisse, zum Konservieren von Häuten und tierischen Abfällen, als Schutzmittel gegen Hausschwamm, zum Imprägnieren der Eisenbahnschwellen, zum Desinfizieren anstatt des Eisenvitriols. - Das Chlorzink (Zinkchlorid), durch Auflösen von Oxyd oder Metall in Salzsäure zu erhalten, hat ähnliche. Verwendungen, unter anderm auch als Lötsalz. - Die Zinksalze und das Oxyd sind giftig, finden aber arzneiliche Verwendung, wozu sie der Reinheit halber besonders dargestellt werden. Das Oxyd dient auch äußerlich zu austrocknender Wundsalbe, - Zoll: Zinkerz, Zinkmetall, auch mit Blei oder Zinn legiert, Zinkweiß und dergleichen Präparate sind zollfrei. Zinkplatten und -Bleche Nr. 42 b. Andre Waren aus Z. Nr. 42 c und d. Legierungen aus Z. mit Kupfer etc. gehören der Tarifnummer 19 an.

Zinn (Stannum, frz. étain; engl. tin). Dieses, im reinen Zustande dem Silber an Farbe und Glanz nahekommende, Metall findet sich nur an wenig Punkten der Erde, nie gediegen und nur in wenigen Verbindungen. Das einzige in Betracht kommende Erz ist das Zinnoxyd, der Zinnstein, der in reinem Zustande aus 78,6% Metall und 21,4 Sauerstoff besteht. Dieses Mineral hat seinen ursprünglichen Sitz in quarzreichen kristallinischen Massengesteinen, z. B. Granit, Porphyr, Gneis, Grünstein. Solche zinnführende Granitkuppen heißen Zinnstöcke. Das Oxyd tritt teils als schwerer harter Stein, teils in wohlausgebildeten Kristallen von ungemeiner Härte auf (Zinngraupen), die gewöhnlich nicht weiß, sondern durch Eisen mehr oder weniger braun gefärbt sind. Aber auch der ganze Granit der Zinnstöcke ist mit mikroskopischen Partikeln von Oxyd durchsetzt und die Verarbeitung dieser Massen, um das Oxyd zu isolieren, ist eine der schwierigsten Berg- und Hüttenarbeiten. Das von Zinnstöcken gewonnene Metall, das sog. Bergzinn, ist nicht das beste; es wird übertroffen von dem Wasch- oder Seifenzinn, das auf viel leichtere Weise erreichbar ist. Die Natur hat an manchen Orten die ursprünglichen Muttergesteine zertrümmert, pulverisiert und verwaschen und solchergestalt das schwere Zinnoxyd so ausgeschieden, wie es durch Menschenhände nur mit großer Mühe ermöglicht werden kann. Hier besteht also die Gewinnungsarbeit lediglich im Abschlemmen des Erdreiches mit Wasser, bis das Oxyd rein ist, und im Ausschmelzen desselben unter Zuschlag des allgemeinen Reduktionsmittels, Kohle. Bei der Bergwerksarbeit wird das zinnhaltige Gestein mit Pulver gesprengt oder durch Feuersetzen mürbe gemacht, geröstet, durch Pochen in seines Mehl verwandelt, wieder geröstet und auf Waschwerken bearbeitet, bis der Zinngehalt etwa 50-70% beträgt. In Sachsen kürzt man die Reinigungsarbeit ab durch Ausziehen des Pochmehles mit Salzsäure. Das Ausschmelzen des Oxydes ist ebenfalls schwierig und verlangt außer Kohle noch andre Zuschläge, um die fremden Metalle zu verschlacken. In den Zinn werken des sächsischen Erzgebirges kann man nur diese Arbeit betreiben, da dort Zinnseifen nicht vorhanden sind; im englischen Zinndistrikt gewinnt man Wasch- und Bergzinn nebeneinander, in Indien kannte man bis vor wenigen Jahren nur das erstere, doch sind in neurer Zeit auch abbauwürdige Zinnstücke nachgewiesen und in Angriff genommen worden. Das Zinnoxyd findet sich dort in Körnchen und als feiner Staub in außerordentlicher Menge im Sande bis auf 3-5, ja selbst 9 m Tiefe; die Gewinnung ist reine Schlemmarbeit. Für Europa ist die Hauptfundstätte des Z. Cornwall und Devonshire im südöstlichen England. Von dort aus wurde schon in den ältesten Zeiten das Z. zu den Mittelmeervölkern gebracht und bildete einen Haupthandelsartikel der Phönicier. Doch soll damals das Metall auch in Spanien oder Portugal gewonnen worden sein. Das Z. bildet bekanntlich einen Bestandteil, der im Altertume eine so große Rolle spielenden Bronze (s. d.) Seit so langen Zeiten haben also Englands Gruben vorgehalten und ergeben noch jetzt gegen 9-10 Mill. kg jährlich. Von den erzgebirgischen Werken zu Altenberg und