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Merck's Warenlexikon

Autorenkollektiv, Verlag von G. A. Gloeckner, Leipzig, Dritte Auflage, 1884

Beschreibung der im Handel vorkommenden Natur- und Kunsterzeugnisse unter besonderer Berücksichtigung der chemisch-technischen und anderer Fabrikate, der Droguen- und Farbewaren, der Kolonialwaren, der Landesprodukte, der Material- und Mineralwaren.

Schlagworte auf dieser Seite: Zitronenholz; Zitronenöl; Zitronensaft; Zitronensäure

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Zitronenholz - Zitronensäure

und fleckig gewordenen Stücke zu entfernen und das zwischenliegende Papier nötigenfalls zu erneuern. Recht dünnschalige Früchte sind am meisten geschätzt. Marinierte, d. h. in Salzwasser eingemachte Z. werden aus verschiednen Gegenden Italiens ebenfalls in den Handel gebracht. Die Verbrauchsweisen der Z. in der Küche, Konditorei, zu Limonade, Punsch etc. sind bekannt. Es werden dabei entweder alle schmeckenden Bestandteile der Frucht (Öl, Säure, Bitterstoff) zugleich in Anspruch genommen, oder es kommen Schale und Fleisch, also Öl und Säure, getrennt zur Anwendung. Zu einem beträchtlichen Anteil wird diese Trennung schon in den Erzeugungsländern vorgenommen und es gehen daraus als besondere Handelsartikel hervor: Zitronensaft, bezüglich Zitronensäure, und getrocknete Zitronenschalen (Cortex citri). Da das Öl bekanntlich nur in den Drüsen der gelben Schale, der saure Saft in dem Fleische sich befindet, so werden beide Teile getrennt, indem man entweder die Schale bandförmig abschält oder die Frucht vierteilt und das Fleisch wegnimmt. Die Schalen werden nun entweder zur Ölgewinnung verwendet, wonach sie natürlich keinen Wert mehr haben, oder sie werden getrocknet und so in den Handel gebracht. Die Schalen von Viertelschnitten werden den bandförmigen vorgezogen. In den Apotheken werden die Schalen zum Teil noch verfeinert, indem man sie in Wasser einweicht und dann das noch ansitzende Fleisch abschabt. - Zoll: Frische, auch mit Meer- oder Salzwasser übergossen, Nr. 25 h 1; bloß in Salz gepökelt, desgl. zerschnitten oder geschält mit Meer- oder Salzwasser übergossen, Nr. 25 h 3; kandierte Nr. 25 p 1.

Zitronenholz. 1) Das Holz des Zitronenbaums; es ist sehr dicht und weiß, kommt aber nicht in unsern Handel. 2) Ein gelbes Holz von unbekannter Abstammung mit schwachem, zitronenartigem Geruch; es ist sehr fein, dicht, ziemlich schwer, und nimmt eine schöne Politur an; man erhält es aus Westindien. - Einfuhrzoll: gem. Tarif im Anh. Nr. 13 c 1, bzw. 2.

Zitronenöl (Cedroöl, oleum Citri, oleum de Cedro, Essence de Citron), das in der gelben Schale der Zitronen enthaltene ätherische Öl; es wird hauptsächlich in Sizilien und Kalabrien gewonnen und zwar durch Auspressen der Schalen; die Schalenrückstände werden dann noch mit Wasser destilliert, da sich nicht alles Öl auspressen läßt; dieses destillierte Z. gilt jedoch für weniger fein, als das gepreßte. Die Hauptfabrikationszeit fällt in den November und Dezember. Das frisch gepreßte Z. ist stets trübe, klärt sich aber nach einiger Zeit, indem sich eine weiße Substanz abscheidet; es ist dann hellgelb, dünnflüssig und von angenehmem Zitronengeruch. Das destillierte Z. ist anfangs schon farblos und klar, wird aber später auch gelblich; es hat bei 20° C. ein spezif. Gewicht von 0,852 und polarisiert rechts. Die Versendung geschieht in kupfernen Ramieren von ca. 50 kg Inhalt. Sehr häufig wird das Z. schon in den Produktionsländern mit Terpentinöl verfälscht; eine solche Verfälschung läßt sich durch die Probe mit Nitroprussidkupfer sehr gut nachweisen. Preis des Z. ist oft sehr schwankend, je nach dem Ausfalle der Ernte. Das Z. ist eines der beliebtesten Gewürzöle zum Backen und wird auch zur Bereitung der verschiedensten Parfümerien etc. verwendet. - Eingangszoll gem. Tarif im Anh. Nr. 5 a.

