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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Zirkon; Zitronat; Zitronellaöl; Zitronen

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Zirkon - Zitronen

mehrere Zinnpräparate unentbehrlich für die Färberei und werden fabrikmäßig dargestellt. Sie dienen außer dem genannten Zwecke häufig zugleich zum Nüancieren der Farben. Es sind dies namentlich Zinnsalz (Einfach-Chlorzinn, Zinnchlorür), erhalten durch Auflösen des Z. in heißer Salzsäure bis zur Sättigung, und Zweifach-Chlorzinn (Zinnchlorid) durch Eintragen von Z. in Königswasser. Für Fälle, wo die Zinnpräparate nicht sauer sein dürfen, hat man das Pinksalz (s. d.) und das Zinnoxydnatron oder zinnsaure Natron (Sodastannat), eine Verbindung des Oxyds mit Ätznatron. Da das erstere hier dem Natron gegenüber an Stelle einer Säure steht, so nennt man es auch Zinnsäure. - Zoll: Zinnerz, rohes Z., auch mit Blei, Spießglanz oder Zink legiert, altes Bruchzinn und Zinnpräparate zollfrei. Zinnplatten, sowie Zinnwaren s. Tarif Nr. 43 b, c, d. Legierungen von Z. mit andern als den vorstehend genannten unedlen Metallen gehören der Tarifnummer 19 an.

Zirkon (Hyacinth), ein Mineral, das aus kieselsaurer Zirkonerde und einer kleinen Menge Eisenoxyd besteht und an ziemlich zahlreichen Fundorten vorkommt, so in Böhmen, Norwegen, Frankreich, Rheinland (im Basalt), aber immer nur in kleiner Menge und nur an wenigen Lokalitäten von der Beschaffenheit, daß es als Edelstein gelten kann. Die Hauptfarbe solcher Z. ist tief- oder gelbrot; außerdem gibt es wasserhelle, die durch ihre lichtbrechende Kraft den Diamanten einigermaßen nahe kommen. Die gelbroten heißen speziell Hyacinthe. Andre Farben, wie olivengrün, grau, braun und braungelb, sind gewöhnlich nicht lebhaft. Ceylon liefert die schönsten roten und farblosen Steine, auch die Präsidentschaft Madras in Ostindien; sie liegen an beiden Örtlichkeiten lose im Sande. Schöne gelbrote Steine finden sich im Ilmengebirge (Ural) in Rußland und auch von Australien werden dergleichen Steine gebracht. Schöne große Exemplare von roten und farblosen Steinen haben immer einen ansehnlichen Wert; man benutzt die erstem zu Ringsteinen, die andern mehr zu Einfassungen und Garnierung. - Die weiße Zirkonerde (das Oxyd des Metalls Zirkonium) kann aus dem Gestein isoliert werden, kommt jedoch für gewöhnlich im Handel nicht vor. Sie ist ein Stoff von absoluter Unschmelzbarkeit und Unveränderlichkeit in der Hitze und ist mit Thon zu kleinen Cylindern geformt und gebrannt, statt des Kalks als Leuchtkörper bei der Hydrooxygengasbeleuchtung empfohlen worden. - Zoll s. Edelsteine.

Zitronat (Cedrat, Succade, confectio carnis citri), heißt die in längliche Stücke geteilte, sehr dicke und schwammige, in Zuckersirup eingekochte und zu feinen Bäckereien gebrauchte Schale einer großen Zitrone, der Frucht von Citrus medica macrocarpa. Die abgenommene und zerschnittene Schale wird in der Regel erst einige Zeit in Salzwasser gelegt, dann gebrüht und mit dem Zucker gekocht und in Fässer eingelegt. In dieser Form heißt die Ware auch Sukkade. Ein andrer Teil derselben wird nach dem Aufkochen mit Zucker an der Luft getrocknet und nicht eingelegt; diese bildet dann ein trockneres Z. Die Ware wird am besten in Genua und Livorno erzeugt. - Zoll gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1.

Zitronellaöl (Citronellöl, ostindisches Melissenöl, oleum Citronellae), ein stark melissenartig riechendes, aus Ceylon und Ostindien kommendes, ätherisches Öl, durch wässerige Destillation aus dem Zitronengras oder Kameelheu (Andropogon Schoenanthus) gewonnen, sowohl von der wild wachsenden als der für diesen Zweck kultivierten Pflanze. Das Öl dient besonders zum Parfümieren von Seifen. Man versendet es von dort in Porterbierflaschen, je 36 in eine Kiste zwischen Reisspelzen verpackt. Preis pro kg in Leipzig 11½ Mk. - Eingangszoll s. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Zitronen (lat. fructus Citri; frz. Citrons; engl. Lemons). Dieses bekannte Produkt wärmerer Klimate heißt bei den Italienern eigentlich Limone, woraus die Benennung Limonade sich erklärt, während eine nicht in den Handel kommende süße Abart den Namen Limette führt. Der Zitronenbaum soll aus Medien stammen, daher die Linné'sche Benennung Citrus medica. Er wird im ganzen Süden, in Portugal, Spanien, Italien, den griechischen Inseln und Nordafrika, in Frankreich (hier nur an wenigen Punkten) kultiviert und es haben sich mancherlei Spielarten desselben gebildet. Auch auf den westindischen Inseln ist die Zitronenzucht eingebürgert; es kommen zwar von dort keine Früchte, wohl aber viel des sauren Saftes nach Europa. Zu uns kommen die meisten Z. aus Italien, von Nizza, Genua, Mentone, Messina und vom Gardasee. Die Früchte werden dort meist von Handelsgesellschaften auf dem Baume gekauft und in Mengen ausgeführt. Die spanischen und portugiesischen Früchte gehen hauptsächlich nach England, und das Produkt der griechischen Inseln geht nach den östlichen Ländern oder wird auf Öl und Säure verarbeitet. Die südasiatischen Länder, China u. a., kultivieren den Baum gleichfalls massenhaft. Da die Zitronenbäume wie alle ihre Verwandten immer Blüten und Früchte haben, so werden auch mehrmals im Jahre Ernten und Schnitte gemacht. Der erste Schnitt, welcher über die Monate Oktober bis Ende Dezember und noch weiter sich ausdehnt, gibt die besten Früchte; dann folgt der zweite Schnitt, März, April, Mai, und der dritte vom Juni bis Ende September, welcher die am wenigsten geschätzten Herbstzitronen liefert. Alle zum Versenden bestimmten Früchte werden der bessern Haltbarkeit wegen vor der Reife abgenommen und um so unreifer, je weiter sie verschickt werden sollen. Zur Versendung werden sie, meistens einzeln in Papier gewickelt, in Kisten regelmäßig eingeschichtet, und zwar halten die Kisten 4-700 Stück, je nach den Bestimmungsländern und so, daß an die weitesten Bestimmungsorte die Kisten mit den geringsten Anzahlen gehen. Für den Winterversandt in kältere Gegenden werden je eine Anzahl Kisten wieder in ein großes Faß gepackt und mit warmhaltendem Material umstopft. Die Z. bedürfen einer Aufbewahrung in trocknen kühlen Kellern und fleißiges Nachsehen, um alle angegangenen