Zitronensaft (Succus Citri), durch Auspressen des Fruchtfleisches nach Entfernung der bitterschmeckenden Kerne gewonnen, kommt entweder in seinem unveränderten Zustande, mit einem Gehalt von 6-7% Zitronensäure, oder häufiger eingedickt mit 22-24% Säuregehalt in den Handel, und zwar von den Produktionsländern direkt, sehr reichlich auch aus Westindien und der Türkei, oder von Plätzen, wo nur die Extraktion und Eindickung besorgt wird, wie dies massenhaft in Marseille und Toulon der Fall ist. Seit einigen Jahren werden auch von den Sandwichinseln große Mengen Z. und zwar vorzugsweise nach San Francisco versendet. Die Eindickung zu Sirup oder Mus erfolgt bei gelinder Hitze im Wasserbade oder durch Dampfbeheizung. Infolge der Konzentration wird der Saft auf Jahre hinaus haltbar. Außerdem dient als Konservierungsmittel etwas Baumöl, das in die Flaschen etc. obenauf gegeben wird. Die Handelsware ist, da man sie vor dem Versandt ein paar Tage der Gärung überläßt, um sie haltbarer zu machen, etwas weingeisthaltig. Der konzentrierte Saft ist sehr allgemein auf Schiffen in Gebrauch als ein skorbutwidriges Mittel, kann natürlich aber auch in jedem andern Falle an Stelle des frisch gepreßten Saftes Anwendung finden. - Der käufliche Saft bildet für chemische Fabriken das Material zur Darstellung der reinen kristallinischen Zitronensäure (s. d.). - Reiner Z. ist zollfrei, mit Zucker versetzter wird gem. Tarif im Anh. Nr. 25 p 1 verzollt.

Zitronensäure (Zitronsäure, acidum citricum), eine im Pflanzenreiche sehr verbreitete organische Säure, welche jedoch bis jetzt nur aus dem Safte der Zitronen bereitet wird, da sie in diesem in besonders reichlicher Menge (s. Zitronensaft) enthalten ist und andern Säuren nicht beigemengt sind. Die Bereitung geschieht derart, daß man den Saft in mit Blei ausgekleideten Bottichen mittels Dampf zum Kochen erhitzt und dabei so lange geschlemmte Kreide und etwas Kalkhydrat einträgt, bis kein Aufbrausen mehr stattfindet. Es hat sich nun aus dem kohlensauren Kalk zitronensaurer gebildet, der ebenfalls in Wasser unlöslich ist. Man trennt ihn von der Flüssigkeit, wäscht ihn mit kaltem Wasser gut aus und zersetzt ihn mit soviel verdünnter Schwefelsäure, als nötig ist, den zitronensauren Kalk in schwefelsauren zu verwandeln. Die nun wieder frei gewordene Zitronensäure wird durch Eindampfen der Lösung kristallinisch erhalten. Die noch gelblichen Kristalle werden darauf wieder gelöst, die Lösung wird durch Tierkohle entfärbt und aufs neue zur Kristallisation gebracht.

Die Darstellung der Säure wird vorzugsweise in England betrieben und werden von dort her die Marktpreise beherrscht. Auch in Deutschland (Roßla) ist seit einigen Jahren eine Zitronensäurefabrik im Betrieb, die ein, das englische an Güte übertreffendes Fabrikat liefert.